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Sonntag, 17.01.2016

Breslau ist Kulturhauptstadt

Breslau ist Europäische Kulturhauptstadt 2016. Eine epische Performance soll zum Auftakt die Geschichte der Stadt erzählen. Akteure und Zuschauer müssen dem Wetter trotzen.

Von Eva Krafczyk

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Die Kreuzkirche (l) und der Dom (r) auf der Dominsel in Breslau (Wroclaw).
Die Kreuzkirche (l) und der Dom (r) auf der Dominsel in Breslau (Wroclaw).

© dpa

Breslau. Fiestastimmung im polnischen Winter erzeugen - das ist keine einfache Sache. Minusgrade und gelegentlicher Schneeregen waren deshalb an diesem Wochenende das wohl größte Hinderniss für den Auftakt des Jahrs als Europäische Kulturhauptstadt im niederschlesischen Breslau (Wroclaw). Freiwillige Helfer harrten tapfer aus an den Informationspunkten überall im Zentrum der niederschlesischen Stadt, verkauften Kaffee, Tee und Glühwein zum Warmwerden.

Musiker trotzten der Kälte und spielten unverdrossen unter freiem Himmel Jazz, Klassik oder Folklore. Doch das Publikum machte sich vor allem am Samstag eher rar. Musikliebhaber standen zusammen mit städtischen Obdachlosen um die bereit gestellten Koksöfen bei den Open-Air-Auftritten. Lediglich das beheizte Zelt auf einem der Breslauer Plätze zog eine größtere Menschenmenge an.

Krzysztof Maj, Festivaldirektor des Europäischen Kulturjahrs, ist dennoch nicht um große Worte verlegen. „Das ist das wichtigste Jahr in der Nachkriegsgeschichte Breslaus“, meinte er zu der Chance, ein Jahr lang eine der kulturellen Visitenkarten Europas zu sein. Mit mehr als tausend Veranstaltungen sei ein ehrgeiziges Programm aufgestellt worden.

Feuer und Flamme waren die Breslauer trotz der Kälte - wenn sie sich bei der Akrobatik- und Feuertanz-Inszenierung „brennende Insel“ zwischen Bühnen und wechselnden Szenen auf der „Malzinsel“ nahe der Altstadt bewegten. Mitmachcharakter sollte auch die Hauptveranstaltung am Eröffnungswochenende haben. „Helft uns, die Geschichte der Stadt zu erzählen“, appellierte Regisseur und Performance-Kurator Chris Baldwin an die Bürger. „Wenn alle mitmachen, wird das ein Riesenereignis.“

Unter dem Motto „Erwachen“ sollten die Geister der Stadt aus vier Richtungen über eine Strecke von jeweils etwa sieben Kilometern zum Marktplatz ziehen. Die meterhohen Metallkonstruktionen des französischen Künstlers Philippe Geffroy symbolisieren das multikulturelle Erbe Breslaus, den Wiederaufbau, Hochwasser und Innovation. Baldwin hoffte darauf, dass sich außer den 1 300 mitwirkenden Künstlern auch viele Breslauer dem Zug anschließen - etwa an einer der „Haltestellen“, an denen der eigentliche Zug mit einem Auftritt oder einer Inszenierung pausieren sollte.

Krzysztof Maj rief die Breslauer auf, Glocken, Schellen und ähnliches mit zum Zug zu bringen. „Gemeinsam wecken wir Europa auf“, versprach er. Wer mitmachen wollte, hatte am Sonntag die Qual der Wahl: Zu Wasserklängen mit dem Geist des Hochwassers ziehen in einem Marsch, der auch an die Solidarität der Breslauer während des Jahrhunderthochwassers 1997 erinnern soll? Dem Geist des Wiederaufbaus folgen, der für die Suche nach Identität steht in einer Stadt, deren Bevölkerung 1945 nahezu komplett wechselte?

Für Mary Sadowska, eine der künstlerischen Mitarbeiterinnen, ist gerade dieser Teil des Eröffnungszugs hoch aktuell: „Er erzählt auch, was heute in Europa geschieht, von Flüchtlingen, die von einem fremden Ort kommen und auf unterschiedliche Reaktionen stoßen“, schildert sie die Überlegungen für die Inszenierung. „Dieser Geist erzählt von Menschen, die alles verlieren und auf ihrer Reise lernen, gemeinsam in einer neuen Gesellschaft zu funktionieren.“ (dpa)

Leser-Kommentare

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  1. Kribü

    Ob Kulturhauptstadt mit sicherlich vielen zusätzlichen öffentlichen Veranstaltungen in diesem Jahr oder auch nicht - Breslau mit seinem herrlichen Zentrum und sympathischen, freundlichen Gastgebern in allen Branchen ist immer eine Reise wert. Ich habe bei zwei Besuchen diese Stadt zum Weihnachtsmarkt bzw. im August-Sommer kennen und lieben gelernt. Gespannt bin ich auf die weiteren Berichterstattungen und die Eindrücke anderer zu dieser wunderschönen Stadt im Nachbarland. Einfach zwischen Dresden und Görlitz in den Zug setzen und dann über die Grenze in die Kulturhauptstadt fahren. Ich kann nur empfehlen, eine oder zwei Übernachtungen einzuplanen, denn so viel Zeit sollte man sich nehmen für die Stadt an der Oder. Ich wünschte mir von der Bahn noch zusätzliche Verbindungen und mögliche Platzreservierungen für die nicht gerade kurze Fahrtzeit.

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