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Samstag, 16.02.2013

Konklave beginnt möglicherweise schon vor dem 15. März

Von Daniel Rademacher

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Weißer Rauch ist das Zeichen, dass ein neuer Papst gewählt wurde.
Weißer Rauch ist das Zeichen, dass ein neuer Papst gewählt wurde.

© dpa/dpaweb

  • Weißer Rauch ist das Zeichen, dass ein neuer Papst gewählt wurde.
    Weißer Rauch ist das Zeichen, dass ein neuer Papst gewählt wurde.
  • Papst Benedikt XVI. hat seine Erschöpfung und die schwindende Kraft nach Angaben seines Biografen bereits vor längerer Zeit eingeräumt.
    Papst Benedikt XVI. hat seine Erschöpfung und die schwindende Kraft nach Angaben seines Biografen bereits vor längerer Zeit eingeräumt.

Rom. Nach der historischen Rücktrittsankündigung von Papst Benedikt XVI. will der Vatikan die Wahl eines Nachfolgers beschleunigen. Wegen der besonderen Umstände könnte das Konklave zur Wahl eines neuen Papstes bereits vor dem 15. März beginnen, kündigte Vatikansprecher Federico Lombardi am Samstag in Rom an. Die eigentlich vorgesehene Frist von 15 bis 20 Tagen nach Beginn der Sedisvakanz („leerer Stuhl Petri“) dient normalerweise dazu, dass die wahlberechtigten Kardinäle genügend Zeit haben, um aus aller Welt nach Rom zu reisen.

Benedikt will am 28. Februar zurücktreten - ein Schritt, den es in der Neuzeit noch nicht gegeben hat. Da sich die Kardinäle nach dieser Ankündigung aber entsprechend vorbereiten könnten, sei es möglich, den Beginn des Konklaves vorzuziehen, sagte Lombardi weiter. Die kirchenrechtlichen Vorschriften zur Wahl eines neuen Papstes könnten so interpretiert werden. Unmittelbar nach dem Rücktritt von Benedikt hatte es geheißen, bis Ostern solle es ein neues Kirchenoberhaupt geben.

Italiens Hauptstadt Rom bereitet sich derweil für das an diesem Sonntag (12.00) anstehende vorletzte Angelus-Gebet mit dem Papst auf dem Petersplatz vor. Dazu werden mehr als 100.000 Menschen erwartet.

Das Gebet, das der Papst traditionell vom Fenster seines Arbeitszimmers aus mit allen Pilgern auf dem Petersplatz betet, ist auch ein erster wichtiger Test für die Behörden in Rom. Rund 1.000 Einsatzkräfte sollen am Sonntag für die Sicherheit von Gläubigen, Touristen und Schaulustigen sorgen, wie die römische Zeitung „Il Messaggero“ am Samstag berichtete. Straßen rund um den Kirchenstaat werden für den Verkehr gesperrt.

Die Wahl des Papstes

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Der Papst wird in geheimer Wahl vom sogenannten Konklave gewählt. Diese Versammlung der Kardinäle beginnt 15 bis 20 Tage nach dem Tod oder - wie jetzt - dem Rücktritt des Papstes. Diesmal könnte sie allerdings früher beginnen. Seit 1878 findet die Papstwahl in der Sixtinischen Kapelle statt. Papst Benedikt XVI. bestimmte 2007, dass künftig immer eine Zweidrittel-Mehrheit nötig ist, um ein neues katholisches Kirchenoberhaupt zu wählen.

Bis dahin galt eine im Jahr 1996 von Johannes Paul II. aufgestellte Regelung, wonach nur bis zum 33. Wahlgang eine Zweidrittel-Mehrheit erforderlich war. Benedikt legte fest, dass es nach dem 33. Wahlgang so viele Stichwahlen zwischen den beiden stärksten Kandidaten geben muss, bis mit der Zweidrittel-Mehrheit ein neuer Papst gefunden ist.

Benedikt XVI. wurde bereits 26 Stunden nach dem Einzug des Kardinalskollegiums in die Sixtinische Kapelle im vierten Wahlgang gewählt. Generell gibt es am Nachmittag des ersten Konklave-Tages eine Wahl, an allen anderen Tagen werden in der Regel vormittags und nachmittags jeweils zwei Wahlen - also vier Wahlen am Tag - durchgeführt.

Wahlberechtigt sind alle Kardinäle der römisch-katholischen Kirche, die vor dem Beginn der Sedisvakanz ihr 80. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Deren Zahl soll 120 nicht übersteigen. Voraussichtlich haben diesmal 117 Kardinäle ein aktives Wahlrecht. Passiv wahlberechtigt ist jeder männliche Katholik, allerdings sind seit dem 14. Jahrhundert nur Kardinäle zum Papst gewählt worden.

Am Samstagmittag empfing Benedikt den Präsidenten von Guatemala, Otto Fernando Pérez Molina. Am Abend (18.00) stand eine Privataudienz für Italiens Ministerpräsidenten Mario Monti auf dem Programm. Vatikansprecher Lombardi bestätigte am Samstag die verbleibenden Termine des Papstes: So stehe die kommende Woche ganz im Zeichen der Fastenexerzitien der Kurie, in der es traditionell keine öffentlichen Auftritte, Gottesdienste und auch keine Generalaudienz gibt.

Nach einem letzten Angelus-Gebet am 24. Februar und einer letzten Generalaudienz am Tag vor dem Rücktritt ist geplant, dass der Papst am 28. Februar gegen 17.00 Uhr mit dem Hubschrauber nach Castel Gandolfo fliegt, ehe er um 20.00 Uhr sein Amt niederlegen will. Dann beginnt die Sedisvakanz.

In der päpstlichen Sommerresidenz vor den Toren Roms will Benedikt etwa zwei Monate bleiben, wie Lombardi am Samstag ankündigte. Dann kehrt er wie geplant in den Vatikan zurück, um in ein Kloster zu ziehen.

Nach Angaben seines Biografen hat Benedikt seine Erschöpfung bereits vor längerer Zeit eingeräumt. Für ein neues Buch über den Papst habe der Journalist Peter Seewald das Kirchenoberhaupt in den vergangenen Monaten mehrere Male im Vatikan getroffen, zuletzt vor etwa zehn Wochen, schreibt der „Focus“.

Auf die Frage, was noch von seinem Pontifikat zu erwarten sei, habe der Papst im Sommer geantwortet: „Von mir? Nicht mehr viel. Ich bin doch ein alter Mann, die Kraft hört auf. Ich denke, das reicht auch, was ich gemacht habe.“ Die Frage, ob er an Rücktritt denke, beantwortete Benedikt demnach so: „Das hängt davon ab, wie weit meine physischen Kräfte mich dazu nötigen werden.“

Er habe den Papst nie zuvor so erschöpft und niedergeschlagen gesehen, sagte Seewald dem „Focus“ weiter. Mit letzter Kraft habe der deutsche Papst den dritten Band seines Jesus-Werkes zu Ende gebracht. „Mein letztes Buch“, habe der 85-Jährige gesagt. (dpa)

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