erweiterte Suche
Sonntag, 28.10.2012

Krisenexperte: Im November lebt es sich besonders gefährlich

Der dunkle November ist gefährlicher als man so denkt. Müdigkeit und mangelnde Konzentration machen die Menschen besonders anfällig für Fehler. Das hat dramatische Folgen, wie ein Krisenexperte warnt.

Von Gespräch: Silke Fokken

Kiel. Von der Firmenpleite bis zum Flugzeugabsturz - der November ist in Deutschland nach Ansicht eines Experten der „mit weitem Abstand krisenanfälligste Monat“ des Jahres. „Durchschnittlich verzeichnen wir im deutschsprachigen Raum eine große Krise und drei bis vier kleinere pro Woche, im November verdoppelt sich der Wert“, sagte der Chef des Kieler Instituts für Krisenforschung, Frank Roselieb, der Nachrichtenagentur dpa. Im Juli liege der Wert dagegen klar unter dem Durchschnitt, bei 60 Prozent. Zusätzlich geht die Selbstmordrate in der düsteren Jahreszeit deutlich nach oben.

Einer der wichtigsten Gründe für den krisenhaften Herbst: „Viele Menschen sind in dieser Zeit überfordert, und dann passieren am ehesten Fehler“, sagt Roselieb. Diese Überforderung habe viel mit Müdigkeit und mangelnder Konzentrationsfähigkeit zu tun. Das Risiko sei im Herbst höher, weil der Himmel öfter grau und dunkel bleibe, gerade im Norden.

Bei wenig Licht produziert der Körper mehr von dem Hormon Melatonin. Das macht müde. Dazu kommt die leidvolle Umstellung von der Sommer- auf die Winterzeit. Und: „Wer einen schlechten Tag hat, wird sonst meist von anderen aufgefangen. Im Herbst fehlt dieser Schutz. Da haben wir alle einen schlechten Tag“, sagt Roselieb.

Dem "Herbstblues" begegnen

Der Experte hat Tipps für ein Anti-Krisen-Training: „Man kann Handlungsabläufe zum Beispiel für Notsituationen immer wieder durchspielen, um Stress zu reduzieren. Man muss dann nicht mehr groß nachdenken, das Gehirn wird entlastet. Damit lassen sich Fehler und Krisen vermeiden“, erzählt Roselieb. Immer mehr Firmen würden solche Krisentrainings für ihre Mitarbeiter vom Spätsommer an buchen. Andere seien auch bereit, im Herbst ihr Personal aufzustocken, um vermehrten Krankheitsfällen und auch dem „Herbstblues“ zu begegnen. Der Experte sieht Arbeitgeber verstärkt gefordert, ihre Mitarbeiter in der Krisenzeit zu entlasten, um so letztlich Fehler zu vermeiden.

Skandinavische Länder, die von langen, dunklen Tagen besonders betroffen seien, hätten bereits reagiert, sagt Roselieb. In Norwegen etwa habe man die Arbeitszeit verändert. „Im Sommer arbeiten die Menschen in der Regel sechs bis sieben Stunden, im Winter neun bis zehn. Die Unternehmen haben akzeptiert, dass Menschen in der dunklen Jahreszeit weniger produktiv sind und mehr Zeit brauchen, um ihr Pensum zu schaffen.“

In Schweden zum Beispiel könne man im Herbst besondere Tageslicht-Lampen kaufen, die bis zu 10.000 Lux helles Sommerlicht ausstrahlten. „Der Mensch kann bei Helligkeit nun einmal besser denken, besser arbeiten und aufmerksamer sein, auch im Büro“, sagte der Experte.

Deshalb sei das Arbeiten in einem Großraumbüro eigentlich günstig. „Wir sitzen dort in einer hellen, künstlichen Sommerwelt. Das trübe, dunkle Wetter bekommen Mitarbeiter nicht so mit. Dafür ist allerdings der Gegensatz sehr groß, wenn sie abends nach draußen gehen“, meint der Fachmann. (dpa)