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Dienstag, 13.02.2018

Keine Mikroplastik in Kosmetik

Die schwedische Regierung will nicht erst auf EU-Regelungen warten. Und sie geht noch einen Schritt weiter.

Von Andre Anwar, SZ-Korrespondent in Stockholm

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Mikroplastik-Teilchen in Peelings sollen helfen, alte Hautschüppchen zu entfernen. Nach der Schönheitskur jedoch geraten sie ins Abwasser und richten in der Umwelt enormen Schaden an.
Mikroplastik-Teilchen in Peelings sollen helfen, alte Hautschüppchen zu entfernen. Nach der Schönheitskur jedoch geraten sie ins Abwasser und richten in der Umwelt enormen Schaden an.

© dpa

Wer schön sein will, muss leiden. Unglücklicherweise leidet die Umwelt bei vielen Schönheitsbehandlungen mit. In Mode sind derzeit etwa kosmetische Produkte, die kleinste Kunststoffteilchen enthalten. Sie sollen scheuernd reinigen und polieren. Doch beim Abwaschen landen die Mikroplastikteilchen in der Kanalisation und dann in Flüssen und im Meer. Fische und andere Tiere fressen die Teilchen, so gelangen sie letztlich in die Nahrungskette des Menschen. Plastikmüll wird weltweit ein immer größeres Problem.

Weil der rot-grünen Regierung in Stockholm ein sich möglicherweise anbahnendes EU-weites Verbot für Kosmetika mit Plastikteilchen zu lange dauert, hat sie im Alleingang ein Verbot erlassen. Schon ab dem 1. Juli dürfen in Schweden keine neuen Kosmetika mit Plastikteilchen in den Handel kommen. Bereits von Händlern eingekaufte Lagerbestände dürfen noch bis Ende 2018 verkauft werden. Dazu zählen etwa entsprechende Zahnpasta-Sorten, Gesichts- und Körpercremes, Rasierschaum, Haarshampoo, Duschgels, Seife und Reinigungsmittel, die abgewaschen oder aus dem Mund ausgespült ins Wasser gelangen. „Es ist Wahnsinn, Produkte mit Plastikteilchen anzureichern, unabhängig davon, um welche Produkte es geht. Wir wissen, dass Kläranlagen sie nicht ausfiltern können und dass sie deshalb im Meer landen“, begründet die grüne Umweltministerin Karolina Skog. Es gebe natürliche Ersatzmaterialien, die Produzenten statt Mikroplastik benutzen könnten, unterstreicht sie. Mikroplastik sei „völlig unnötig“. Zu Mikroplastik zählen alle Kunststoffteilchen, die kleiner als fünf Millimeter sind.

Gerade weil sie so klein sind, von Meereslebewesen aufgenommen werden und dadurch in die Nahrungskette gelangen können, sind Mikroplastikteilchen so umstritten. Sämtliche Organismen im Meer nehmen Mikroplastik auf. Der Stoff wurde schon in Muscheln, Würmern, Fischen, Seevögeln und sogar Plankton nachgewiesen, laut einer Studie der Umweltschutzorganisation BUND. Eine Studie vom Umweltbundesamt von 2016 kommt zum Ergebnis, dass vom Menschen aufgenommenes Mikroplastik, die Zellfunktion stören.

Allerdings bildet Mikroplastik aus Kosmetik mengenmäßig nur einen sehr geringen Anteil an der weltweiten Verunreinigung der Gewässer. Deshalb untersucht Schwedens Chemikalienbehörde bis zum 31. März, ob weitere Produkte von einem Verbot erfasst werden sollten. Eine sehr große Quelle für Mikroplastikmüll ist laut schwedischem Naturschutzamt der Fahrzeugverkehr, hier vor allem die Gummipartikeln von Reifen. In Schweden entstehen so jährlich 7 674 Tonnen Mikroplastik. Eine weitere große Quelle sind Kunstgrasflächen. Stockholm prüft derzeit, inwieweit diese reduziert werden können. Zudem bewilligt die Regierung zusätzliche 17 Millionen Kronen (1,75 Millionen Euro) pro Jahr für die westschwedische Küstenregion Bohuslän, wo aufgrund der Strömungen besonders viel Müll aus dem gesamten Nordatlantik angeschwemmt wird. 85 Prozent davon besteht aus Plastik, so eine Studie von der Stiftung „Haltet Schweden sauber“. Mehrere Länder haben Mikroplastik in Hygieneprodukten bereits verboten, so etwa Großbritannien und Kanada. Pläne für Verbote gibt es bereits weltweit.

Leser-Kommentare

Insgesamt 2 Kommentare

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  1. Rudi

    Auch hier sollte D zeitnah ein Zeichen setzen!

  2. Hochländer

    Dieses Problem mit der Mikroplastik ist seit langem bekannt. Warum spielt Deutschland bei der Verhinderung von hausgemachten schädlichen Umwelteinflüssen immer eine negative Rolle? Ich denke da an den Dieselskandal, an Glyphosat und jetzt an die Mikroplastik. So ein starkes und technologisch führendes Land ist doch in Lage, auch ohne diese Umweltgifte auszukommen. Hier spielt aber sicher der Gewinn der Unternehmen die größte Rolle. Leider bleibt da die Gesundheit der Bevölkerung auf der Strecke. Auf die Regierung zu hoffen, die so etwas im Ansatz verhindert, bleibt wohl ein frommer Wunsch.

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