erweiterte Suche
Dienstag, 14.03.2017

Kommentar: Dieser Vorfall ist beschämend

SZ-Redakteurin Annechristin Bonß über Diskriminierung an der Haltestelle.

Frauen mit Burka oder Nikab sind auf Sachsens Straßen eher selten. Es mag sein, dass der Busfahrer der Linie 360 deswegen irritiert war, als am Wochenende eine voll verschleierte Frau einsteigen wollte. Schon möglich, dass er bei seiner Tour durch Dresdens Süden und bis nach Zinnwald sonst kaum einen Fahrgast mit Schleier oder Kopftuch mitnimmt. Doch trotz des Befremdens darf er sie nicht stehen lassen. Ein Verbot, verschleiert in den Bus zu steigen, gibt es nicht.

Seine Erklärung, nur Fahrgäste, die erkennbar und im Zweifel beschreibbar seien, dürften mitfahren, ist nicht nur dürftig, sondern schlicht diskriminierend. Was ist denn, wenn im Winter Menschen mit Schal vor dem Mund, Pudelmütze auf dem Kopf oder tief sitzender Kapuze zusteigen wollen? Oder in der Faschingszeit eine Gruppe Clowns, geschminkt und mit roten Perücken? Bleibt die Tür am Bus dann auch verschlossen? Sicher nicht.

So wie die drei Frauen an der Haltestelle will niemand behandelt werden. Dass noch dazu kaum jemand geholfen hat, viele Fahrgäste hinnahmen, was sich vor ihren Augen abspielte, und zudem nun das Verhalten als nicht verwerflich hingestellt wird, ist beschämend.

So braucht sich Dresden nicht zu wundern, wenn der Vorwurf fremdenfeindlicher Atmosphäre über die Grenzen Sachsens verbreitet wird.