sz-online.de | Sachsen im Netz

Absturz in der alten Heimat

„Vadder, Kutter, Sohn“ mit Axel Prahl ist eine norddeutsche Familiengeschichte voller sympathischer Sturköpfe.

06.10.2017
Von Elke Vogel

n der alten Heimat
Knud Lühr (Axel Prahl) lädt sich seinen Sohn Lenny (Jonas Nay) auf die Schulter, um ihn abzutransportieren. Der Filius hatte eindeutig einen Schluck Korn zu viel.

© obs

Über die Dorfstraße brettert der Trecker. In der Dorfkneipe schmettert der Shanty-Chor seine Lieder. Lenny (Jonas Nay) ist alles andere als erbaut davon, wieder in sein Heimatdorf und zu seinem Vater Knud (Axel Prahl) zurückkehren zu müssen. Also erst mal ’ne Buddel Alkohol im Laden des Dörfchens mitgehen lassen. „Vadder, Kutter, Sohn“ heißt die witzige Familienkomödie mit leicht melancholischen Untertönen, die das Erste am Freitag zeigt.

Vater Knud hat sich in dem Küstenörtchen eine etwas zweifelhafte Easy-Going-Existenz aufgebaut – illegale Sportwetten, dubiose Wünschelruten-Gänge für potenzielle Grundstückskäufer, dazu ein bisschen Krabbenfischerei. Mit voller Kraft kämpft Knud einzig für seinen geliebten Shanty-Chor, der zum 100-jährigen Bestehen eine Plakette ersingen soll. Qualitativ genügen die Sänger nach Ansicht der „Tante von der Kreisverwaltung“ aber den Ansprüchen nicht. „Drittklassiger Altherrenklub“, lautet die vernichtende Bewertung.

Warum Sohn Lenny nach zehn Jahren wieder Kontakt zu Knud sucht, darüber werden auch die Zuschauer erst mal im Unklaren gelassen. Klar ist aber, da ist noch eine Rechnung offen.

Die Nordlichter Axel Prahl und Jonas Nay sind die ideale Besetzung für die Geschichte. Prahl (57), geboren in Eutin, und der gebürtige Lübecker Nay (27) haben den knappen, norddeutschen Ton einfach drauf. Besonders Knud pflegt mit seinen Mitmenschen rustikale Umgangsformen. Lenny arbeitet in Hamburg als Friseur und ist nach Ansicht des Vaters deshalb natürlich schwul. Nay spielt den „verlorenen Sohn“ als sympathischen Loser. Genauso wie Prahls kantiger Knud merkt er im Laufe der Zeit, dass man für die Familie ab und zu über den eigenen Schatten springen muss. Und dass man seine Heimat nicht einfach abstreifen kann für ein neues Leben.

Auch wenn die Story insgesamt etwas ereignisarm ist – „Vadder, Kutter, Sohn“ lebt von seinem, bis in die Nebenrollen mit Charakterköpfen besetzten, hervorragenden Schauspielerensemble. Und von seinem herrlich lakonischen Humor. (dpa)

„Vadder, Kutter, Sohn“, Fr. 20.15 Uhr, ARD