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Freitag, 14.10.2016

Klepsch: „Plätze nicht pöbelnder Minderheit überlassen“

Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch ist für die Organisation des Bürgerfestes am Montag zuständig.

Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch hält die Verwaltung für lernfähig gegen rechts.
Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch hält die Verwaltung für lernfähig gegen rechts.

© René Meinig

Am Montag heißt es „Dresden zeig Dich“, um 17 Uhr steigt das Bürgerfest von Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP). Die Idee dazu kam ihm, nachdem am 3. Oktober die Bilder von pöbelnden Menschen auf dem Neumarkt durch die Welt gingen. Dafür kritisierte Hilbert in einem Brief an die Dresdner die Scharfmacher von Pegida deutlich. Im SZ-Interview erklärt Klepsch, welche Idee hinter dem Fest steckt, und warum möglichst viele Menschen am Montag zum Neumarkt kommen und sich ihre Stadt sozusagen zurückholen sollen.

Frau Klepsch, warum ist dieses Bürgerfest gerade jetzt notwendig und warum ist es wichtig, dorthin zu kommen?

Die Stadt organisiert ein Bürgerfest auf dem Neumarkt parallel zur Verleihung des Bürgerpreises, um an einem Dresdner Montagabend bewusst ein Zeichen zu setzen, dass unsere liberale Gesellschaft verteidigt werden muss gegen Angriffe von rechter Seite, und dass Dresden eine weltoffene und tolerante Stadt sein möchte. Die innerstädtischen Plätze dürfen nicht einer pöbelnden und hetzenden Minderheit überlassen werden, die keinen Dialog will, sondern nur Hass verbreitet. Dresden lebt als Kulturstadt, Wissenschaftsstadt und Wirtschaftsstandort seit Jahrhunderten davon, dass Menschen unterschiedlichster Nationalität und Religion hier leben oder nach Dresden kommen. Diese Menschen sollen sich sicher fühlen können.

Was genau ist geplant? Treten dort Stars auf oder wird darauf bewusst verzichtet?

Es sind lokale Bands und Chöre, die Musik machen werden. Ziel sind nicht die großen Namen, sondern das Mitwirken möglichst vieler Dresdner. Ich freue mich sehr, dass der Dresdner Schauspieler Thomas Eisen mit seiner Band spielen und der Kreuzkantor dirigieren wird. Außerdem wird es Aktionen des Spike und des TJG geben.

Es gab Kritik, die Verwaltungsspitze reagiere zu spät auf Pegida-Provokationen und verdränge möglicherweise andere Versammlungen an dem Tag.

Ich werbe dafür, gemeinsam nach vorn zu blicken und bündnisübergreifend für Toleranz, Antirassismus und Liberalität einzutreten. Auch einer Verwaltung darf Lernfähigkeit unterstellt werden. Sicher muss man über angemessene Formate und Methoden konstruktiv streiten. Es wäre jedoch fatal, wenn Demokraten sich bei dieser Frage auseinanderdividieren lassen würden. Dafür ist die Situation, die wir gerade angesichts eines europaweiten Rechtsrucks erleben, zu ernst. Ich bin Initiativen wie „Herz statt Hetze“, „WOD“, „Dresden ist bunt“, „Dresden Nazifrei“, „Neujahrsputz“ und „Postplatzkonzerte“ für ihr engagiertes Wirken in den vergangenen Monaten sehr dankbar und denke, dass die Zusammenarbeit mit der Stadt ausbaufähig ist.

Weshalb sollen normale Bürger dorthin kommen? Was ist anders als bei den Gegendemonstrationen?

Ich wünsche mir, dass viele Dresdner sich am Montag in der Innenstadt blicken lassen und ein Zeichen für ein weltoffenes Dresden setzen. Der Vorwurf von außen an unsere Stadt ist ja, dass wir bisher auf wenige Ausnahmen zu passiv waren. Zivilgesellschaftliches Engagement braucht jedoch Akteure, also Menschen, und kann von der Verwaltung nur motiviert werden. Das versuchen wir am Montag.

Weshalb nimmt bislang kein Vertreter der Stadtspitze bei Gegendemonstrationen teil? Wird sich das künftig ändern?

Für meine Person kann ich sagen, dass ich seit Herbst 2014 an zahlreichen Gegendemos teilgenommen habe, als Privatperson. Ich hoffe, wir finden in der Zukunft Wege, zu bestimmten Anlässen gemeinsame Aktionen zu verabreden.

Das Gespräch führte Andreas Weller.