erweiterte Suche
Freitag, 30.11.2012

Koje bleibt länger Heim für Asylbewerber

Trotz Protesten der Kontaktgruppe Asyl wird das Herbergsschiff weiter als Übergangsheim genutzt.

Von Franziska Schneider

Aus der Notlösung Koje wird ein Dauerzustand: Das marode Schiff wird voraussichtlich auch noch im Dezember als Übergangswohnheim genutzt. Die Wahrscheinlichkeit, dass Dresden weitere 100 Asylbewerber aufnehmen müsse, sei ziemlich hoch, bestätigte ein Sprecher des Sozialbürgermeisters. Damit reichten auch die neu geschaffenen Kapazitäten nicht mehr aus. Für „wenige Wochen“ würde die Koje dann weiter genutzt. Das Herbergsschiff ist eigentlich zum Verkauf ausgeschrieben, dieser sollte bis Jahresende abgeschlossen sein.

Doch seit 6. November bietet das Schiff nun Asylsuchenden eine Bleibe (die SZ berichtete). Derzeit sind hier 54 Menschen, vor allem aus Mazedonien und Serbien, untergebracht. Sie sollten ursprünglich Anfang Dezember in das ehemalige Obdachlosenheim auf der Buchenstraße umziehen. Die Zwischenlösung auf dem Schiff war nötig geworden, da die Zahl der vom Freistaat zugewiesenen Asyl-Suchenden von 381 auf 470 erhöht wurde. Diese Anzahl ist nun jedoch auch Anlass für die Verlängerung der Zwischenlösung.

Die Ökumenische Kontaktgruppe Asyl kritisiert die Unterbringung auf dem Schiff scharf. Vertreter der Gruppe hatten die Koje besucht und festgestellt, dass dabei Mindestanforderungen für derartige Wohnheime nicht erfüllt würden. Diesen Vorwurf weist Sozialbürgermeister Martin Seidel (parteilos) zurück: „Es ist genügend Platz auf dem Schiff vorhanden, alle Personen entsprechend der Verwaltungsvorschrift unterzubringen.“ Diese sieht eine Mindestwohnfläche von sechs Quadratmetern pro Person vor. Etwa 650 Quadratmeter stünden insgesamt zur Verfügung. „Sollten Familien entgegen den Empfehlungen gemeinsam in einzelnen Kabinen untergebracht werden wollen, stellt sich die Leitung des Herbergsschiffes nicht dagegen“, so Seidel. Eine zunächst auf der Koje wohnende Schwangere wurde demnach mit ihrer Familie inzwischen aufs Festland verlegt.

In der Buchenstraße entstehen 40 Plätze für Asylbewerber, diese Unterkunft soll dann dauerhaft als Übergangswohnheim genutzt werden. Derzeit wird das Gebäude noch renoviert und mit Möbeln ausgestattet, soll jedoch Anfang Dezember wieder in Betrieb gehen. Es werden wohl weniger die Kojen-Bewohner sein, die hier als Erstes einziehen: „Sie sind scheinbar recht zufrieden auf dem Schiff. Der Wille umzuziehen war nicht groß“, so der Referent des Bürgermeisters. Die Stadt prüfe derzeit weitere Interimsstandorte für Übergangswohnheime. Auch auf dem freien Markt werden Wohnungen angemietet.