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Freitag, 26.02.2016

... und mittags ein Besuch am Canal Grande

Die Dresdner Gemäldegalerie Alte Meister zog im Semperbau von West nach Ost und zeigt sich nun im neuen Licht.

Von Birgit Grimm

Bereit für den Ansturm: Im Hauptgeschoss der Gemäldegalerie Alte Meister hängt Raffaels „Sixtinische Madonna“ in der Sichtachse an prominentem Platz.
Bereit für den Ansturm: Im Hauptgeschoss der Gemäldegalerie Alte Meister hängt Raffaels „Sixtinische Madonna“ in der Sichtachse an prominentem Platz.

© Ronald Bonß

Es werde Licht! Dieser Wunsch der Museumsleute erfüllt sich in der Dresdner Sempergalerie, die nach achtwöchiger Schließung wieder für Besucher geöffnet ist, auf wunderbare Weise. Mittags am Canal Grande mit der Rialto-Brücke: Diffus spielt die Sonne mit Canalettos Venedig-Bild von 1724, als wäre das Wasser wirklich in Bewegung. Giovanni Antonio Canal hat die Sonne und die Schatten im Wasser und auf den Häuserwänden gekonnt gemalt und auch die Wellen, natürlich. Nun kräuseln sie sich und säuseln dabei, dass man gar nicht wieder fort möchte.

Schuld daran ist ganz gewöhnliches Tageslicht, das von den Oberlichtern der Sempergalerie gefiltert und gelenkt wird. Verschwindet die Sonne hinterm Horizont, schalten sich LED-Lampen zu. Zu sehen ist die Technik nicht in den Galeriesälen, die mit ihren grauen Wänden auf den ersten Blick recht düster wirken. Aber schon der zweite Blick wird auf die Bilder gelenkt, in die man sich bald versenkt. Das gelingt nicht ganz so gut in den Seitenkabinetten mit Ausblick, wo sich Zwinger oder Theaterplatz in den Gemälden spiegeln.

„Alte Meister im Tageslicht, das ist spektakulär, das gibt es sonst kaum auf der Welt“, sagt Hartwig Fischer. So könne das Wechselspiel zwischen Wissen und Offenbarung, das ein Museum auszeichne, funktionieren, meint Fischer. Die Begeisterung des Generaldirektors der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) ist groß für den sanierten Ostflügel der Sempergalerie, der ein helles Treppenhaus und Aufzüge bekam, einen unterirdischen Eingang, neue Fenster, graue Wandbespannungen und Sicherheit, die man hören kann. Ja, auch das Fiepen ist neu, das ertönt, wenn man gewissermaßen „getroffen wird von der Schönheit, Menschlichkeit und vielleicht auch der Unheimlichkeit“ der Alten Meister, wie Fischer es formuliert. Das alles kann einem freilich auch mit würdigem Abstand zum Bild widerfahren. Alarm wird meist ausgelöst, wenn man das Schild am Bild lesen möchte. Doch das ist kein Grund zur Aufregung. Die neue Ausstellung ist ein Interim, das vielleicht kürzeste in der Geschichte der SKD. Bis zum Ende der Bauarbeiten sollen die Besucher – immerhin sind es 400 000 bis 500 000 im Jahr – mit ihren Beobachtungen helfen, das Museum noch zu verbessern. Sie werden gefragt, welche Schriftart, welche Schriftgröße auf welchem Untergrund am besten lesbar ist. Restauratoren werden permanent überprüfen, wie die Klimaanlage eingestellt sein muss, damit es den Bildern und den Menschen in der Galerie gut geht. An besonders empfindlichen Gemälden werden weitere Lichttests vorgenommen. Die gewonnenen Erfahrungen und Ergebnisse gehen in die Sanierung des Westflügels ein. Von den 47 Millionen Euro, die der Freistaat für die längst überfällige Sanierung der Sempergalerie bereitstellte, ist etwa die Hälfte verbaut. 2018 soll das Museum wieder komplett öffnen. Mit Haupttreppenhaus und Rotunde, mit einem richtigen Rundgang, der unterirdisch mit ägyptischen Skulpturen beginnt und durch die Antiken in der Osthalle zu den Gemälden führt.

Jetzt beginnt die Gemäldeschau bereits in der Säulenhalle, die Gottfried Semper einst für die Präsentation von Skulpturen baute und die zuletzt der Rüstkammer als Ausstellungsraum diente. Malerei des 15. und des 16. Jahrhunderts ist dort versammelt. Eingebaute Wände bilden zwischen den Säulen kleine Kabinette für Cranach und den Italienischen Manierismus, für die Ferrareser und die Venezianische Malerei, für die Frührenaissance und für Porträts. In der Mitte reihen sich Altäre und Andachtsbilder zu einer langen Flucht.

Im Hauptgeschoss wurde ein Gipfeltreffen der Malerei des 16. und 17. Jahrhunderts arrangiert. Raffaels „Sixtinische Madonna“ hängt immerhin schon an ihrem endgültigen Platz: in der Sichtachse an einer Ostwand, ganz so, wie es sich für ein Altarbild gehört.

Der Rundgang durch die Geschichte der europäischen Malerei ist europäischer geworden. In den Sälen treffen Spanier, Niederländer, Deutsche, Franzosen, Italiener und Engländer aufeinander und korrespondieren in Fragen des Stilllebens, des Porträts oder auch des Pastells. Diese Mischung überrascht, aber das Publikum wird seine Lieblinge alle finden. „Schon in der Renaissance gab es einen Dialog der Kulturen, tauschten sich Künstler über Ländergrenzen hinweg aus“, sagt Andreas Henning. Konservator für Italienische Malerei der Gemäldegalerie. Aus dem Dunkelgrau der Galerie leuchtet der Deutsche Saal hervor, der von der Sanierung fast unberührt blieb. Er beherbergt erstmals, auch aus konservatorischen Gründen, Malerei und Skulpturen des 18. Jahrhunderts.

Die Gemäldegalerie Alte Meister im Dresdner Semperbau am Zwinger ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Eintritt 10/7,50 Euro, für Kinder unter 17 Jahren frei; Audioguide: 3 Euro

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