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Dienstag, 17.02.2009

Decken und Lebensmittel

Weil er einem jüdischen Musiker im Warschauer Getto geholfen hat, wird der Wehrmachtshauptmann Wilm Hosenfeld posthum von Jad Vaschem geehrt.

Jerusalem. Der Wehrmachtshauptmann Wilm Hosenfeld, der durch den Film „Der Pianist“ berühmt wurde, ist in Israel posthum als „Gerechter unter den Völkern“ geehrt worden. Die israelische Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem teilte gestern mit, eine Kommission habe die Würdigung nach Einsicht neuer Dokumente beschlossen. In dem Film „Der Pianist“ (2002) von Roman Polanski wird gezeigt, wie Hosenfeld den polnisch-jüdischen Klavierspieler Wladyslaw Szpilman in den Ruinen Warschaus in dessen Versteck mit Decken und Lebensmitteln versorgt hatte.

Hosenfeld war kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges 1939 von der Wehrmacht eingezogen worden und ab Juli 1940 in Warschau stationiert. Dort diente er als Sport- und Kulturoffizier und war während des Aufstands im Warschauer Getto im Sommer 1944 an Häftlingsverhören beteiligt. Nach dem Krieg wurde Hosenfeld von den Sowjets zu lebenslanger Haft verurteilt. Er starb 1952 in einem sowjetischen Gefängnis.

Nach Angaben von Jad Vaschem hatte neben Szpilman auch ein zweiter jüdischer Überlebender namens Leon Wurm ausgesagt, Hosenfeld habe ihm geholfen. Die zuständige Kommission habe jedoch mit einer Würdigung gezögert, bevor nicht geklärt war, ob Hosenfeld während des Aufstands im Warschauer Getto an Kriegsverbrechen beteiligt gewesen war.

Die Medaille und Urkunde von Jad Vaschem sollen an Hosenfelds Kinder übergeben werden. (dpa)