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Dienstag, 12.09.2017

Kritik vom Krankenpfleger

13 Tage vor der Bundestagswahl ist die Kanzlerin nach Lübeck gekommen. In der „Wahlarena“ erwarteten sie am Montagabend der Hilferuf eines Erstwählers und die Kritik eines jungen Krankenpflegers.

Von Andreas Albrecht

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Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der „Wahlarena“.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der „Wahlarena“.

© dpa

  • Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der „Wahlarena“.
    Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der „Wahlarena“.
  • Studiogast Jonas Fleckenstein (18) aus Würzburg möchte lieber CDU als CSU wählen - was in Bayern aber nicht möglich ist.
    Studiogast Jonas Fleckenstein (18) aus Würzburg möchte lieber CDU als CSU wählen - was in Bayern aber nicht möglich ist.
  • Studiogast Silke Ottow (48) wollte eigentlich das „unterschiedliche Bildungssystem in Deutschland“ kritisieren.
    Studiogast Silke Ottow (48) wollte eigentlich das „unterschiedliche Bildungssystem in Deutschland“ kritisieren.
  • Der Krankenpfleger Alexander Jorde hat Angela Merkel für das Programm der CDU kritisiert.
    Der Krankenpfleger Alexander Jorde hat Angela Merkel für das Programm der CDU kritisiert.

Lübeck. Zumindest draußen ist der Empfang in Lübeck freundlicher als in den letzten Orten ihres Wahlkampfs: Fan-Sprechchöre, Beifall und Selfie-Wünsche lassen die Bundeskanzlerin die Tomatenwürfe und Buhrufe ihrer Gegner für einen Abend vergessen. Manchen Anhängern fällt gleich auf, dass Angela Merkel im Anzug in „Groko“-Farben in die Hansestadt gereist ist: oben roter Blazer, unten schwarze Hose.

Drinnen in der „Wahlarena“ - ein leicht verfallenes Backsteingebäude, früher eine Werfthalle - ist die Stimmung deutlich kritischer. 150 Wähler wurden repräsentativ ausgewählt, einige dürfen Fragen stellen.

Die erste kommt von Abiturient Jonas Fleckenstein aus Würzburg - nachdem er etwas verzweifelt schildert, dass er eigentlich lieber die CDU wählen möchte, dies aber in Bayern nicht könne. Sein Kreuzchen möchte er aber nicht bei der CSU machen, weil ihm die Schwesterpartei vor allem in Flüchtlingsfragen zu radikal sei: „Was soll ich jetzt machen als unerfahrener Wähler?“. Merkel bittet den Erstwähler brav um beide Stimmen, vor allem die zweite: „Das Überwiegende ist das Gemeinsame“, sagt Merkel auch mit Blick auf das innerparteiliche Streitthema Obergrenze, die sie als „nicht praktikabel“ bezeichnet und „garantiert“ ausschließt. Da hält der Jungwähler der Kanzlerin wieder ihr altes Wahlversprechen „Pkw-Maut“ von vor vier Jahren vor. Merkel ist das erste Mal etwas genervt.

Kurz danach lässt der junge Krankenpfleger Alexander Jorde mit Kritik an der aus seiner Sicht mangelhaften Personalausstattung in Heimen nicht locker und erntet zeitgleich bei Twitter dafür viel Lob. Merkel gelobt Besserung bis 2019, den Mann aus dem Publikum kann sie am Ende aber sichtlich nicht zufriedenstellen.

Wahlkampf im Schnelldurchlauf: Nach der Türkei-Politik wird der Milch- und Butterpreis diskutiert. „Die Sachen sind manchmal kompliziert“, so Merkel. Bei einer jungen Frau mit Down-Syndrom kann Merkel trotz Kritik an späten Schwangerschaftsabbrüchen kurz durchatmen: weg vom transparenten Stehpult und hin zum selbst erklärten Merkel-Fan aus Köln. Dafür gibt es direkt nach der Sendung ein schnelles Selfie auf der Bühne, bevor die Regierungschefin verschwindet.

Nach fast 80 Minuten ist alles vorbei: Silke Ottow, Sportlehrerin aus Hamburg, wollte eigentlich das „unterschiedliche Bildungssystem in Deutschland“ kritisieren und live im Fernsehen andere Gesetze fordern, kommt mit ihrer Frage aber nicht dran. „Wir saßen ein bisschen blöd“, meint die 48-Jährige.

„Ihre Antwort hat sie mir schon gegeben“, winkt Jörg Rosan ab und wollte in Lübeck einfach nur „das Event genießen“. Den 60-Jährigen in Altersteilzeit interessieren naturgemäß Rentenfragen am meisten, in der „Wahlarena“ wollte er aber für sich prüfen, inwieweit Fragen tatsächlich ganz offen und spontan gestellt werden konnten. Sein Fazit? „Ich glaube, die Merkel wusste wirklich nix.“ Und Jonas, der Erstwähler mit der ersten Frage, ist sich beim Rausgehen sicher: „Die CSU wähle ich jetzt immer noch nicht.“ (dpa)

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Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. Berg

    Den meisten ging es ums Geld, natürlich um ihr eigenes, das sie irgendwie von Merkel zugesichert bekommen wollten. Langweilig. - Keine Frage zu den Russland/Putin-Sanktionen, zur Vergrößerung des Verteidigungshaushaltes, zu NATO-Ostmanövern, zu Nordkorea, zum Brexit, auch nicht zu den Wutbürgern, zum sozialen Wohnungsbau.

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