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Donnerstag, 31.08.2017

Kinder demonstrieren vorm Landtag

Die Familien und Lehrer der Natur- und Umweltschule protestierten am Landtag. Auf den Vorplatz durften sie nicht.

Kinder kämpfen für ihre Schule.
Kinder kämpfen für ihre Schule.

© René Meinig

Dresden. So sind die Regeln – und Ausnahmen werden auch für Grundschüler nicht gemacht. Weil am Donnerstag kein Bildungsthema auf der Tagesordnung des Landtages steht, dürfen die Kinder und Pädagogen der Natur- und Umweltschule (NUS) nicht auf dem Platz direkt vor dem Landtagsgebäude demonstrieren. Für die kleinen und großen Protestler kein Problem – ihre Rufe „NUS ist Muss“ sind auch vom Weg oberhalb des Elbufers gut zu hören.

Natur- und Umweltschule auf Exkursion

Mit Eltern, Geschwistern und Lehrern kamen die 65 Erst- bis Viertklässler von ihrer Schule am Manfred-von-Ardenne-Ring in die Altstadt, um lautstark auf ihr Problem aufmerksam zu machen: die drohende Schließung der NUS. Seit ihrer Gründung vor sechs Jahren tut sich die Sächsische Bildungsagentur (SBA) schwer mit dieser kleinen Grundschule in Hellerberge.

Von Beginn an befindet sich die NUS, die in freier Trägerschaft vom Verbund Sozialpädagogischer Projekte (VSP) betrieben wird, im Rechtsstreit mit der Bildungsagentur. Knackpunkt ist das pädagogische Konzept. Die SBA sieht im Lernen in freier Natur – der Unterricht findet vorwiegend im Wald statt – eine Gefahr für die Kinder. Kritik gibt es auch am Lehrplan, der nicht den Anforderungen der SBA entspreche. Dass die Kinder mit ihrem Waldunterricht kein Problem haben, wurde am Donnerstag vor dem Landtag deutlich. Auf kleinen Zetteln hatten die Kinder aufgeschrieben, was ihnen an der NUS besonders gut gefällt. „Die SBA sieht unsere Schule mit ganz falschen Augen“, schreibt die Schülerin Jitka. „Wir lernen nicht nur lesen, rechnen und schreiben, sondern auch Tierspuren zu lesen.“ Was die kleinen Briefe auch verraten: Die Angst ist groß, dass die Schule geschlossen wird. „Für mich ist es, als würde ich mein zweites Zuhause verlieren“, schreibt Viertklässlerin Shahi.

Wie es mit der NUS weitergeht, ist offen. Derzeit befasst sich das Oberverwaltungsgericht Bautzen mit dem Fall, fordert nun aber zunächst ein Gutachten über das pädagogische Konzept. Erst im April 2018 soll ein Urteil gefällt werden. Für die Familien und Lehrer der NUS drängt allerdings die Zeit – seit April wird die Schule nicht mehr finanziert, die Mittel von Träger und Schule sind ausgeschöpft. Ob die symbolischen Briefe in krakeliger Kinderschrift an Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU) etwas bewirken, bleibt abzuwarten.

Eine Petition zum Erhalt der Schule sammelte in nur fünf Tagen über 1700 Unterschriften.