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Montag, 29.08.2016

Kinder schuften für Europas billige Kleider

H&M lässt Kinder bis zu 14 Stunden am Tag in Fabriken in Burma für sich arbeiten – und jetzt auch Flüchtlingskinder in der Türkei.

Von André Anwar

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H&M ist auf deutschen Straßen (hier in Berlin) allgegenwärtig – aber auch bei den Kritikern von Kinderarbeit.
H&M ist auf deutschen Straßen (hier in Berlin) allgegenwärtig – aber auch bei den Kritikern von Kinderarbeit.

Immer wieder Kinderarbeit. Die preiswerten Kleider des schwedischen Kleiderhändlers Hennes und Mauritz (H&M) haben ihren Preis. Das kommende Woche erscheinende schwedische Sachbuch „Modesklaven“ (Modeslavar, Verlag Leopard) hat bereits im Vorfeld für neue Kritik am expandierenden Modegiganten gesorgt.

Laut den Autoren Moa Kärnstrand und Tobias Andersson Akerblom arbeiteten zum Zeitpunkt der Recherche in den H&M-Zulieferfirmen in Burma zahlreiche Kinder, oft bis zu 14 Stunden am Tag.

„Fast zwei Jahre lang haben minderjährige Mädchen bis zu 14 Stunden am Tag in den dortigen Fabriken für H&M gearbeitet. Das ist gegen das burmesische Gesetz und wird laut internationaler Konvention als eine der schlimmsten Formen der Kinderarbeit klassifiziert“, sagt Andersson Akerblom dieser Zeitung.

H&M beruft sich darauf, dass es in Burma erlaubt sei, Kinder ab 14 Jahren in den auch von der Arbeitsplatzsicherheit her oft bedenklichen Fabriken arbeiten zu lassen. „Die erlaubte Altersgrenze ist 14 Jahre“, sagt Katarina Gustafsson von H&M der Zeitung Expressen. „Deshalb handelt es sich hier nicht um Kinderarbeit.“ Nur Überstunden der Kinder sind nicht erlaubt in Burma. H&M hat seine Zulieferfirmen in Burma auf die Richtigkeit der Angaben der Autoren hin untersuchen lassen. Laut den Kontrolleuren sollen tatsächlich Kinder dort arbeiten und Überstunden leisten. Sie hätten sich bei ihrer Anstellung mit falschen Ausweisen älter gemacht, als sie sind, heißt es vom Konzern.

H&M hat nun zumindest die Zusammenarbeit mit den zwei explizit in dem Buch genannten Fabriken ausgesetzt. Die bereits bestellte Ware nimmt man aber noch entgegen. „Wir haben einen Maßnahmenplan eingefordert und Neubestellungen bei diesen Lieferanten gestoppt“, so Gustafsson. „Dass Jugendliche entgegen bestehender Regeln Überstunden machen, ist nicht akzeptabel für H&M.“ Ihr Konzern bemühe sich, durch Tausende von jährlichen Kontrollen Missstände bei Zulieferern aufzudecken, unterstreicht sie.

Reaktion nur nach Enthüllungen

Alice Blondel von der schwedischen Organisation Swedenwatch kritisiert H&M dennoch wegen seiner Kontrollpolitik. „Es ist gut, dass H&M nun reagiert, aber es ist sonderbar, dass dies immer erst geschieht, nachdem ein dritter Akteur Alarm schlägt“, kritisiert sie im Buch. Auch habe sich der Konzern bislang geweigert, Swedenwatch eine konzerneigene Analyse über die Arbeitnehmersituation in Burma auszuhändigen. Angeblich wegen der Konkurrenz.

Das erst vor wenigen Jahren für ausländische Firmen geöffnete Burma ist das neue Bangladesch für die internationale Textilindustrie, die ihre Produktion immer wieder dynamisch in noch billigere Länder verlegt. Und immer wieder gerät H&M in die Kritik wegen neuen Enthüllungen zu Kinderarbeitern in seinen Zulieferfirmen. Der Konzern reagiert stets verständig darauf und gelobt Verbesserungen. Erst im Februar wurde bekannt, dass H&M und andere Firmen in der Türkei Flüchtlingskinder für sich arbeiten lassen. H&M gab dies im Fall einer Fabrik auch zu und gelobte auch dort Besserung.

