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Samstag, 05.12.2015

Kritik: Dresdens Stadtplaner fördern „Würfelhusten“

Buchautor Philipp Maaß fordert mehr Vielfalt und Nachhaltigkeit bei der Gestaltung der Stadt.

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Wohnhäuser an der Tannenstraße
Wohnhäuser an der Tannenstraße

© Wolfgang Wittchen

Der Ruf nach der Rekonstruktion wie am Dresdner Neumarkt ist nur eine Art „Krückstock“, sagt Philipp Maaß. Das Grundübel bestehe darin, dass die Stadtplaner viel zu viele austauschbare Gebäude zulassen. Als Beispiele nennt er die Neubauten am Postplatz sowie die Wohnhäuser an der Tannenstraße. „Letztere werden als Würfelhusten bezeichnet und tragen zur Verarmung der Städte bei“, sagt Maaß.

Der 35-Jährige hat sich in seiner Dissertation an der TU Dresden mit Fragen des Wiederaufbaus historischer Bauten in den Städten befasst. Jetzt liegt seine Arbeit „Die Moderne Rekonstruktion“ in Buchform vom Verlag Schnell+Steiner vor. Auf 615 Seiten beleuchtet er insbesondere die Innenstädte von Dresden, Potsdam und Frankfurt/Main. Letztlich habe das Wirken der Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden zu einem Umdenken auch in anderen Städten beigetragen. Paradoxerweise habe es für den Wiederaufbau des Neumarkts in Dresden plausible Grundsätze gegeben. „Doch plötzlich entstanden Häuser wie der lange Riegel am Postplatz. Das wiederum führte zur Gründung der Gesellschaft Historischer Neumarkt“, sagt er.

Die Stadtplaner lassen Gebäude zu, die Bauträger schnell verkaufen können. Einzeleigentümer würden langfristig denken und Interesse für die Folgekosten zeigen, sagt er. Dass es anders möglich ist, zeigten die Townhäuser in Berlin. Noch härter als die Stadtplaner kritisiert der Buchautor die Architektenschaft. „Da gibt es überhaupt keine Vielfalt mehr, der Bauhausstil wird zum alleinigen Maßstab erklärt. Statt auf eine Blockrandbebauung setzen die Architekten auf Einzelbauten. Das ist auch ökologisch Unsinn“, sagt er. Architekten, die Erdgeschosszonen und Dachfirste planen, hätten kaum eine Chance, ihre Prüfung zu bestehen. Maaß fordert, dass es nicht mehr einseitig ausgerichtete Wettbewerbsjurys geben sollte, sondern den Bürgern mehrere Varianten zur Abstimmung gestellt werden sollten. Er ist sicher, dass so auch Modernes möglich ist. (SZ/kle)

Leser-Kommentare

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Insgesamt 11 Kommentare

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  1. Berg

    Es fehlen also nicht nur Architekten, die neue ansehenswerte Architektur zustande bringen, es fehlen auch die Investoren, die etwas teurer bauen, es fehlen bürgernahe Stadtplaner, und es fehlen auch noch Jurymitglieder, die aus einer Auswahl das Begeisternde auswählen. Was ist denn da los im Bauwesen? - Ob allerdings irgendwelche "Bürger" besser entscheiden könnten, ist zu bezweifeln. - Meine Vorstellung: mehr von den Wohn- und Lebensfunktionen der Menschen ausgehen, innerhalb und außerhalb der Gebäude, isbesondere im Erdgeschossbereich.

  2. CrazyMama

    ... da gebe Ihnen Recht. Der Architekt der Bauten an der Freibergerstr. wohnt sicher noch bei Mutti, denn er baut Häuser mit Fenstern die sich nicht öffnen lassen und somit auch nicht geputzt werden können. Müllhaufen, Waschraum ohne Fenster... jetzt alles elektrisch entlüftet und das im KFW 70 Standard Haus.... und da gebe es noch einige Fehlbauten ... Wahrscheinlich haben die Herren an der Kunsthochschule studiert.. CM

  3. Schellenberget

    Die Waldschlößchenbrücke ist ein Armutszeugnis für die Stadt. Die Sicherung historischen Erbes war eine Aufgabe der sächsischen Politik. Und was macht Dresden? Opfert seine Schätze für Investorenwohl und gefährdet sein nur noch spärliches bauliches Erbe. Es geht um Werte, die doch so gern beschworen werden, um Kulturschätze der Region, die, wenn einmal zerstört, unwiederbringlich sind. Es war eine leichtfertig vertane Chance. Auch die übrige Stadt ist nicht vorzeigbar (Postplatz).

  4. ICH

    Schellenberget , ich kanns nicht mehr lesen , Waldschlößchenbrücke . Für Auswertige , die auf der A4 ankommen und in die Uniklinik müssen , ist es die beste Brücke in Dresden . Allerdings hätte ich noch eine Frage an Sie , läuft Ihr Toaster noch mit Riemenantrieb ? Es ist doch egal , wie ein Haus von außen aussieht . Es muss auf dem neuesten Stand sein . Wenn ich in Dresden durch die Antonstraße fahre und dieses Einkaufscenter sehe , dann wird mir schlecht . Das sieht farblich aus wie die Ziehharmonikageschäfte zu DDR ´-Zeiten .

  5. kein FAn

    @ ICH:Wer von der Radeberger Vorstadt zum Grossen Garten, Querallee, will, hat tatsächlich was von der WSB. Ansonsten fällt mir da nichts ein. Und es gibt ne Menge Leute, die unter dem Verkehr leiden, die Lebensqualität links und rechts der Zufahrtswege ist gesunken. Und hässlich ist der Klotz auch noch. Es kommt sehr wohl darauf an, wie Dinge funktionieren UND AUSSEHEN, man nennt das Ästehtik, googeln Sie mal was das ist. Die 80er-Bauten in Prohlis und Gorbitz funkitionieren auch .. und kaum einer will recht gern drin wohnen.

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