Mittwoch, 02.01.2013

Kim Jong Un plant radikale Kehrtwende

Nordkoreas Machthaber will den Lebensstandard erhöhen und sich mit dem Süden verständigen.

Von Marc Kalpidis

Kim Jong Un pflegt einen anderen Stil und zeigt sich mehr in der Öffentlichkeit. Foto: dpa
Kim Jong Un pflegt einen anderen Stil und zeigt sich mehr in der Öffentlichkeit. Foto: dpa

Es war die erste öffentlich übertragene Neujahrsansprache eines nordkoreanischen Staatschefs seit 19 Jahren – und Kim Jong Un nutzte die Gelegenheit für überraschende Worte: Anstatt eisern am Kurs seines Vorgängers und Vaters Kim Jong Il festzuhalten, schwor er sein Volk im Staatsfernsehen auf eine „radikale Kehrtwende“ ein. Die Konfrontation mit Südkorea solle beendet und die Wirtschaft des Landes weiterentwickelt werden, lauteten gestern die beiden wichtigsten Botschaften.

„Lasst uns eine radikale Kehrtwende vollziehen und einen wirtschaftlichen Giganten schaffen“, appellierte Kim Jong Un an seine Landsleute. Wie das gehen soll? „Mit demselben Eifer und Willen zur Entschlossenheit, den wir schon bei der Eroberung des Weltraums gezeigt haben“, eine Anspielung auf den jüngsten Start einer nordkoreanischen Langstreckenrakete am 12. Dezember, die angeblich einen Satelliten ins All brachte. Der Westen befürchtet, dass das Land zur atomaren Bedrohung werden könnte.

Zurzeit sei die Wirtschaft des Landes in keinem guten Zustand, der Lebensstandard ausbaufähig, räumte Kim ein. Ob er diese Probleme mit Reformen oder einer Marktliberalisierung zu lösen gedenkt, sagte er nicht. Lediglich eine stärkere Rolle des Forschungs- und Technologiesektors werde angestrebt.

Wirtschaftliche Impulse könnte auch die Rüstungsbranche liefern. „Der Verteidigungssektor sollte mehr ausgeklügelte Militärausrüstung unserer eigenen Machart entwickeln“, empfahl Kim Jon Un. „Nur wenn wir unsere Militärmacht in jeder Hinsicht weiterentwickeln, wird das Land prosperieren und die Sicherheit und Zufriedenheit seiner Bürger steigen.“

Die TV-Ansprache lässt sich als Zeichen dafür deuten, dass Kim Jong Un eher am Kommunikationsstil seines Großvaters und Staatsgründers Kim Il Sung anknüpfen will – und weniger an dem seines Vaters, der öffentliche Auftritte möglichst vermied und seine Neujahrsbotschaften stets über die drei großen Zeitungen des Landes unters Volk bringen ließ. (dapd)

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