erweiterte Suche
Montag, 16.04.2018 TV-Tipp

Der Richter ist sein eigener Henker

Der Jurist Joachim Glahn nimmt es mit der Wahrheit sehr genau. Aber privat führt er ein heimliches Doppelleben.

Von Klaus Braeuer

Ob Richter Wollenkamp (Sebastian Urzendowsky, l.) die gleichen Rückschlüsse aus den Unterlagen zieht wie Richter Glahn (Heino Ferch, r.)?
Ob Richter Wollenkamp (Sebastian Urzendowsky, l.) die gleichen Rückschlüsse aus den Unterlagen zieht wie Richter Glahn (Heino Ferch, r.)?

© ZDF

Er ist ein beherrschter Mann, der Berliner Richter Dr. Joachim Glahn (Heino Ferch). Er hat eine ihn liebende Gattin Alexandra (brav: Gesine Cukrowski); Tochter Luise (naiv: Elisa Schlott) studiert natürlich Jura und nimmt heimlich Koks. Und seine schroffe Mutter Gisela (sehr gut: Marie Anne Fliegel) hängt ständig an der Weißweinflasche.

Und er hat eine Geliebte, die Gerichtsmedizinerin Michaela (Victoria Sordo). Vor Gericht bekommt er es mit dem Angeklagten Wieland (blass: Wolfram Koch) zu tun, einem Abrissunternehmer. Er erpresst Glahn, um seine sofortige Freilassung zu erreichen: Wielands Freund Maik Fechner (Sebastian Hülk) macht sich an Luise heran und entführt sie. Dann hat da auch noch der Bauunternehmer Lüders (richtig gemein: André Jung) seine Finger im Spiel. Und das ist natürlich ein dreckiges. Es geht um Abhängigkeiten, Gier nach Macht und Geld, verlorene Ehre und Intrigen. Die Geschichte um ein vertuschtes Verbrechen wirkt allerdings recht konstruiert. Vermutlich würde ein Richter eher seine Befangenheit erklären, als schließlich einen derartigen Mist vor Gericht zu produzieren.

So drängen sich dem Zuschauer angesichts dieses unwahrscheinlichen Szenarios allerhand Fragen auf: Wie kann es sein, dass ein Angeklagter aus der Zelle heraus eine Entführung organisiert? Und dass sich eine angesehene Gerichtsmedizinerin zur Handlangerin des Herrn Richters machen lässt? Von einigen anderen Unzulänglichkeiten zu schweigen, die um diesen Richter angehäuft werden. Immerhin passt die rüde Sprache zu dieser größtenteils unspannenden und unglaubwürdigen Geschichte, für die Marija Erceg das Buch schrieb und bei der Markus Imboden Regie führte.

Heino Ferch gibt einmal mehr den einsamen Kämpfer und Rächer. Er spielt den Richter, der sein eigener Henker ist, als eine Mischung aus selbstgerechtem Macho, herrschsüchtigem Vater und grundegoistischem Mann. (dpa)

„Der Richter“, 20.15 Uhr, ZDF

Leser-Kommentare

Insgesamt 0 Kommentare

    Kommentare können nur in der Zeit von 8:00 bis 18:00 Uhr abgegeben werden.