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Dienstag, 16.01.2018

Kinderporno-Fall – Bewährungsstrafe trotz Ermittlungspanne

Als die Polizei anrückt, schafft ein 50-Jähriger Beweise beiseite. Doch seiner Verurteilung entgeht er nicht.

Von Jana Ulbrich

© dpa

Bautzen. Der Film ist lang: ein siebenjähriges Mädchen beim Oral- und Analverkehr mit einem Mann. Auf einem zwielichtigen Internetportal kann man so etwas und noch mehr finden, kann es sich auf den Computer im beschaulichen Wohnzimmer herunterladen – und bei der Gelegenheit auch gleich an andere weiterverbreiten.

Auch ein Mann aus Putzkau hat das nach Überzeugung des Bautzener Amtsgerichts getan. Spezialisten des Landeskriminalamts Baden-Württemberg kommen ihm im Februar 2016 auf die Spur. Beim Überprüfen jener strafbaren „Tauschbörse“ finden sie heraus, dass dieser Film auf seine IP-Adresse vollständig heruntergeladen und zeitgleich an sechs andere Nutzer des Portals weiterverbreitet worden ist.

Folgenschwerer Fehler

Die Kriminalisten aus Baden-Württemberg schicken ihre Ermittlungsergebnisse an die Kollegen in Görlitz. Umgehend rücken Kripobeamte zur Hausdurchsuchung nach Putzkau aus. Der Beschuldigte allerdings ist nicht zu Hause. Die Beamten treffen ihn auf seiner Arbeitsstelle an. Er könne die Arbeit nicht auf der Stelle verlassen, erklärt er.

Die Beamten glauben ihm – ein folgenschwerer Fehler, wie sich herausstellen wird. Denn während die Polizisten auf der Arbeitsstelle warten, macht sich der 50-Jährige in Windeseile nach Hause auf. Er will offensichtlich schnell noch Beweise vernichten. Die Beamten bemerken das zu spät. Als sie erneut in Putzkau eintreffen, finden sie den total verschwitzten und aufgeregten Beschuldigten. Sie finden dann auch nur noch eine unwiederbringlich zerstörte Festplatte und zerbrochene CDs. „Für uns war das eindeutig: Er wollte etwas vertuschen“, sagt einer der beteiligten Kriminalisten vor Gericht aus.

Ganz erfolglos ist die Durchsuchung aber nicht: Die Beamten finden einen USB-Stick mit anderen Kinderporno-Filmen und unter dem Teppich Zettel mit einschlägigen Internetadressen, außerdem – in dem Fall fast nebensächlich – zwei verbotene Butterfly-Messer.

Auch dafür muss sich der Putzkauer am Montag vor dem Bautzener Amtsgericht verantworten. Dass ihm der Stick und die Messer gehören, räumt er ein. Den Film aus dem Tauschportal will er aber nicht heruntergeladen und weiterverbreitet haben. Es könne doch auch ein Hacker gewesen sein, lässt er seinen Verteidiger erklären.

Für Richterin reichen die Beweise

Das aber hält der Staatsanwalt für mehr als unwahrscheinlich – auch, wenn der Film auf der zerstörten Festplatte nicht mehr zu finden ist. Er sieht die Vorwürfe alle als erwiesen an und plädiert auf eine Haftstrafe auf Bewährung. Der Verteidiger sieht das anders und fordert in diesem Punkt Freispruch aus Mangel an Beweisen.

Doch auch für die Richterin sind die vorliegenden Beweise ausreichend. Sie folgt der Staatsanwaltschaft und verurteilt den 50-Jährigen zu acht Monaten Haft, ausgesetzt zur Bewährung. Außerdem muss er 750 Euro an eine gemeinnützige Organisation zahlen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.