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Freitag, 13.04.2018

Campino, die Rapper und die Frage nach der Schmerzgrenze

Schon seit Wochen war es Thema: Darf ein Lied mit einer von vielen als antisemitisch verstandene Textzeile mit einem Preis gekrönt werden? Und wo endet künstlerische Freiheit? Bei der Echo-Verleihung lässt die Debatte nicht lange auf sich warten.

Von David Schwarz

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Die Rapper Kollegah (r) und Farid Bang gewannen den Echo in der Kategorie Hip-Hop/Urban National - nach einer Debatte über ihre als antisemitisch kritisierten Texte. Im Zentrum der Kritik steht die Textzeile „Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“.
Die Rapper Kollegah (r) und Farid Bang gewannen den Echo in der Kategorie Hip-Hop/Urban National - nach einer Debatte über ihre als antisemitisch kritisierten Texte. Im Zentrum der Kritik steht die Textzeile „Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“.

© Jörg Carstensen/dpa

  • Die Rapper Kollegah (r) und Farid Bang gewannen den Echo in der Kategorie Hip-Hop/Urban National - nach einer Debatte über ihre als antisemitisch kritisierten Texte. Im Zentrum der Kritik steht die Textzeile „Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“.
    Die Rapper Kollegah (r) und Farid Bang gewannen den Echo in der Kategorie Hip-Hop/Urban National - nach einer Debatte über ihre als antisemitisch kritisierten Texte. Im Zentrum der Kritik steht die Textzeile „Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“.
  • Für ihn sei die Grenze der Toleranz überschritten, „wenn es um frauenverachtende, homophobe, rechtsextreme und antisemitische Beleidigungen geht“, sagte Campino.
    Für ihn sei die Grenze der Toleranz überschritten, „wenn es um frauenverachtende, homophobe, rechtsextreme und antisemitische Beleidigungen geht“, sagte Campino.
  • Campino habe sich als moralische Instanz aufgespielt, das gebühre einem so großen Musiker nicht, sagte Kollegah (r). Unter lauten Buh-Rufen zeigte er eine Karikatur des Toten-Hosen-Sängers mit Heiligenschein, die er zu einem wohltätigen Zweck versteigern wolle.
    Campino habe sich als moralische Instanz aufgespielt, das gebühre einem so großen Musiker nicht, sagte Kollegah (r). Unter lauten Buh-Rufen zeigte er eine Karikatur des Toten-Hosen-Sängers mit Heiligenschein, die er zu einem wohltätigen Zweck versteigern wolle.

Berlin. Campino steht auf der Bühne und spricht das an, was im Vorfeld der Veranstaltung schon seit Wochen die Gemüter erhitzt hat. Wo hört die künstlerische Freiheit auf und wo ist die Grenze? Er kenne sich als Sänger der Toten Hosen mit Provokation aus, sie könne konstruktiv sein, sagte er in seiner Dankesrede für den Echo in der Kategorie Rock National.

Für ihn sei die Grenze der Toleranz überschritten, „wenn es um frauenverachtende, homophobe, rechtsextreme und antisemitische Beleidigungen geht“, sagt er. Großer Applaus und stehende Ovationen im Publikum. „Wann ist die moralische Schmerzgrenze erreicht?“, fragt Campino, der etwas nervös wirkt. Diese Debatte sei wichtig und nötig.

Und dann das: Kollegah und Farid Bang gewinnen tatsächlich den Echo. „Das ist ja fast schon wie ein Trostpreis nach Campino“, sagte Farid Bang zu dem Preis für das Album „Jung, brutal, gutaussehend 3“. Campino habe sich als moralische Instanz aufgespielt, das gebühre einem so großen Musiker wie Campino nicht, sagte Kollegah. Unter lauten Buh-Rufen und Pfiffen aus dem Publikum zeigt er eine Karikatur des Toten-Hosen-Sängers mit Heiligenschein, die er zu einem wohltätigen Zweck versteigern wolle.

Schon im Vorfeld hatte es heftige Kritik an der Textzeile „Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“ aus dem Song „0815“ der beiden Musiker gegeben. „Dass ausgerechnet am 12. April, dem Holocaust-Gedenktag in Israel, die Echo-Verleihung von dieser Nominierung überschattet wird, ist makaber und beschämend“, hatte Peter Maffay „Bild.de“ gesagt. Ähnlich hatten sich schon zuvor das Internationale Auschwitz Komitee und der Zentralrat der Juden geäußert.

Aber Campino geht es nicht um einen Rap-Song, wie er selbst sagt. „Es geht doch vielmehr um einen Geist, der zur Zeit überall präsent ist“, betont der 55-Jährige. „Nicht nur in der Musik, sondern auch in den sozialen Medien, im täglichen Fernsehtrash und in der Politik.“

Die Debatte trübt die Stimmung, die anderen Auftritte werden wohl weniger in Erinnerung bleiben - obwohl überraschend viele internationale Stars zur Echo-Gala nach Berlin gekommen sind. Zum Auftritt von Luis Fonsi gesellt sich überraschend Helene Fischer, die ihren 17. Preis gewinnt. Der bislang immer nur nominierte Mark Forster gewinnt seinen ersten Preis als Künstler Pop National.

Aber nicht alles glänzt wie der goldene Teppich, über den die Stars vor der Show gegangen waren. Der große Gewinner des Abends ist Popstar Ed Sheeran, der drei Preise abräumt, sich allerdings nur per Videobotschaft aus Japan bedankt. Einige der Künstler, die als Moderatoren eingespannt werden, wirken etwas verloren auf der Bühne. Der Newcomer National, Wincent Weiss, plaudert in einer Laudatio hauptsächlich von den Alkoholeskapaden der letzten Nacht.

Doch eines wird wohl auch in den kommenden Tagen und Wochen Thema bleiben: Die hitzige Debatte über künstlerische Freiheit und ihre Grenzen - und über den deutschen Rap, der kommerziell so erfolgreich ist, für manchen aber mitunter die Grenzen überschreitet. (dpa)

Leser-Kommentare

Insgesamt 3 Kommentare

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  1. Besucher43

    Wenn man diese absolut unterbelichteten Vollpfosten gesehen hat, hat man auch keine Fragen mehr zu dem, was da als "Musik" verkauft wird...

  2. Berg

    Und da frage ich doch mal, woher dieses "Echo" gekommen ist, das diese beiden "gewonnen" haben? War das eine Lotterie? Gab es einen Lostopf? Wurden Fanstimmen gezählt? Waren das Musikgötter? Gab es eine Kommission, einen Ausschuss, einen Schiedrichter? Die Namen einer Kury sucht man vergeblich - diese sind es doch gewesen, die diesen "Gewinn" formuliert haben. Ging es nach Verkaufszahlen? Oder nach dem Outfit?

  3. Alex

    Als man vor 2 Jahren davor warnte, dass mit der muslimischen Masseneinwanderung der Antisemitismus zur Hochform aufläuft, wurde man als Nazi oder Rechtsradikaler bezeichnet. Selbst der Zentralrat der Juden hat in diesen Chor eingestimmt. Jetzt gucken alle plötzlich schräg aus der Wäsche und keiner will etwas gewusst oder bemerkt haben.

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