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Donnerstag, 11.02.2016

Das Model als Skulptur

Horst P. Horst war der Starfotograf der „Vogue“ in den 30er und 40er Jahren. Er fotografierte die berühmtesten und schönsten Frauen. Aber mit Marlene Dietrich kam er nicht zurecht.

Eine Besucherin geht an Fotografien des Fotografen Horst P. Horst vorbei.
Eine Besucherin geht an Fotografien des Fotografen Horst P. Horst vorbei.

© dpa

Düsseldorf. Jeder wollte von Horst P. Horst fotografiert werden, ob adlig oder mit den richtigen gesellschaftlichen Verbindungen, schreibt Anna Wintour, Chefredakteurin der amerikanischen „Vogue“ und einflussreichste Frau der Modebranche. „Bei ihm wirkte jeder makellos schön und attraktiv.“ Horst war der Starfotograf der „Vogue“ in den 30er und 40er Jahren. Als Wintour Mitte der 80er Jahre zu dem Modemagazin kam, traf sie sich mit stilprägenden Fotografen des 20. Jahrhunderts gelegentlich zum Lunch. „Horst verkörperte zwar die alte Schule im besten Sinn ..., doch seine Bilder sind vollkommen zeitgemäß und zeitlos zugleich.“

Einen „echten Horst“ konnte man sofort erkennen - an dem Spiel von Hell und Dunkel, den dramatischen Schatten in seinen Schwarz-Weiß-Fotografien und an der antikisierenden Stilisierung der Models. Horst P. Horst (1906-1999), der als Horst Paul Albert Bohrmann in Thüringen zur Welt gekommen war, war der „König der Modefotografie“ in Paris.

Erstmals ist nun in Deutschland eine umfassende Retrospektive zu seinem Werk mit rund 250 Werken aus 60 Jahren zu sehen. Das Düsseldorfer NRW-Forum ist die einzige Station der Schau, die zuerst im Victoria and Albert Museum London gezeigt wurde.

Horst studierte bei Gropius

In Horsts unverwechselbarer Modefotografie spiegeln sich die Kunstströmungen des Surrealismus und Bauhauses wieder. Er hatte bei Bauhaus-Architekt Walter Gropius studiert und kurz bei Le Corbusier gearbeitet, bevor er 1931 bei der Pariser „Vogue“ begann und binnen weniger Jahre zum meistgefragten Fotografen avancierte.

Horst arbeitete mit Salvador Dalí zusammen, der für ihn Studiodekoration entwarf. Er fotografierte Berühmtheiten wie Coco Chanel, Rita Hayworth, Gary Cooper und Bette Davis. Nur mit Marlene Dietrich wurde er nicht richtig warm. „Sie strahlte Sex aus, aber sie war nicht sexy“, sagte Horst über seine Landsmännin.

In den schwarz gestrichenen, halbdunklen Ausstellungsräumen des NRW-Forums taucht man tief in die Vorkriegs-Modewelt der 30er Jahre ein. Models waren oft russischstämmige Adlige oder einfach Bekannte der „Vogue“-Mitarbeiter. Horst selbst entdeckte die junge „Lud“, die als Botin Kleider an die „Vogue“ auslieferte, und machte sie zu einem Starmodel. Für die Requisite griff der Fotograf auch selbst zu Nadel und Faden und stickte zum Beispiel einen Sternenhintergrund.

Horst ging zu Werke wie ein klassizistischer Bildhauer des 19. Jahrhunderts, er machte sich Skizzen und stilisierte die in Satin und Seide gekleideten Models zu antiken Göttinnen. „Er betrachtete mich als lebendige Skulptur“, sagte eines seiner Mannequins. Horsts Aktbilder, in denen sich etwa die Körperformen einer Frau in den Rundungen einer Harfe wiederfinden, waren der „Vogue“ dann allerdings zu gewagt und blieben unveröffentlicht.

Vorbild für Mapplethorpe

Kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 1939 zog Horst nach New York, wurde amerikanischer Staatsbürger und blieb bis zu seinem Tod in den USA. Für die amerikanische „Vogue“ fotografierte er in Farbe und komponierte seine Bilder weiter wie ein Künstler. Weniger bekannt sind Horsts Pflanzenaufnahmen im Stil der Neuen Sachlichkeit, seine abstrakten fotografischen Muster oder auch seine beeindruckenden Fotos von Nahost-Reisen.

Auch eine kleine Serie klassisch anmutender männlicher Aktstudien fotografierte Horst in den 50er Jahren einem karg ausgeleuchteten Studio. Die Bilder perfekter muskulöser Körper beeinflussten später Robert Mapplethorpe, das Enfant terrible der New Yorker Kunstszene.

Bis in die Pop-Musik wirkte Horst. Sein berühmtestes Foto ist das 1939 entstandene „Mainbocher-Korsett“, die Rückenansicht einer Frau im Korsett. Madonna ließ sich für ihr Video „Vogue“ von seiner dramatischen Schwarz-Weiß-Fotografie inspirieren. (dpa)

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