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Samstag, 10.11.2012

Adam und Eva, druckfrisch

Die erste Dresdner Messe für Literatur lässt lesen, klecksen und staunen.

Von Karin Großmann

Auch kleine Messebesucher können sich auf der „Schriftgut“ selbst betätigen. Foto: Messe Dresden
Auch kleine Messebesucher können sich auf der „Schriftgut“ selbst betätigen. Foto: Messe Dresden

Das ist hübsch, wenn Achtjährige eine Schreibmaschine bestaunen, als wäre es ein Ding aus dem Mittelalter. Dabei dürfte die „Olympia“ höchstens vierzig Jahre alt sein. Sie steht auf dem Tisch der Schreibwerkstatt „Starke Federn“ auf der Dresdner Messe. Dort stellen sich Büchermenschen auf der ersten Literaturmesse der Stadt vor. „Schriftgut“ läuft noch bis Sonntagabend, und die „Olympia“ darf auch benutzt werden. Sie ist längst nicht das älteste Objekt.

Die Messe beginnt bei den Adams und Evas der Branche. Sie zeigt, wie sich eine sämige Milch in Papier verwandelt und wie die ersten Bleibuchstaben gesetzt wurden, alles solide Handarbeit. Die Schüler am Freitagvormittag erwiesen sich als geschickte Helfer. Manche klecksten mit Farben und stellten einen Bucheinband her; mit einem Föhn wurde das Marmorpapier gleich trocken geblasen. Andere bauten Buchstabe für Buchstabe den eigenen Namen zusammen und probierten einen Abzug an der Handpresse. Das wäre am heimischen Computer schneller gegangen. So aber hat man die technische Entwicklung wirklich greifbar.

Das unterscheidet diese Literaturmesse von anderen. Mit den großen Schauen in Leipzig oder Frankfurt am Main ist sie ohnehin nicht zu vergleichen. Die wichtigeren Verlage der Region verzichten auf eine Teilnahme. Doch auch bei kleineren sind Entdeckungen möglich. Wer schon immer mal etwas lesen wollte über Motorradfahrten rund um die Welt, wird beim Verlag Kastanienhof Struppen fündig. Wer eine launige Weihnachtsgeschichte sucht, findet sie beim Verlag SchumacherGebler. Und wer auf neue Kriminalfälle aus der „Tatorte“-Reihe der Edition SZ wartet, kann die jüngste Ausgabe druckfrisch mitnehmen. Auch das unterscheidet diese Messe von anderen: Die Bücher werden am Stand verkauft.

Mehr als 70 Verleger, Autoren, Drucker, Setzer, Illustratoren sind an diesen drei Tagen dabei. Es gibt Lesungen, Workshops und Vorträge im Halbstundentakt. Eine der Leseecken ist wie ein klassischer Salon eingerichtet mit edlen Lederfolianten. Dort können Interessenten an diesem Sonnabend eigene Buchkleinode kostenlos schätzen lassen. Auf dem Roten Sofa stellen die Autoren Ralf Günther und Jörg Bernig ab 18 Uhr neue Texte vor, und mit ihnen im Bunde ist der Schauspieler Friedrich-Wilhelm Junge. Eine Rarität wird am Sonntag, 15 Uhr präsentiert: das Goldene Buch der Stadt Dresden.

„Schriftgut“ in der Messe Dresden am Sonnabend 10 bis 23 Uhr, Sonntag 10 bis 18 Uhr, Tageskarte 6 €, erm. und mit SZ-Card 4,50 €