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Montag, 11.09.2017 Der Krimi am Sonntag

Alltägliche Hektik

So richtig zum Entspannen ist dieser „Tatort“ nicht. Gut, dass die meisten sonntags nicht frisch von der Arbeit kommen.

Von Ronja Münch

Für diese zwei bringt der Stau tatsächlich Entspannung, als sie sich in Gegenwart der Polizei gepflegt einen Joint anzünden. Die hat auch wahrlich genug andere Sorgen, als sich daran zu stören.
Für diese zwei bringt der Stau tatsächlich Entspannung, als sie sich in Gegenwart der Polizei gepflegt einen Joint anzünden. Die hat auch wahrlich genug andere Sorgen, als sich daran zu stören.

© SWR/Andreas Schäfauer

Am Anfang war der Stress. „Tatort“-Komissare in ständiger Hektik, das kennt man schon. Die müssen immer von einem Termin zum nächsten hetzen, haben nie Feierabend, klar.

In diesem Stuttgarter „Tatort“ haben aber einfach alle Stress, von der Arbeit zur Kita nach Hause. Da muss man schon mal das Kind zur Geliebten mitnehmen, wie soll man das denn sonst alles schaffen? Wie machen das eigentlich die anderen? Und dann ist der Verkehr auch noch unerträglich. „Mit Vollgas im Stau“, wie es eine Kindergärtnerin zu Beginn des Films treffend ausdrückt. Das kennt jeder. Den Stress lassen die Menschen aneinander aus, und dann geht noch was schief. Beispielsweise läuft der „Tatort“-Stream nicht, wenn man darüber eine Rezension schreiben muss. Okay, zugegeben, kein Teil der Handlung, hätte es aber sein können. Alltäglich und anstrengend.

Tatsächlich bewahren die Kommissare als einige der wenigen die Contenance. Obwohl auch bei ihnen vieles schiefgeht. Bootz will gerade nach Hause, als er sich erst noch um einen Zeugen für einen anderen Fall kümmern muss, und dann liegt da auch noch ein totes Mädchen an einer Straße in einem Vorort.

Wundersamerweise schaffen es Lannert und Bootz problemlos, zum Tatort zu gelangen. Leichenwagen und Spurensicherung stehen aber leider im Stau, und der Krankenwagen darf auch keine Leiche transportieren, und nein, daran lässt sich nicht rütteln, die Notfallsanitäterin hat erst letztens wegen Missachtung von Dienstvorschriften Ärger bekommen.

Puh. Durchatmen. Der Stau hat auch sein Gutes. Der Täter steckt dort nämlich fest. Jetzt müssen nur noch die Fahrer von ein paar Hundert Autos überprüft werden. Und noch mal, weil ein neuer Verdacht aufkommt. Da kann auch schon mal ein befehlshabender Polizist etwas durchdrehen. Aber für einen „Tatort“ gehört es sich nunmal, dass die Kommissare zwischendurch auf die falsche Fährte gelockt werden. Da hat der Polizist Pech gehabt. Dass dann doch einfach nur der Stress der Täter ist, ist erfrischend realistisch. Vor diesem „Tatort“ empfiehlt es sich, auch wenn das jetzt für die meisten zu spät kommt, tiefenentspannt zu sein. Dann lässt er sich genießen, weil er endlich mal keine weltbewegenden Themen behandelt, kein Kunstfilm ist, sondern im besten Sinne total banal.

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