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Mittwoch, 23.03.2016

Blutige Beziehung

Macht Spaß: Die deutsche Thrillerkomödie „Sex & Crime“ geht ziemlich zünftig zur Sache.

Von Oliver Reinhard

Theo (Fabian Busch, l.) hat eine Frau umgebracht – glaubt Theo. Sein Freund Valentin (Wotan Wilke Möhring) will helfen – glaubt Theo.
Theo (Fabian Busch, l.) hat eine Frau umgebracht – glaubt Theo. Sein Freund Valentin (Wotan Wilke Möhring) will helfen – glaubt Theo.

Posaunenstöße gehören zum Geschäft: „,Sex & Crime‘ ist ein Film, den ich mir auch selber ansehen würde: witzig, schnell, unberechenbar und extrem persönlich.“ So bescheiden urteilt Regisseur Paul Florian Müller über seinen eigenen ersten Langfilm. Ganz schön keck für einen Debütanten. Zum Glück verbrennt er sich seine dicke Lippe nicht zu sehr. Denn „Sex & Crime“ ist nicht perfekt, geht aber äußerst selbstbewusst in die Übervollen, wagt viel und gewinnt tatsächlich so einiges.

Für ein Weilchen sieht alles nach einer herkömmlichen Beziehungskomödie aus und fühlt sich auch so an. Denn Theo (Fabian Busch) ist zwar erfolgreich als Autor von Billig-Krimis, nicht aber als Gatte von Katja (Pheline Roggan), die kurz vorm Absprung steht. Als er mit Kumpel Valentin (Wotan Wilke Möhring) in einer Kneipe die arg berlinmittige Kellnerin Mörli (Claudia Eisinger) kennenlernt, schmeichelt ihm natürlich, dass sie ein großer Fan ist und die frische Bekantschaft gerne nach Feierabend vertiefen würde, im wörtlichen und körperlichen Sinne. Und weil Valentin nun mal ein guter Kumpel ist, stellt er Theo und Mörli fürs Vertiefen sein Haus zur Verfügung. Um den Preis, dass er Stunden später von Theo ins Haus gerufen wird, seinen Freund derangiert und blutverschmiert und Mörli tot vorfindet.

Ab diesem Zeitpunkt zieht Paul Florian Müller die Schraube an. Er legt Spannungsscheite nach, zieht der Handlung doppelte Böden ein, biegt und wendet sie, immer weiter, immer mehr, bis man es schon knacken und quietschen hört und darauf wartet, dass der ambitionierte Jungregisseur es übertreibt und ihm die ganze Sache wegen Überstrapazierung auseinander- und um die Ohren fliegt. Aber Müller hat ebenso viel Glück wie Verstand. Das Befürchtete tritt nicht ein. So gerade eben nicht. Obwohl jede Menge passiert ... Ja, man stößt sich durchaus an einigen inszenatorischen Ecken und Kanten stößt. Sicher, Wotan Wilke Möhring bleibt auch hier im nicht allzu weiten Rahmen seiner schauspielerischen Möglichkeiten. Dennoch kann man am Ende Paul Florian Müllers kühnes Selbstlob weitgehend beipflichten: „Sex & Crime“ ist witzig, schnell, unberechenbar – und macht wirklich Spaß.