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Freitag, 24.06.2016

Der letzte Schritt

Debattieren ist wie Fußball. Im Zweikampf kann man sich schon mal verletzen.

Von Werner J. Patzelt

Der Politikwissenschaftler Werner J. Patzelt
Der Politikwissenschaftler Werner J. Patzelt

© Ronald Bonß

Ein winziger Schritt noch – und die besorgten Bürger Bittner & Patzelt haben bewiesen: Es geht eben doch! Man kann zu gemeinsamen Einschätzungen kommen, selbst wenn man anfangs zerstritten war oder schien. Wir haben vorgeführt: Es lässt sich klar und scharf formulieren – ohne einander mehr zu verletzen, als das Fußballspieler beim Ringen um den Ball immer wieder tun. Letzteres nimmt jeder Profi als Nebenwirkung seines Sports hin; und am besten tut das auch, wer sich ins Spiel öffentlicher Debatten begibt. Was bei alledem wirklich zählt, sind die Freude am gemeinsamen Sport sowie Fairness bei dessen Ausübung.

Und hier kommt nun der noch fehlende Schritt. Ich warf in meiner letzten Kolumne die Frage auf, ob es Franzosen und Mexikaner wohl ebenso schicksalsergeben hinnähmen wie die Deutschen, wenn man sie – warum auch immer – eine „Promenadenmischung“ hieße. Und mit einem Furor zwar nicht teutonischer, sehr wohl aber ironischer Abkunft nahm eine Formulierung meinen Mitkolumnisten in Mithaftung: dafür nämlich, dass so mancher den deutschen Patriotismus deshalb nicht mag, weil er viele Deutsche nun einmal für notorische Rassisten und Latenznazis hält. Die aber lebten unter dem Deckmantel von Patriotismus bloß Nationalismus und Chauvinismus aus. Zu solchen – mir höchst unlieben – Deutschlandverächtern gehört in der Tat, wer Schildern hinterherläuft mit der Aufschrift „Deutschland, du mieses Stück Scheiße!“, oder wer sich bei Demonstrationen heimisch fühlt, bei denen als Schlachtruf erklingt „Deutschland verrecke!“.

Michael Bittner gehört nicht zu solchen Leuten. Und wenn er gegen Vollpfosten am rechten Rand anrennt, während ich auf Vollpfosten am linken Rand losgehe, praktizieren wir schlicht eine Arbeitsteilung, die unserem Gemeinwesen guttut. Und meinerseits können wir gerne auch die genau umgekehrte Gegnerzuordnung praktizieren. Denn einig sind wir uns offenbar in Folgendem: Unsere Gesellschaft sollte gründen in gemeinsamer Verantwortungsübernahme von Einheimischen und Zuwandernden für unsere gemeinsame Zukunft; und Patriotismus ist kein schlechter Name für diese Grundhaltung, die es immer wieder – ganz im Wortsinn – zu kultivieren gilt. Und nun mögen sich viele dem anschließen, sowohl unserem Ergebnis als auch unserem Stil!

››› Alle Beiträge lesen Sie gesammelt im Spezial zur Kolumne „Besorgte Bürger“

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