Gerichtsbericht Montag, 24.12.2012

Knüppel aus dem Sack statt Weihnachtsgeschenk

Das Jugendgericht machte dem Angeklagten ein Weihnachtsgeschenk. Ein paar Tage später sitzt er wieder vor Gericht. Diesmal wird es ganz bitter für ihn.

Von Jürgen Müller

Vor einer Woche noch musste dem 21 Jahre alten Angeklagten das Meißner Jugendschöffengericht vorgekommen sein wie der Weihnachtsmann. Normalerweise hätte er wieder ins Gefängnis einrücken müssten. Der junge Mann hatte nur einen Teil seiner Jugendstrafe von zwei Jahren verbüßt, acht Monate wurden ihm erlassen und zur Bewährung ausgesetzt. Schon allein deshalb, weil er Bewährungsauflagen nicht erfüllte, hätte er schon längst wieder einrücken müssen. Doch es kam noch schlimmer. In der Bewährungszeit wurde er wieder straffällig. Normalerweise hätte das Gericht das alte Urteil ins Strafmaß mit einbeziehen müssen, wenn es den Heranwachsenden nach Jugendstrafrecht verurteilt hätte. Doch er wurde nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt. Dadurch konnte das Jugendurteil nicht mit einbezogen werden, es wurde ein völlig neues Urteil gebildet. Statt ins Gefängnis einzurücken, muss er nur eine Geldstrafe von 600 Euro zahlen (die SZ berichtete). Doch eine Woche später ist alles anders.

Jetzt sitzt der Angeklagte aus Coswig vor dem Meißner Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Andreas Poth. Dem Angeklagten wird diesmal ein Raub – also ein Verbrechen – vorgeworfen, den er ebenfalls in der Bewährungszeit beging. Es soll am 10. Juli dieses Jahres nachts kurz nach 1 Uhr einen anderen jungen Mann geschlagen und diesem das Handy abgenommen haben. Während er nach der Verhandlung vor dem Jugendschöffengericht gegenüber seinem damaligen Verteidiger betonte, es sei es nicht gewesen, gibt er jetzt plötzlich die Tat zu, jedenfalls zum Teil. „Ich habe ihm eine Backpfeife gegeben“, sagt er. Das Handy habe ein anderer genommen. Bei einer Wohnungsdurchsuchung wird es nicht gefunden. „Sie werden es hier auch nicht finden“, sagte die Mutter des Angeklagten zu den Polizisten. Ihr Sohn habe das Handy an einen Unbekannten verkauft, so die Mutter. Als ihr Sohn eintrifft, will sie keine Angaben mehr machen.

Auch der Geschädigte hat den Angeklagten bei der Polizei eindeutig wiedererkannt. Der habe ihn beleidigt und geschlagen und auch nach Geld gefragt. Allerdings habe er nur Kleingeld bei sich gehabt.

Mit seinen 21 Jahren hat der Angeklagte schon eine beeindruckende kriminelle Karriere hingelegt. Als Jugendlicher kam er lange Zeit trocken durch den Regen. Der Richter zitiert aus dem Bundeszentralregister-Auszug: Körperverletzung und Diebstahl – Verfahren eingestellt, gefährliche Körperverletzung – eingestellt, Hehlerei – von Verfolgung abgesehen, Körperverletzung – von Verfolgung abgesehen, vorsätzliche Brandstiftung, Fahren ohne Fahrerlaubnis, Diebstahl – alles eingestellt. Wegen Raubes, versuchter Erpressung, Körperverletzung und Diebstahls wird der junge Mann dann doch zu einer Jugendstrafe von zwei Jahren ohne Bewährung verurteilt.

Diesmal holt das Schöffengericht den Knüppel aus dem Sack. Wegen Raubes muss er ein Jahr und vier Monate ins Gefängnis. Außerdem muss er die acht Monate offene Jugendstrafe auch noch abbrummen, wenn das Urteil rechtskräftig wird.