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Freitag, 29.01.2016

Designerbude wird zum Taubenschlag

Kann sich eine Regisseurin nicht entscheiden, was für einen Film sie drehen will, kommt etwas wie „Der fast perfekte Mann“ heraus.

Von Klaus Braeuer

Ulf Kramer (Benno Fürmann) und Neffe Aaron (Louis Hofmann) gewöhnen sich langsam aneinander. Im ARD-Film „Der fast perfekte Mann“ läuft alles auf ein Happy End hinaus.
Ulf Kramer (Benno Fürmann) und Neffe Aaron (Louis Hofmann) gewöhnen sich langsam aneinander. Im ARD-Film „Der fast perfekte Mann“ läuft alles auf ein Happy End hinaus.

© ARD Degeto/UFA Cinema/Frank Dicks

Wenn ein Film „Der fast perfekte Mann“ heißt, dann kann man für diesen Film getrost vom Gegenteil ausgehen. Ob das in diesem Fall tatsächlich so ist, mag der geneigte Zuschauer am Freitag entscheiden, wenn das Werk, das 2013 im Kino lief, im Ersten zu sehen ist.

Im Film ist ja bekanntlich alles möglich. Und so verwundert es nicht allzu sehr, dass eines Abends plötzlich ein Kind vor der Tür von Ulf steht. Das allerdings ist im Leben des nicht gerade erfolgsverwöhnten TV-Talkers bei einem Hamburger Lokalsender überhaupt nicht vorgesehen. Aber den kleinen Aaron wird er so schnell nicht wieder los, handelt es sich doch um den Sohn seiner Halbschwester, die nach einem schweren Unfall im Koma liegt. Und nicht nur das: Soeben wurde Ulf von seiner schwangeren Freundin Anni verlassen, weil er eben partout kein Kind will, auch und gerade von ihr nicht. Sie verschweigt ihm jedoch, dass sie das Baby nicht abgetrieben hat. Fortan müssen nun also Ulf und der Teenager Aaron irgendwie miteinander klarkommen, in Ulfs nahezu staubfreier und erschreckend durchgestylter Designerwohnung. Den „coolen Schlitten“ (es ist ein Ford Mustang) seines Onkels findet der Junge ja noch ganz okay, aber die kalte Wohnung peppt er rasch ordentlich auf: Er macht sie kurzerhand zum Taubenschlag, weil er eben ein liebevoller Vogelfreund ist.

Derweil gerät Ulf mit seinem Senderchef aneinander, weil die Einschaltquoten seiner Talksendung absacken. Anni wendet sich verstärkt ihrem Veggie-Imbiss und ihrem Ex-Freund zu, hofft aber insgeheim, dass der völlig überforderte Ulf bald ihre Hilfe braucht oder er ungeahnte Qualitäten als Vater an den Tag legt.

Der Zuschauer mag sich also ausmalen, wie diese von Regisseurin Vanessa Jopp inszenierte Geschichte endet – leider absolut vorhersehbar. Was auch daran liegt, dass es einfach zu viele Filme gibt, in denen plötzlich Babys vor der Türe liegen oder pubertierende Teenager ein neues Zuhause beziehen, was für haarsträubende Verwicklungen sorgt. Ein perfekter Film ist das wirklich nicht, noch nicht mal fast. (dpa)

„Der fast perfekte Mann“ , 20.15 Uhr, ARD

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