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Montag, 20.11.2017

Der ausgebuffte Ermittler

Kommissar Martin Brühl ist ein rastloser Geselle. Fast ohne Schlaf schlägt er sich durch seinen ZDF-Krimi und löst den Fall trotzdem.

Von Carsten Rave

Kommissar Brühl (Roeland Wiesnekker) ermittelte vor Jahren schon im Fall einer Kindesentführung.
Kommissar Brühl (Roeland Wiesnekker) ermittelte vor Jahren schon im Fall einer Kindesentführung.

© ZDF

Ein Villenviertel am Rande von Berlin, die Welt scheint in Ordnung: Eine Schar Kinder streift friedlich im Laternenumzug durch die Straßen. Nur wenige Meter entfernt schiebt eine einsame, blonde Frau ihren Kinderwagen durch die Häuserzeilen – sie rechnet nicht damit, dass der kleine Janosch zu ihr rennt, einen Blick in den Kinderwagen wirft und zu seinem Erstaunen nur eine Puppe entdeckt.

Diese merkwürdige Szene eröffnet den ZDF-Krimi „Der Kommissar und das Kind“. Das Verbrechen ereignet sich kurz danach: Fernsehmoderatorin Caroline Schäfer und ihr Mann Till haben Freunde eingeladen, zum ersten Mal knapp zwei Jahre nach Geburt der kleinen Paulina, denn das Kind kann nach langer Gewöhnungszeit endlich durchschlafen.

Als die Gastgeberin ihren Freunden die schlafende Kleine präsentieren möchte, passiert das Unfassbare: Paulina ist verschwunden – statt des kleinen Mädchens liegt eine Puppe im Kinderbett. Die Welt bricht für die Schäfers zusammen: Kommissar Martin Brühl und auch Kriminalpsychologin Susanne Koch stellen vor Ort fest. Der Täter hat die eine Handbreit geöffnete Außentür genutzt und die Kleine entführt.

Für Kriminalpsychologin Koch ist schnell klar, dass der Kidnapper der Mutter eine Botschaft übermitteln wollte: Die Puppe, sagt die Polizistin, sage: Sie reiche doch für die Mutter, für ein echtes Kind habe die doch gar keine Zeit. Kollege Brühl erwartet eine Lösegeldforderung. Für ihn entwickelt die Entführung viele Parallelen zum Fall Michel zwei Jahre zuvor – eine Geschichte, die er nie gelöst hat. Dieses Mal will er es besser machen und verspricht der Mutter: „Ich bringe Ihnen Ihr Kind zurück!“

Der Krimi lebt vom Wechselspiel des ausgebufften Ermittlers, der ohne Schlaf an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit geht, und seiner Kollegin, der eindringlich fragenden Psychologin, die allein auf ihre Methoden vertraut. Beide sind gute Figuren, beide haben ihre Vorgeschichten, vor allem miteinander. Bis zum Schluss wird nicht klar, ob beide eine gemeinsame Zukunft haben könnten, zu unterschiedlich sind sie geprägt. Auch ihre Methoden prallen aufeinander. Beide stecken in der Sackgasse – wäre da nicht Janosch.

Denn in einem Einkaufszentrum entdeckt das pfiffige Kerlchen die blonde Frau, die keine Puppe mehr hat, sondern ein lebendiges kleines Kind auf dem Rücksitz ihres Autos anschnallt. Janosch erkennt sein Nachbarskind Paulina. Als der Junge dann auch noch verschwindet, haben die Ermittler einen zweiten Fall. Aber die Überwachungskameras und andere moderne Techniken führen die Polizei in die richtige Richtung – der Krimi nimmt einen erwartbaren Verlauf. Er bleibt aber dank guter Charaktere und eines soliden Buchs bis zum Ende dennoch spannend. (dpa)

„Der Kommissar und das Kind“, Mo, 20.15 Uhr, ZDF

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