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Samstag, 20.02.2016

Auf den Nazi-Hund gekommen

Die TU Berlin und das Hannah- Arendt-Institut Dresden fielen auf eine erfundene Studie zum Thema Schäferhunde im Dritten Reich und in der DDR herein.

Von Oliver Reinhard

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Adolf Hitler mit seinem Hund.
Adolf Hitler mit seinem Hund.

© dpa

Hätten Sie’s gewusst: Zu den ersten Opfern der Berliner Mauer gehörte Schäferhund Rex von der Westberliner Schutzpolizei. Einen Tag nach dem Mauerbau, am 14. August 1961, verfing er sich in einer Stacheldrahtsperre und wurde nach langer Tortur von Ostberliner Grenztruppen erschossen. War es Mord? Oder Erlösung?

Diese Frage beantwortet die Historikerin Christiane Schulte zwar nicht. Doch ihre Studie „Der deutsch-deutsche Schäferhund. Ein Beitrag zur Gewaltgeschichte des Jahrhunderts der Extreme“ bringt manch spannende Erkenntnis. Etwa dass sich auch an der Geschichte des Schäferhundes eine „systemübergreifende Kontinuität“ zwischen NS- und SED-System ablesen lässt: „Beide totalitären Diktaturen des 20. Jahrhunderts verband … eine Gewalttradition; in einem fast schon dynastischen Verhältnis wurden mehrere Generationen von Schäferhunden als Instrumente totalitären Terrors eingesetzt.“

Erschienen ist Schultes Schäferhunde-Studie 2015 in der Zeitschrift „Totalitarismus und Demokratie“ des Dresdner Hannah-Arendt-Instituts (HAIT). Jetzt aber kam heraus: Sie erfüllt nur formal den Anspruch einer echten wissenschaftlichen Arbeit. Alles andere ist erfunden und erlogen. Das gestanden „Christiane Schulte und Freund_Innen“ über das Netzmagazin Telepolis. Sie hätten mit der „satirischen“ Aktion darauf hinweisen wollen, wie leicht man den Geisteswissenschaftsbetrieb bloßstellen könne, indem man ihn an seinen Achillesfersen erwische – den Verlockungen akademischer Modetrends und den Zwängen des Konformismus. Am Arendt-Institut ist man zerknirscht. „Wir recherchieren intensiv, wie das passieren konnte“, sagt Vizedirektor Uwe Backes. „Über eine Satire geht die Aktion für uns aber hinaus, weil die Autoren über Telepolis auch schlichtweg Unwahrheiten verbreiten.“

Womöglich ist das Malheur der Dresdner vor allem geschehen, weil sie ihren Fachkollegen von der Technischen Universität Berlin zu sehr vertraut haben. Am dortigen „Center for Metropolitan Studies“ hatte „Christiane Schulte“ vor genau einem Jahr während einer Tagung ihre Studie vorgetragen. Daran, so der Abschlussbericht sehr ernsthaft, „schloss sich eine eingehende Diskussion über Schäferhunde als ,Mittäter‘ an, da sich diese Frage in vielen Kontexten, wo Tiere Teil der menschlichen Staatsgewalt sind, stellt“.

Immerhin, in einer Hinsicht beschert das Auffliegen der Luftnummer auch Erleichterung: Der grausame Mauertod des armen Rex hat nie stattgefunden.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 6 Kommentare

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  1. Richard52

    das - literarischer Schrott mit Bild und leider von der TU-Dresden, denken Sie an die Waffenverkäufe in den USA und die unsachgemäße Verwendung von Jugendlichen, das wäre ein Thema geworden

  2. Fragender

    Dank dem Autor Reinhard, der indirekt deutlich macht, dass alles, was geeignet erscheint, die DDR und/oder das System der Hitlerdiktatur gleichzustellen, gierig von "Systemmedien" und auch "Wissenschaftlern" aufgegriffen wird und dies auch irgendwann in den Geschichtsbüchern einen Niederschlag finden wird. Schon jetzt werden mit dem Begriffen "Totalitäre Systeme" und "Diktaturen", die DDR und Hitlerdeutschland faktisch gleichgestellt, obwohl sicher ein Unterschied besteht, z.B. Juden am Fließband hinzurichten oder wie Angela Merkel im Widerstand und im gehassten System dennoch promovieren zu dürfen - oder sehe ich das falsch?

  3. Gerda

    Die (West) Professoren der TU Dresden sind ohnehin ein erschreckenses Beispiel für das undifferenzierte und einseitige Herangehen an nicht Hochschulspezifische Ereignisse. Da könnte man einige namentlich benennen die Ihren Einfluß auf die Studierenden in Ihrem Sinne ausüben.

  4. Bernd

    Aha, Vizedirektor Uwe Backes gibt also die Grenze vor was Satire darf und wie weit diese gehen kann. Er sollte mal mit Charlie Hebdo darüber philosophieren... "Verlockungen akademischer Modetrends und den Zwängen des Konformismus" das ist es! Oh Herr, gib mir meinen täglichen Stasi Artikel in der Zeitung, damit mich ein 30 Jähriger Doktorand aus xyz informiert wie ich in der DDR gelebt habe.

  5. Mal ne Anmerkung

    @ 2 und 4 Volle Zustimmung!Hauptsache man kann mal wieder den "Unrechtsstaat" DDR anprangern!Vermutlich war auch der "Historiker und bekennenter DDR Verunglimpfer" Knabe in diese Forschungen involviert .Leute,Leute für was wird hier Steuergeld versenkt?Aber Hauptsache es wird wieder eine Fronmt gegen die ehem.DDR ,die keiner wieder haben will, aufgemacht!

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