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Samstag, 20.02.2016

Kommentar: Der Nachbar hat die klügere Strategie

SZ-Redaktuer Peter Hilbert über den Streit um Marina Garden.

Regine Töberich ist wortgewaltig und tatkräftig. Das muss man der Investorin fürs geplante Baugebiet Marina Garden lassen. Sie lässt nicht nur schnell mal den Bagger am Elberadweg anrollen, sondern auch kein gutes Haar an den in Dresden herrschenden rot-rot-grünen Stadtratsfraktionen. Bejubelt von ihren zahlreichen Facebook-Freunden, viele davon aus dem konservativen Lager, wirft sie den Mehrheits-Koalitionären Lügen vor. Das Gebaren ihrer Wortführer sei höchst gefährlich. So würde die Stadtgesellschaft gespalten. Das ist starker Tobak. Fraglich ist, ob Töberich mit diesem zickig wirkenden Konfrontationskurs ihr Bauprojekt durchbringt, bei dem es sich vor allem um Hochwasserschutz dreht.

Ganz anders geht die Dresdner Immobilienfirma USD vor, die auf dem Nachbargrundstück ihre Hafencity bauen will. Die rot-rot-grüne Ratsmehrheit hat nach ihrem Machtantritt auch die Pläne dieses Bauträgers durchkreuzt – genau wie bei Töberich wegen des Hochwasserschutzes. Doch anders als sie bissen die USD-Leute die Zähne zusammen, verkniffen sich die offene Konfrontation – und gingen auf Stadtplaner und die Ratsfraktionen zu. Aus dem Rathaus kommen jetzt positive Signale. Diese Kompromissstrategie scheint die klügere zu sein, mit der die USD-Geschäftsleute am Ende sicher auch gutes Geld verdienen. Wie im normalen Leben bringt es nichts, wenn man sich nur Schlammschlachten liefert – egal, was es letztlich kostet.