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Montag, 02.10.2017 TV-Tipp

Christiane Hörbiger als Lebensmüde

Der Film „Die letzte Reise“ thematisiert die in der Schweiz legale Sterbehilfe. Eine des Daseins überdrüssige Dame gerät in Konflikt mit ihren Töchtern.

Von Ulrike Cordes

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Es ist vorbei – Christiane Hörbiger im Regen auf der „Letzten Reise“.
Es ist vorbei – Christiane Hörbiger im Regen auf der „Letzten Reise“.

© dpa

Eine leise, ein wenig bittere Stimme aus dem Off sagt: „Ich hatte ein Leben. Und es war schön. Es ist vorbei, ich bin einfach müde.“ Zu sehen sind dabei Bilder einer betagten, altmodisch angezogenen Dame, die mit ihrer Gehhilfe mühsam aus einem Auto steigt. Und am Hamburger Hauptbahnhof keuchend und nach ihrem Atemgerät greifend einen Zug nach Zürich erreicht. „Als ob jemand Teer über die Uhren gegossen hätte“, so fühle sich ihre Existenz an, erklärt die von Christiane Hörbiger (78) verkörperte kultivierte Katharina. In der Schweiz empfängt sie in einer speziellen Klinik ein Arzt (Burghart Klaußner), der sie zu der von ihr ersehnten und dort legalen Sterbehilfe beraten soll.

Mit den Schauspielstars Hörbiger und Klaußner sowie Suzanne von Borsody und Nina Kronjäger als Töchter der Seniorin thematisiert der TV-Film „Die letzte Reise“ ein so sensibles wie brisantes Thema: Sterbehilfe als Dienstleistung, in Deutschland verboten per Gesetz von 2015. Die Produktion ist im Rahmen eines Themenabends zu sehen. Im Anschluss läuft um 21.45 Uhr die Dokumentation „Frau S. will sterben – Wer hilft am Lebensende?“.

In „Die letzte Reise“ sind es die erwachsenen, berufstätigen Töchter, die von der Entscheidung ihrer Mutter schockiert sind. Die Bauingenieurin Heike (von Borsody), selbst Mutter zweier Kinder, beschließt sogar, diese „entmündigen“ zu lassen, um deren „irrsinnigen“ Plan zu verhindern. Damit setzt sie nicht nur die Beziehung zu ihrer Mutter, sondern auch zu ihrer Schwester Maren (Kronjäger) aufs Spiel. Denn die Anwältin hängt bei aller äußerlichen Kühle an Katharina, vertritt die Mutter vor Gericht, als Heike dort eine Betreuung durchzusetzen will. Maren und ihre Mutter gewinnen den Prozess. Freude darüber mag sich jedoch nicht einstellen.

Das Berührende am Film: Er ist eine einfühlsame, atmosphärisch dichte Studie über das Altwerden. In der spürbar wird, wie sehr es einen Menschen zu entmutigen vermag, wenn selbst kleinste Situationen des Alltags nicht mehr gelingen. Zum Beispiel, wenn Katharina beim Zeichnen im Sessel einschläft, dabei zu Boden fällt und dann nicht mehr allein aufstehen kann.

Nicht zuletzt sorgen hervorragende Darsteller für Wahrhaftigkeit. So macht Hörbiger bei zurückhaltendem Spiel empfindliche innere Vorgänge ihrer Rollenfigur, aber auch deren Entschlusskraft transparent. Einen starken Eindruck hinterlässt auch Klaußner, der als selbst leidgeprüfter Mediziner wieder die Lebenslust in Katharina wecken möchte. Und sie zum Genuss von gutem Essen animiert. Ein Schlüsselmoment ist eine Szene, in der die alte Dame als Zeugin bestellt wird, während eine junge Schwerkranke das tödliche Getränk zu sich nimmt. Zur Werbung für Selbstmord gerät der Film keineswegs. (dpa)

„Die letzte Reise“, 20.15 Uhr, „Frau S. will sterben – Wer hilft am Lebensende?“, 21.45 Uhr, ARD

Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. Alfons Pfender

    Typisch für die deutsche Debatte ist doch daß hier beispielhaft eine an sich weitgehend gesunde frau gezeigt wird. Richtig wäre gewesen einen unermesslich leidenden chronisch Kranken auch psychisch Kranken zu zeigen der in Deutschland nach den neuesten Regelungen auch nicht an eine Sterbehilfe herankommt und nicht sterben darf ob wohl er es will damit den Pharmafirmen, den Palliativzentren den Ärzten das Geld nicht entgeht das in so einer Lebensphase reichlich fliest. Das ist doch der eigentliche Skandal

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