Montag, 19.11.2012

Der Beatpol als Kreißsaal

Selig lassen beim Test ihres neues Albums in Dresden die Fans kräftig mitsingen.

Von Andy Dallmann

Vor dem Vergnügen kam die Arbeit, die jedoch schon einen extrem hohen Unterhaltungswert hatte. Am Sonnabend spielte die Hamburger Band Selig im seit Wochen ausverkauften Dresdner Beatpol zunächst ausschließlich Songs vom kommenden Album. Kein echter Test, denn die gut 500 Menschen vor der Bühne waren eindeutig harte Fans, die es hinbekamen, selbst bei den unbekannten Nummern sofort mitzusingen. Da staunte sogar Frontmann Jan Plewka, der zu Beginn die Bedeutung das Abends mit ausgereiften Metaphern erklärt hatte. Man befände sich im Kreißsaal, erlebe live eine Geburt mit und wisse bislang nur, dass das Kind Magma heißen werde. Und: Es sei zuvor tatsächlich Liebe im Spiel gewesen.

Die Band, die sich Ende der 90er-Jahre im Streit aufgelöst und 2008 wiedervereint hatte, ist erfolgreicher denn je. Da fiel sicher auch die umfassende Versöhnung, die Plewka auf der Bühne mit einer Runde Gruppenkuscheln darstellen ließ, vergleichsweise leicht. Das für Februar angekündigte neue Werk, das dritte nach der Reunion, bringt die Combo auf diesem Weg fraglos weiter voran. Zum bewährten Rausch-unterstützenden Mix aus Orgelei, Gitarrenbrett und Hammerbass kam weder Wesentliches hinzu noch ging etwas verloren. Klebrigsüß und chilischarf, an einem solchen Sound fummeln andere auf ewig erfolglos.

In den Texten habe er auf Worte wie Schwester und Mond verzichten wollen, so Plewka. Es gelang ihm nicht. Den Beweis liefert „Schwester Schwermut“, ein potenzieller Hit. Für „Love & Peace“ übte die Band ausufernd den Chorgesang mit dem Publikum, das sich jedoch mit etwas Glück bald auf der CD wiederhören kann. Als Bonus folgte der „Magma“-Präsentation gut eine Stunde Hit auf Hit, bis die Glückstränen rollten und „Wir werden uns wiedersehen“ mehr Versprechen als nur der perfekte Song für den Abgesang war.

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