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Montag, 13.11.2017

Auf nach Shanghai

Die Staatskapelle geht mit Alan Gilbert, Pianist Yundi, Mozart und Strauss auf Tour.

Von Jens-Uwe Sommerschuh

Mit dem Programm, das die Staatskapelle am Wochenende in der Semperoper vorstellte, geht sie nun auf Reisen. Donnerstag startet in Shanghai eine eng getaktete China-Tour, die am Sonntag in Peking enden wird. Es dirigiert der famose Alan Gilbert, der im Hauptjob die New Yorker Philharmoniker leitet, Solist ist der feinsinnige chinesische Pianist Yundi. An allen Abenden erklingt Mozarts Konzert KV 488, nach gängiger Zählart No. 23, danach die vom privaten Alltag inspirierte „Sinfonia domestica“ des Richard Strauss.

Die erste Aufführung am Freitag zeigte alle Beteiligten bereits in großer Form. Gilbert war mit seinen New Yorkern hier schon Gast der Festspiele, vorletzte Saison debütierte er am Pult der Kapelle. Die sehr gute Chemie zwischen ihm und den Dresdnern offenbarte sich sofort.

Auch Yundi hat schon mit ihnen gespielt, er war ranke 23, als sie 2005 gemeinsam durch Deutschland tourten. Er wirkt immer noch sehr jugendlich, fast ein wenig schüchtern. Die pathetische Theatralik eines Lang Lang geht ihm völlig ab. Das A-Dur-Konzert von 1786 ist der Favorit vieler Pianisten. Mit der Fülle melodischer Einfälle, dem hohen technischen Anspruch und dem blitzenden Esprit vereint es sinnfällig „typischen Mozart“. Gilbert lässt die Dresdner – in deutscher Aufstellung mit 1. und 2. Geigen einander gegenüber – forsch und akzentuiert agieren. Über straff gespanntem Orchestersound modelliert Yundi seinen Solopart klar und souverän. Die virtuosen Passagen der Ecksätze hält er in blitzendem Fluss, ohne zu dramatisieren. Im Adagio ringt er dem Siciliano-Thema Tiefe und dunkle Schönheit ab, das ist sehr berührend. Seine Solozugabe, „Colourful clouds chasing the moon“, erweckt chinesisches Flair, ein zauberhaftes Kleinod.

Danach dann die in der deutschen Musik beispiellose „Haushaltsinfonie“ des Richard Strauss. Manche vergöttern den Opernfürsten auch in der Sinfonik und Tondichtung als Klangmagier, andere meinen, dass er sich hier in hochartifizieller Selbstdarstellung erschöpft. Das 1904 uraufgeführte Werk, das er Gattin Pauline und Sohn Bubi widmete, dreht sich zwar programmatisch ums Auf und Ab im Hause Strauss, ist aber eben auch ein Glanzbeispiel thematischer Arbeit und orchestraler Prachtentfaltung.

Das ist bei der Kapelle und Gilbert in besten Händen. Dieser sinfonischen Torte fehlt zwar die Kirsche Mozart’scher Genialität, doch der an Zutaten reiche, delikate Strauss-Teig ist allemal köstlich. Genießerischer Applaus.

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