Obwohl Kinderarbeit immer wieder für Kopfschütteln in der westlichen Welt sorgt, gibt es in armen Ländern wie Bangladesch die überraschend weit verbreitete gesellschaftliche Auffassung, dass es besser sei, arme Kinder in Fabriken arbeiten zu lassen, als sie zur Prostitution oder zum Betteln auf die Straße zu schicken. Auch hätten Firmen wie Hennes & Mauritz in Produktionsländern Zehntausende Arbeitsplätze gerade auch für Frauen geschaffen und viel für die Produktionsländer getan, wird unterstrichen.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 6 Kommentare

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  1. Thomas

    Das interessiert doch die Hipster-Kinder nicht, die bei H&M shoppen gehen.

  2. Martin H.

    Der Verbraucher/Konsument sieht sich eben lieber als Opfer denn als Täter. Das ist besser für die persönliche Hygiene und viel bequemer. Nach dem mündigen Bürger muss der mündige Verbraucher folgen. Ich muss nicht und werde nicht bei Ausbeutern kaufen. Der Verbraucher hat viel mehr Macht als er denkt. Er denkt bloß noch zu wenig.

  3. Joachim Herrmann

    Der Westen und nicht nur dieser, erkauft sich seinen Reichtum und sein Wohlleben aus der Armut und dem Elend der Welt.Brecht:" Wärst du nicht reich, wäre ich nicht arm!", ist das schlimmste Aneurisma, das diese Welt nicht zur Veränderung zulässt!Meine Bekannte:" Was wollen denn diese Flüchtlinge bei uns, die sollen mal zu Hause arbeiten lernen!" Es spielt heute keine Rolle mehr, besser dürfte keine Rolle spielen, ob Elend oder Krieg!Dabei bin ich nicht blauäugig- wir können nicht ALLE aufnehmen.Aber so lange sich unser Wohlstand auf der Ebene des Elends der Welt entwickeln darf?!, muss man schon Fragen stellen (dürfen!).Und, so lange sich reiche Länder aus der Verantwortung stehlen dürfen (gefördert mit Milliarden der EU!), ist diese Welt im Chaos! Immer unter dem Slogan: " Die Welt ist schön, aber nur so lange, wie sie nicht zu uns kommt!".Wer dem zustimmt, hat NICHTS, aber auch gar nichts begriffen. Besser:" Die Welt wird schön, wenn Keiner mehr zu uns kommen muss!" Der Weg das Ziel!

  4. Berg

    Tja, wenn Vater die Kalaschnikow schwingt und Mutter mit Wasserbeschaffen belastet ist, kann also nur die Kinderschar arbeiten gehen. In D arbeiten 40 Mio hochqualifizierte Erwachsene, deren Kindern werden 10 oder 12 oder 13 Jahre lang in die Schulbänke gedrückt - und haben diverse Probleme mit den Bildungsempfehlungen der Lehrerschaft.

  5. HB

    Ich bin mal ehrlich: Obwohl ich Primark ablehne, habe ich mir dennoch letztens dort mal zwei Jeans für billig Geld gekauft, mit dem Wissen im Hinterkopf, dass diese Hosen sehr wahrscheinlich unter "Extrembedingungen" produziert wurden. Natürlich hätte ich mir auch eine Markenhose von Levi's für den 10-fachen Preis kaufen können, nur 1. kommt die auch nur aus Bangladesch und 2. hält die auch nicht länger wie eine Billigjeans (ist jedenfalls meine Erfahrung). Und wenn ich annehme, dass der Einkaufspreis in Bangladesch für Primark und Levi's gleich ist, dann sehe ich es erst recht nicht ein, 100 € zu bezahlen, nur weil da "Levi's" drauf steht. Als würden die Arbeiter in Asien dadurch auch nur 1 Cent mehr in der Tasche haben (lasse mich da aber gern eines anderen belehren). Bin gern bereit, für eine Hose einen gewissen Preis zu bezahlen, wenn die Arbeiter dadurch fair entlohnt werden, nur sollte die dann länger als nur ein halbes/dreiviertel Jahr halten.

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