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Samstag, 30.09.2017

Balance auf zwei Rädern

Zum Radfahren ins Dresdner Verkehrsmuseum: Die neue Sonderschau „Ich.Fahr.Rad“ hält echte Herausforderungen bereit.

Von Birgit Grimm

Museum mit Radweg. Der Neunklässler Caspar probierte ihn am Freitag gleich aus. Doch Vorsicht! Der grüne Radweg ist schmal und die Kurven sind eng. Foto: Verkehrsmuseum
Museum mit Radweg. Der Neunklässler Caspar probierte ihn am Freitag gleich aus. Doch Vorsicht! Der grüne Radweg ist schmal und die Kurven sind eng. Foto: Verkehrsmuseum

Diese Ausstellung nur brav anzuschauen, wie man das halt im Museum so macht, ist möglich. Aber das wäre nur der halbe Spaß. Die andere Hälfte kommt mit der Bewegung. Darf es ein Rennrad sein? Wollen Sie endlich mal ein Mountainbike testen oder doch lieber gemütlich im Liegerad eine Runde drehen, ohne dass Ihnen parkende Autos die Sicht versperren? Bitte schön, bedienen Sie sich! Aber vergessen Sie nicht den Helm, denn der grüne Radweg ist schmal und die Kurven sind eng. Zum Glück endet dieser Radweg nicht abrupt, er endet überhaupt nicht. Rücksichtsvolle Radler drehen langsam ihre Runden und vermeiden so schmerzhafte Begegnungen mit anderen Besuchern der Sonderausstellung „Ich.Fahr.Rad.“. Die Schau feiert ab diesem Wochenende im Dresdner Verkehrsmuseum den 200. Geburtstag des Fahrrads und behauptet, das Rad habe viel mehr Fans als das Auto. Als sich 1817 der badische Forstmeister und Tüftler Karl Friedrich Freiherr Drais von Sauerbronn erstmals auf seiner Laufmaschine balancierend in die Öffentlichkeit wagte, war das ein Ereignis. Heute hat fast jeder ein und mancher sogar für jede Lebenslage das passende Rad. 648 Euro gab der oder die Deutsche im vorigen Jahr für ein Rad aus.

Neunzehn leidenschaftliche Alltags- und Berufsradler, Sportler und Extremreisende hat Ausstellungskurator Benjamin Otto interviewt. Die Videos haben einen klitzekleinen Makel: Sie verraten nicht, wie es Otto gelang, diesen Menschen ihre Räder für ein halbes Jahr abzuluchsen. Es müssen knappe Entscheidungen gewesen sein. Mountainbiker Uwe Buchholz hat es nicht mal mehr geschafft, sein Maschinchen zu putzen. Schön dreckig und hübsch authentisch steht es nun im Museum. Klinisch rein und völlig gefahrlos dagegen ist der Alpentrail, den Besucher fahren dürfen. Das Bike „rollt“ mit dem Film. Etwas anstrengender ist der Ritt übers Stilfserjoch auf dem Rennrad. Ungläubiges Staunen bei der Abfahrt: Mehr als 20 km/h sind nicht drin. Wenn der Radfahrer im Film bergab mit etwa 70 km/h ein Motorrad überholt, muss der Museumsradler immer noch kräftig strampeln, um den Berg runterzukommen.

„Ich.Fahr.Rad.“ bis 18. März 2018 im Verkehrsmuseum Dresden, Augustusstr. 1; geöffnet Di – So 10 – 18 Uhr, auch am 2. und 30. Oktober.

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