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Samstag, 19.03.2016

Die Schlacht des edlen Häuptlings

Erneuter Rückschlag für die RTL-Verfilmung: Nach einem Gerichtsurteil bleibt „Winnetou“ als Marke geschützt – vorerst.

Von Marcus Krämer

Ein Klassiker, den RTL neu verfilmen will: Winnetou (Pierre Brice, li.) mit Old Shatterhand (Lex Barker).
Ein Klassiker, den RTL neu verfilmen will: Winnetou (Pierre Brice, li.) mit Old Shatterhand (Lex Barker).

© Action Press

Wer noch Ostergeschenke sucht, sollte vielleicht mal im Karl-May-Onlineshop gucken. Dort gibt es unter anderem eine „Winnetou“-Armbanduhr, ein „Winnetou“-Kaffeetassenset, eine „Winnetou“-Tragetasche, ein „Winnetou-“Puzzle, einen „Winnetou“-Räucherindianer oder auch Samen für den „Eissalat Winnetou“, das Tütchen zu 1,60 Euro.

Der Karl-May-Verlag in Bamberg hat sich den Namen Winnetou als Marke schützen lassen, und offenbar macht er von diesem Markenrecht regen Gebrauch. Unter den Markenschutz fallen auch Filme. Damit hat RTL ein Problem, denn der Sender verfilmt die Winnetou-Abenteuer gerade ganz neu. Der Dreiteiler soll im Dezember ausgestrahlt werden. Seit Jahren wandert der Streit um den Winnetou-Markenschutz durch die Gerichtsinstanzen. Zuletzt hatte die Filmproduktionsfirma Constantin beim Europäischen Markenamt Beschwerde eingelegt. Daraufhin hatte die Behörde den Markenschutz aufgehoben. Dagegen hatte der Karl-May-Verlag vor dem Gerichtshof der EU in Luxemburg geklagt – und Recht bekommen: Die Marke Winnetou bleibt vorerst geschützt.

Winnetou und Robin Hood

Dabei steht das Wort sogar im Duden. Wer unter dem Buchstaben W nachschlägt, findet dort: „Winnetou – Indianergestalt bei Karl May“. Die Frage, um die es vor Gericht geht, ist aber die: Woran denkt man, wenn man den Namen Winnetou hört? Handelt es sich nicht längst um eine Art Synonym für irgendeinen Indianerhäuptling? So wie man jemanden, der es den Reichen nimmt, um es den Armen zu geben, einen Robin Hood nennt? Oder gehört Winnetou für immer und ewig zum Werk Karl Mays?

Der Gerichtshof der EU fasst den Rechtsstreit so zusammen: Constantin Film argumentierte, dass Winnetou „ganz allgemein als mit den Begriffen ,Indianer‘ und ,Indianerhäuptling‘ in Verbindung stehend wahrgenommen wird“. Dieser Ansicht war das Markenamt gefolgt. Es berief sich auf Beschlüsse des Bundesgerichtshofs und des Bundespatentgerichts. Demnach „verstehe der deutsche Verbraucher unter dem Begriff ,Winnetou‘ einen fiktiven, edlen und guten Indianerhäuptling“.

Das EU-Gericht kam nun aber zu dem Schluss: Diese Begründung ist unzureichend. Eine EU-Behörde darf ihre Entscheidung nicht auf die deutsche Rechtsprechung stützen. Wie so oft in solchen Gerichtsverfahren geht es also im Prinzip gar nicht um die Sache, sondern um formale Fragen. Das Markenamt muss nun neu entscheiden. Es könnte den Schutz der Marke Winnetou wieder löschen, müsste dies dann aber anders begründen. Es müsste glaubhaft machen, dass auch Dänen, Polen und Italiener mit Winnetou allgemein einen Indianerhäuptling verbinden.

Eine Säule des Geschäfts

Davon unberührt ist der Streit über die Verwendung bestimmter Winnetou-Titel für die Neuverfilmung. Auch hier hatte das RTL-Projekt zuletzt einen Rückschlag erlitten. Das Landgericht Nürnberg-Fürth hatte Ende 2015 einer Klage des Karl-May-Verlags stattgegeben. Der erste Teil der RTL-Verfilmung sollte zum Beispiel „Winnetou und Old Shatterhand“ heißen. Genau diesen Titel trägt aber ein Kinderbuch mit Kurzgeschichten, das der Verlag herausgibt. Deshalb können die Bamberger sich in diesem speziellen Fall auf Titelschutz berufen, auch wenn das Urheberrecht 70 Jahre nach dem Tod eines Autors erloschen ist.

Über die Entscheidung aus Luxemburg zeigte sich Verleger Bernhard Schmid erfreut: Die „Winnetou“-Figur sei äußerst wichtig für den Karl-May-Verlag und eine „Säule unseres Geschäfts“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Ob also mit oder ohne RTL-Neuverfilmung: Der „Eissalat Winnetou“ muss ein Renner sein.

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