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Donnerstag, 10.08.2017

Bar Wars

Abkassieren made in Hollywood: Immer mehr alte Filme werden technisch aufgemotzt und noch einmal ins Kino geschleust.

Von Oliver Reinhard

He‘ll be back: Bald wird Arnold Schwarzenegger in „Terminator 2“ zurück auf die Leinwand kommen. Im alten Film von 1991. Nur in 3-D. Der Untertitel „Tag der Abrechnung“ bekommt dadurch eine neue und ziemlich ehrliche Aussage.
He‘ll be back: Bald wird Arnold Schwarzenegger in „Terminator 2“ zurück auf die Leinwand kommen. Im alten Film von 1991. Nur in 3-D. Der Untertitel „Tag der Abrechnung“ bekommt dadurch eine neue und ziemlich ehrliche Aussage.

© PR

Von Zeit zu Zeit seh‘ ich den Alten gern – was Goethes Mephisto über Gott sagte, gilt für Filmklassiker nicht minder. Leider gibt es nur wenige solcher Wiedersehen auch im Kino, wo allein die Alten ihre volle Breitwandwirkung entfalten können. Zu viele wöchentlich neu anlaufende Filme brauchen Platz auf der Leinwand.

Doch die Zeiten für Klassikfreunde bessern sich. An diesem Donnerstag startet zum Beispiel Luc Bessons famoser Science-Fiction-Hammer „Das fünfte Element“ mit Bruce Willis und Milla Jovovitch in einigen Lichtspielhäusern nach 20 Jahren noch einmal. Freilich nicht bloß in der alten Version; ein bisschen was Neues muss schon mitgeliefert werden. Das ist in diesem Fall die hochauflösende 4k-Technik, die dem Film ein deutliches Plus an Brillanz und Schärfe verleiht. Was gerade Jovovitch-Fans zu schätzen wissen dürften.

Noch schärfer fällt das nächste Wiedersehen aus: Ende August macht Arnold Schwarzenegger sein Versprechen als „Terminator 2“ wahr – „I’ll be back“ – und kehrt zurück ins Kino. Nach 26 Jahren wurde er sogar einer noch intensiveren Frischzellenkur unterzogen – man hat den Actionknaller am Computer aus der Zweidimensionalität befreit und auf 3-D aufgeblasen. Was, übersetzt ins Alltägliche, ungefähr so ist, als zöge man Frischhaltefolie über eine Wurstplatte.

Wenig Mühe – hohe Preise

Das Hochrechnen alter Klassiker auf 4k oder ihre Konvertierung in 3-D ist nicht das neueste, aber mit Abstand lohnendste Geschäftsmodell des Hollywoodkinos. Gerade dreidimensionale Streifen finden mehr und mehr Fans. Sämtliche fünf erfolgreichste Leinwandspektakel 2016 waren
3-D-Produktionen. Sie allein retten der Branche die Bilanzen, denn die Tickets sind wesentlich teurer als für herkömmliches 2-D. Lange wurde das mit Blick auf die ungleich aufwendigeren 3-D-Produktionskosten erklärt. Doch dieses Argument zieht immer weniger. Mehrere Versuche mit Zuschauern unter anderem an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz haben ergeben: Ob ein Film bereits teuer dreidimensional gedreht oder nur nachträglich mit geringem finanziellen Aufwand in 3-D verwandelt wurde, spielt für das Empfinden im Kinosessel kaum eine Rolle.

Den Studios beschert das die Erkenntnis: Sie können für nachträglich günstig konvertierte Filme an der Kasse genauso viel verlangen ,wie für bereits teuer in 3-D produzierte. Damit erhält der Untertitel von „Terminator 2“ eine sinnfällig erweiterte Bedeutung: „Tag der Abrechnung“.

Zwar dürfte das viele Fans nicht nur von Klassikern kaum stören. Ihre Zahlungsbereitschaft ist ziemlich hoch und ein aufgeblasener Film für die meisten tatsächlich visuell reizvoller als das Original. Den verheerenden Trend Hollywoods zu Recycling und Resteverwertung statt zu neuen Geschichten und neuer künstlerischer Kreativität aber könnte das noch verstärken. Erst unlängst hat der Drang zur endlosen Fortsetzung erfolgreicher Filmreihen mit dem neunten (!) Teil von „The Fast And The Furious“ einen neuen Maßstab gesetzt.

Künstlerisch nicht ganz so anspruchslos, aber ebenfalls alles andere als mutig und kreativ ist das Anschwellen an Neuverfilmungen. Allein bis Ende dieses Jahres stehen ins Haus „Flatliners“, „Jumanji“, „Der kleine Vampir“, „Mord im Orient
Express“ und „Ein Sack voller Murmeln“.

All diese Entwicklungen geben durchaus Grund zur Sorge, das Großkino könne mehr und mehr zur möglichst billig betreibbaren Gelddruckmaschine werden.

Immerhin liefert es mit dem letzten Remake des Jahres im Dezember den für viele Freunde des kreativen Kinos wohl passenden Kommentar: „Ein Mann sieht Rot.“

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