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Donnerstag, 05.01.2012

Kirchenpracht zieht Diebe an

Immer wieder dringen Unbekannte in Gotteshäuser ein. Auch die Peterskirche und dasHeilige Grab in Görlitz waren schon betroffen. Doch die Sicherheit hat sich inzwischen erhöht.

Von Thomas Christmann

Ein zerbrochenes Zierglasfenster. Das ist das Ergebnis des versuchten Einbruchs in die Adamskapelle am Heiligen Grab von Montag zu Dienstag Nacht. Der Schaden: Mindestens 1.000 Euro. Gestohlen haben die Täter nichts. „Weil es nichts zu stehlen gibt“, sagt Margrit Kempgen von der Evangelischen Kulturstiftung. Die Spendenkasse würde jeden Abend geleert und doch passiere so etwas jedes Jahr. Jetzt bittet sie um Spenden, denn Vandalismus ist nicht versichert. Anders lief es dieser Tage in Schönau-Berzdorf und Gersdorf. Hier sind Diebe durch ein Fenster in die Kirchen eingedrungen und haben mehrere Jahrhunderte alte Leuchter, Kelche, Zinnkannen sowie Krüge mitgenommen.

Ereignisse, die bei Christian Bochwitz aus Görlitz Erinnerungen wecken. Der Pfarrer der evangelischen Innenstadtgemeinde musste in der Peterskirche bereits zwei Diebstähle beklagen. So kam während der Ausstellung 2006 „Gotteslob und Bürgerstolz“ ein hölzerner Engel weg. Die 40 Zentimeter große und 300 Jahre alte Figur soll damals vermutlich in einen Kinderwagen gelegt worden sein. Zwei Jahre später nahmen Diebe aus einem Wandschrank drei Stahlblech-Kassetten mit – darin Bargeld in vierstelliger Höhe. Von den Tätern fehlt bis heute jede Spur. Nach den Diebstählen in der Peterskirche hatte die Innenstadtgemeinde gehandelt. Sie schaffte sich neue Tresore an. Wie Ruth-Andrea Lammert vom Büro „Offene Kirchen“ sagt, seien die so einbruchssicher wie bei Banken. Zudem würden Führungen innerhalb der Kirchen nur noch mit Sicherheitspersonal gemacht. Weggekommen sei seitdem nichts mehr. Doch Pfarrer Christian Bochwitz ist angesichts der neuesten Vorfälle auch klar: „So etwas passiert immer wieder mal, alles lässt sich nicht sichern.“

Das zeigen auch die Zahlen des Landeskriminalamtes. Danach wurden für das erste Halbjahr 2011 sachsenweit 104 Fälle an und in Kirchen sowie kirchlichen Einrichtungen registriert. In der zweiten Jahreshälfte sollen es noch mehr gewesen sein. Allein auf die Polizeidirektion Oberlausitz-Niederschlesien fallen 20 Diebstähle – und nur acht sind wegen Buntmetalls. Doch was geschieht mit der göttlichen Beute? „Es ist nicht auszuschließen, dass Diebe solcher sakralen Gegenstände im Auftrag arbeiten“, sagt Uwe Horbaschk von der Polizeidirektion. Ein Verkauf über das Internet sei aber eher schwierig. „Hier ist der Markt sehr präsent.“

Für Thomas Koppehl, Superintendent des Kirchenkreises Niederschlesische Oberlausitz, steckt eine größere kriminelle Energie hinter derartigen Kunstrauben. „Dagegen können wir uns nur schwer schützen“, sagt er. Vorschriften seitens der Landeskirche gibt es nicht. Das wäre auch nur schwer umsetzbar, Kirchen künftig generell wie Museen anzusehen. So hätten die Gemeinden wegen sinkender Mitgliederzahlen schon genug damit zu tun, ihre Gebäude instand zu halten. Geld für die Sicherheit fehle dann in der Regel.

Nach Aussage des Verwaltungsamtes vom Kirchenkreis Niederschlesische Oberlausitz ist ein Einbruch sowieso meist sinnlos. Kollekten werden schon aus Versicherungsgründen nach dem Gottesdienst weggeschlossen, das Abendmahlsgeschirr üblicherweise nicht in Kirchen aufbewahrt. Doch Koppehl will bei der nächsten Zusammenkunft alle Pfarrer nochmals darauf hinweisen, wertvolle Gegenstände zu fotografieren und gegebenenfalls wegzuschließen. Jeder Diebstahl wiegt schließlich doppelt schwer. „Hier werden Lebensgeschichte und Heimat mit Füßen getreten“, sagt er. Doch verrückt machen lassen soll sich deswegen auch niemand. Es könne nicht Ziel sein, Kirchen dauerhaft zu schließen – als Orte der Besinnung und Begegnung.