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Samstag, 07.10.2017

Kritik an der Bahn nach „Xavier“

Auch Tage nach dem heftigen Sturm über Norddeutschland ist der Bahnverkehr in vielen Regionen völlig aus dem Takt. Die Kritik an der Kommunikation der Bahn wächst.

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Die Bahn ist wegen ihrer Kommunikation mit Reisenden während „Xavier“ in der Kritik.
Die Bahn ist wegen ihrer Kommunikation mit Reisenden während „Xavier“ in der Kritik.

© dpa

Berlin. Nach dem schweren Sturm „Xavier“ in Norddeutschland wird zunehmend Kritik an der Deutschen Bahn laut. Die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) bezeichnete die Kommunikation als mangelhaft. „Wir leben in einem Zeitalter von Apps und digitaler Information und doch ist das Unternehmen Deutsche Bahn nicht in der Lage, seine Kunden ausreichend zu informieren“, erklärte der stellvertretende Vorsitzende Klaus-Dieter Hommel am Samstag in Frankfurt am Main. Ähnlich äußerte sich der Fahrgastverband Pro Bahn. „Es hat einfach an Informationen gefehlt“, sagte der Ehrenvorsitzende Karl-Peter Naumann der „Passauer Neuen Presse“.

Bahnreisende mussten am Wochenende weiter mit starken Behinderungen rechnen. Die Bahn hoffte, dass die Aufräumarbeiten größtenteils Anfang der neuen Woche abgeschlossen sind, wie eine Sprecherin sagte. „Wir arbeiten mit Hochdruck, aber es gibt Unwägbarkeiten. Darum ist eine genaue Prognose leider derzeit noch nicht möglich.“

So werde die Strecke Hamburg-Berlin erst am Montag wieder befahrbar sein, hieß es. Den Reisenden werde eine Umleitung über Uelzen und Stendal angeboten. Auf der Strecke Hannover-Berlin sollten voraussichtlich am Samstagnachmittag wieder erste Züge rollen. Die Verbindung Bremen-Hannover sollte ab Sonntag wieder aufgenommen werden.

Der Sturm hatte am Donnerstag den Zugverkehr in der Nordhälfte Deutschlands lahmgelegt. Viele Reisende strandeten an Bahnhöfen.

Von Pro Bahn hieß es: „Wir haben alle Verständnis, dass kein Zugverkehr stattfinden kann, wenn Bäume auf die Schienen fallen oder Oberleitungen beschädigt werden.“ Es sei auch richtig, dass Züge nicht rollen, solange nicht klar ist, wo Bäume liegen. „Aber man muss dann auch sauber informieren. Das ist der Bahn nicht gelungen“, sagte Naumann in der „Passauer Neuen Presse“.

Die Bahn-Sprecherin sagte dazu: „Wir haben feste Prozesse und Konzepte, wie mit einer solchen Sondersituation umgegangen werden kann.“ Für die Mitarbeiter in den Bahnhöfen sei es eine schwierige Situation, wenn ihnen zum Beispiel an der Reiseinformation Hunderte Menschen gegenüberstünden. Man danke den Mitarbeitern für ihren großen Einsatz. „Aber es ist und bleibt eine schwierige Situation.“

Reisende hätten die Möglichkeit, bis zum 15. Oktober auch zuggebundene Tickets einzusetzen. Tickets würden außerdem kostenfrei erstattet. Die Sprecherin bat Reisende, sich „dringend“ unter bahn.de oder über die DB-Navigator-App zu informieren. Züge und Personal seien nach wie vor nicht an den Stellen, an denen sie planmäßig eingesetzt werden könnten.

Hommel sagte, es sei für die Mitarbeiter beschämend, wenn sie den an den Bahnhöfen Gestrandeten oft nur unzureichend weiterhelfen könnten. „Wieder einmal fehlte es an den nötigen Informationen, wieder einmal war das Unternehmen Deutsche Bahn nicht in der Lage, mit seinen Kunden zu kommunizieren.“ Hommel forderte Änderungen.

Ihren Twitter-Account @DB_Info hatte die Bahn zuletzt am Donnerstag genutzt. Da hieß es lediglich: „Bitte prüfen Sie Ihre Reiseverbindung.“ (dpa)

Leser-Kommentare

Insgesamt 4 Kommentare

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  1. Roba

    Was erwartet man von einem Unternehmen in öffentlicher Hand?

  2. Lokführer

    Weil es eben niemanden gibt, der die Verantwortung übernimmt wird sich auch nie etwas ändern. Das ist in allen Bereichen bei der DB so. Zu viele Akteure schieben Verantwortung von sich weg.

  3. deutsche Sportgröße

    ...womit wir bei´m Thema Bahnverkehr/ÖPNV generell sind, welcher seit Jahren/Jahrzehnten systematisch "ausgeblutet" wird. Siehe M. Duligs "Gesinnungswandel" bzgl. Autobahnausbau. Wetten, es wird auf "ÖPP/PPP" hinauslaufen?

  4. PS

    @1: Dass das Unternehmen seine Aufgaben ordentlich erfüllt - wie seit Kaisers Zeiten bis Anfang Kohl. Doch das setzt kompetente Führung voraus - im Unternehmen selbst und durch die Regierung, insbesondere den Minister. Aber der ... Mein Eindruck ist, dass dort eine Menge "Offiziere im besonderen Einsatz" der Autolobby tätig sind. / Bahn und insbesondere das Eisenbahn-Netz sind prinzipiell ein "natürliches" Monopol - man kann nicht mehrere konkurrierende Eisenbahnnetze aufbauen. Das ideologisch begründete Allheilmittel "Wettbewerb" funktioniert da grundsätzlich nicht. Für ordentliche Erfüllung der Aufgaben muss man also auf andere Weise sorgen - und das wäre durchaus möglich.

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