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Dienstag, 10.10.2017

Beats für den Magen, Kino fürs Herz

Die Wiener Band 5K HD bezaubert im Dresdner Jazzclub Tonne mit spezieller Poesie.

Von Johannes Gerstengarbe

Die Wiener Band 5K HD
Die Wiener Band 5K HD

© Astrid Knie

Dresden. Mira Lu Kovacs singt „I wish I was a poet“. Es ist Sonntagabend in der Dresdner Tonne und sie die Sängerin der hervorragenden Wiener Band 5K HD. Ihr Wunsch ist schon vor dieser Textzeile in Erfüllung gegangen. Es ist Poesie, was da eine Stunde lang von der Bühne kommt, mal lyrisch verträumt, mal brachial verstörend. Die Band nennt es Cinematic Pop. Man kann es auch einfach nur als gute Musik bezeichnen.

Der Bassist, der Schlagzeuger, der Tastenspieler und der Trompeter haben bisher vor allem in der Band „KOMPOST 3“ zusammengespielt. Für das neue Projekt ist Mira Lu Kovacs von „Schmieds Puls“ dazugekommen. Abgesehen von der exzellenten Beherrschung von Instrumenten und Stimme schafft es die Band, in jedem Lied eine neue Welt zu erschaffen. Das ist nicht nur musikalisch gemeint. Es werden Stimmungen und Bilder im Kopf erzeugt.

Der Bandname bezieht sich auf einen technischen Parameter der Filmbranche. Passender wäre eine Analogie zum Lesen von Büchern: Die entstehenden Bilder werden nicht hochauflösend vorgegeben, sondern jeder Zuhörer muss, wie aus Buchstaben, aus den gespielten Tönen seine eigenen Bilder bauen. Ein weiteres selten erreichtes Merkmal der 5K HD-Musik: Jede gespielte Note fühlt sich dabei so an, als sei sie so gemeint. Trotz vieler Noten ist keine zu viel. Es gibt große in sich stimmige Spannungsbögen. Und jeder Beteiligte schafft es, neue Klänge aus dem Instrument und der Stimme rauszuholen, die dann wieder in der Kombination Sounds erschaffen, die unerhört sind.

Parallel dazu gehen die Bässe und Beats direkt in den Magen, wo sie hingehören. In diesem Zusammenhang muss der großartige, vom mitgebrachten Tonmann gemischte Sound erwähnt werden. Er hat das nächste Mal einen Platz im Programmheft verdient. So bleibt er hier leider namenlos.

5K HD ist im besten Sinne progressiv. Die Musiker erschaffen neue Kunst, die aber bis zur uralten menschlichen Basis der Zuhörer dringt. Oder anders: Es ist eben einfach gute Musik.

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