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Samstag, 16.06.2007

Die Musik im Silbersee

„Winnetou“-Komponist Martin Böttcher feiert seinen 80. Geburtstag.

Von Dorit Koch

In den legendären „Winnetou“-Kinofilmen spielt Martin Böttcher neben Pierre Brice und Lex Barker eigentlich die dritte Hauptrolle – auch wenn man ihn gar nicht sieht. Der Komponist untermalte mit seiner Musik zehn Karl-May-Streifen für die Leinwand und avancierte in den 60er-Jahren zum erfolgreichen Filmkomponisten. Allein das Titelthema zu „Der Schatz im Silbersee“ verkaufte sich mehr als 100000-mal. Doch nicht nur der Apachenhäuptling profitierte von Böttchers Arrangements, auch Edgar-Wallace-Krimis bis hin zu TV-Serien. „So lange die mich wollen, sollen sie mich bekommen“, sagt Böttcher, der an diesem Sonntag 80Jahre alt wird.

Den heute in der Schweiz lebenden Musiker zieht es immer mal wieder nach Norddeutschland, auch zu den Karl-May-Festspielen in Bad Segeberg. Nicht von ungefähr: Mit Ex-Winnetou Pierre Brice verbindet ihn noch heute eine intensive Freundschaft.

Meister im Improvisieren

Er könne nicht genau sagen, wie viele Melodien er komponiert habe, meint Böttcher, „aber einige tausend waren es bestimmt“. Welchen Anteil die Musik an einem Film hat? „Man kann mit ihr eine Menge leisten und große Wirkung erzeugen, sie kann aber auch völlig unbedeutend sein“, erklärt Böttcher. Beim Komponieren habe ihm geholfen, dass er gelernt habe, zu improvisieren. „Während des Krieges habe ich mir in der Gefangenschaft in Norddeutschland das Gitarrespielen selbst beigebracht“, erzählt er. Nach dem Krieg führte ihn der Weg nach Hamburg, wo er seine musikalische Karriere im neu formierten Tanz- und Unterhaltungsorchester des Nordwestdeutschen Rundfunks startete. 1954 wechselte Böttcher dann endgültig vom Notenpult zum Skizzenpapier.

Heute für „Pfarrer Braun“

Sein Debüt als Komponist bei einer Spielfilm-Produktion gab Böttcher 1955 in „Der Hauptmann und sein Held“. Schon der zweite Film wurde ein großer Erfolg: „Die Halbstarken“ mit Horst Buchholz. Unermüdlich vertonte der Musiker danach immer neue Geschichten zunächst für das Kino, später vor allem für das Fernsehen.

Gänzlich zur Ruhe setzen will sich der Mann, der bis vor drei Jahren noch auf Surfbrettern und Skiern stand, noch lange nicht. Derzeit schreibt er regelmäßig die Musik zur TV-Serie „Pfarrer Braun“. Böttcher: „Damit bin ich gut ausgelastet, denn je älter man wird, desto weniger Zeit hat man.“ (dpa)