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Mittwoch, 06.12.2017

Abschied der höllischen Majestät

Ein Vierteljahrhundert hat die finnische Band Him die Musikszene geprägt. Nun spielte sie zum letzten Mal in Sachsen.

Von Nadine Franke

Sänger Ville Valo 2004 im Dresdner Schlachthof.
Sänger Ville Valo 2004 im Dresdner Schlachthof.

© Ronald Bonss

Es war die letzte Chance, Ville Valo und seine vier Bandkollegen auf einer sächsischen Bühne zu sehen. Nur viel zu sehen gab es am Montagabend im Haus Auensee in Leipzig nicht. Abgesehen von einer ansehnlichen Lichtshow. Die fünf Finnen von Him hüllten sich in Schatten und Nebel. Nur selten war zumindest mal das Gesicht von Sänger und Frauenschwarm Ville Valo zu sehen. Das mag so manchen der überwiegend weiblichen Fans enttäuscht haben, aber es hinderte niemanden daran, zum rockigen Metal zu kreischen, als wären die Männer auf der Bühne keine Rocker, sondern eine Boyband. Und über all dem hing Valos dunkle Stimme.

Aber wenn die Scheinwerfer mal einen Blick auf die Band zuließen, schossen die Handys hoch. Immerhin war es die letzte Gelegenheit, ein Foto von Ville Valo mit der Band zu machen, denn Him trennt sich noch in diesem Monat. Auf dieser Abschlusstour mit über 40 Konzerten wurde noch mal jedes beliebte Lied gespielt. Die ersten Klänge von Hims großem Hit „Join me“ aus dem Jahr 1999 setzten ein, und sofort begannen die Fans mitzusingen. Nicht anders war es bei beliebten Liedern wie „Right here in my arms“, „Poison Girl“ und dem Chris-Isaak-Cover „Wicked Game“.

100 Minuten zum Rocken

Es hatte aber auch einen Vorteil: Wenn nur noch das Heartagram – das Symbol der Band, eine Mischung aus Herz und Pentagramm, das einerseits für Liebe, andererseits für seelische Abgründe steht – auf der Bühne zu erkennen war, konnte man sich umso mehr auf den Gesang konzentrieren. Und das lohnt sich, denn der Sänger beeindruckt nicht nur auf Tonträgern. Auch live nimmt Valos Stimme gefangen. Gerade singt er noch die traurigsten Balladen, um kurz darauf mit extremer Basstiefe und in feinster Metallmanier zu harten Gitarren ins Mikrofon zu brüllen – nur um im nächsten Atemzug seiner Kehle schon wieder die sanftesten Melodien zu entlocken.

Musikalisch war das Konzert durchweg gelungen. Ohne Pausen spielte die Band aus Helsinki 100 Minuten ihre Setlist durch. Nur leider war es das auch schon. Es gab keinen großen Abschied, keine Ansagen zwischendurch, um mit dem Publikum zu reden oder zu feiern. So blieb es doch ein unbefriedigendes letztes Mal.

Silvester ist Schluss

Mit dem Jahresende geht das Aus für Him einher. Ihr letztes Konzert wird die Band am 31. Dezember in Finnland auf dem von ihr organisierten Helldone-Festival geben. Nach mehr als 25 Jahren sei die Zeit dafür gekommen, so sagte Ville Valo bei einem Forbes-Interview im November zur Trennung, dass kein Funke mehr da sei und die Arbeit an neuen Songs nach den gleichen alten Sachen geklungen habe.

Für die Fans ist das sicher nicht zu verstehen, lieben sie doch das alte Zeug. Mit dem Lied „Join me in Death“, zur Vermarktung auf „Join me“ gekürzt, gelang Him der Durchbruch. Es ist in Europa ihr größter Hit, und selbst 2017 wird das Lied noch laut mitgesungen. Dabei hatten es die Finnen nicht immer leicht. In den ersten Jahren hatte die Band mit ihrem Namen zu kämpfen. Der vollständige Name „His infernal Majesty“ bedeutet so viel wie „Ihre höllische Majestät“ und hat nicht nur für Ärger mit Gläubigen gesorgt, die mit Bibeln auf die Konzerte kamen, sondern auch mit Satanisten. Und als sie dann zu Him wurde, musste sie sich in den USA „Her“ nennen, denn es gab bereits eine Band namens Him.

Aber diese Schwierigkeiten ließ die Band hinter sich. Him wurde nicht nur mit eigenem Namen bekannt, sondern erfand auch ihre eigene Musikrichtung. Mit dem 2003 erschienenen Album „Love Metal“ schuf Him das gleichnamige Genre, vermischen sie doch harte Klänge mit Balladen. Das bleibt – auch nach dem Band-Ende.

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