erweiterte Suche
Samstag, 18.06.2016

Kommentiert die SZ Werbebeiträge?

Es erstaunt mich, wie man so unkommentiert einen Werbebeitrag der Enso in der SZ abdruckt. Ich bezahle bald 30 Euro pro Monat für diese Zeitung, da kann ich wohl verlangen, dass wenigstens für mich als Leser ein Vorteil dabei rauskommt und ich nicht derartig beschwatzt werde. Freundliche Grüße Siegmar Ziesche

Sehr geehrter Herr Ziesche,

Sie beziehen sich auf eine Verlagssonderveröffentlichung am vergangenen Sonnabend. Das Energieunternehmen Enso informierte darin, dass es jetzt Photovoltaikanlagen für Hausbesitzer plant, baut und auch verpachtet. Dazu hat das Unternehmen beim Verlag, in dem die SZ erscheint, eine Seite gekauft und gestaltet. Um eine Verwechslung mit redaktionellen Inhalten auszuschließen, wurde die Seite korrekt mit „Verlagssonderveröffentlichung“ überschrieben und in einem anderen Layout gestaltet.

Verlagssonderveröffentlichungen sind eine besondere Form bezahlter Inhalte, sie unterscheiden sich von den Anzeigen vor allem dadurch, dass hier Firmen nicht nur kurze Werbebotschaften übermitteln, sondern umfangreicher ihre Inhalte präsentieren können. Die Texte dazu stellen die Unternehmen in aller Regel selbst her oder beauftragen die Anzeigenabteilung damit.

Die Redaktion der SZ hat vor dem Druck keine Kenntnis von bezahlten Inhalten in der Zeitung, schon gar nicht hat sie Einfluss darauf. Deshalb ist eine Kommentierung werblicher Botschaften unmöglich. Andersherum haben Verlagsmitarbeiter keinen Einfluss auf redaktionelle Inhalte der Sächsischen Zeitung. Der Chefredakteur entscheidet hier allein. Diese klare Trennung wird vom Deutschen Presserat gefordert und bei der SZ konsequent umgesetzt.

Allerdings ist es durchaus möglich, dass sich die Redaktion zu einem anderen Zeitpunkt mit dem Inhalt einer Werbebotschaft beschäftigt. Dies geschieht, wenn das Thema viele Leser interessiert. Dann findet eine kritische redaktionelle Auseinandersetzung auch statt, wenn das Unternehmen schon mal für seine Botschaften bezahlt hat.

Bezahlte Inhalte in der Zeitung sind keineswegs notwendiges Übel. Sie enthalten wichtige Informationen - denken Sie an neue Produkte, neue Leistungen oder Preisinformationen. Das trifft auch auf Klein- und Todesanzeigen zu. Nicht zuletzt: Bezahlte Inhalte decken die Hälfte der Zeitungskosten, die andere Hälfte tragen unsere Leser.

Ihr Olaf Kittel

Alle Fragen, alle Antworten: www.sz-link.de/leserfragen