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Mittwoch, 13.06.2007

Klockzin-Attentäter als Autodieb vor Gericht

LEIPZIG - Vor knapp 13 Jahren schoss Sven T. (34) auf den Chef-Juristen der Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft, Dr. Martin Klockzin (48). Der Anschlag gilt als blutiger Höhepunkt des mafiösen Immobilienschachers in Leipzig. Seit gestern steht der Attentäter erneut vor Gericht - diesmal wegen Autodiebstahls in großem Stil.

Im Oktober 1994 wäre Sven T. beinahe zum Killer geworden. Als Telegrammbote getarnt, klingelte er nachts an der Tür des LWB-Managers. Als Klockzin arglos öffnete, streckte ihn der Pistolero mit drei Schüssen nieder.

Der Jurist überlebte das Attentat schwer verletzt. Zwei Jahre später wurde Sven T. nach einem Geständnis wegen versuchten Mordes zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Drei Mittäter bekamen lebenslang. Gegen die Drahtzieher, zwei Immobilienhändler aus Bayern, ermittelten LKA und Justiz erst jahrelang schleppend. Dann wurden ihre Verfahren gegen Zahlung von je 2500 Euro eingestellt. Nach dem Auftauchen brisanter Geheimdienstunterlagen beschäftigt sich die Justiz jetzt erneut mit dem Fall (Morgenpost berichtete).

Auch nach seiner vorzeitigen Haftentlassung 2003 blieb Sven T. offenbar ein Berufskrimineller. In der aktuellen Anklage wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor, im Jahr 2004 am professionellen Diebstahl mehrerer Autos beteiligt gewesen zu sein. So muss sich der gelernte Dreher gemeinsam mit dem 2005 in Görlitz verurteilten Doping-Händler Pierre D. (35) unter anderem für einen dreisten Coup in einem Leipziger Ford-Autohaus verantworten. Dort verschwanden in einer Nacht gleich drei Vorführwagen im Wert von 64.000 Euro.

Im Gegensatz zum Klockzin-Verfahren gab sich Sven T. gestern völlig wortkarg. Seine Anwältin ließ er erklären, dass von ihm keine Angaben zu erwarten sind. Das Landgericht ordnete daraufhin erst einmal die psychiatrische Begutachtung des Angeklagten an. Hintergrund: Im ’96er Prozess war bei T. ein „leichter Schwachsinn“ diagnostiziert worden, der sich seinerzeit strafmildernd auswirkte.