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Donnerstag, 05.10.2017

Keine Chance für Milbe Hilde

35 Asthmaschulungen hat der Coswiger Kinderarzt Bernhard Lüders schon veranstaltet. Damit betroffene Kinder und ihre Eltern besser leben können.

Von Ines Scholze-Luft

Darauf kommt’s an. Bei der Asthmaschulung Luftikurs – einer der wenigen in der Region – in seiner Praxis demonstriert der Coswiger Kinderarzt Bernhard Lüders, wie ein Notfallmedikament wirkt – anhand eines Bronchien-Querschnitts. Der nächste Kurs beginnt im Januar 2018.
Darauf kommt’s an. Bei der Asthmaschulung Luftikurs – einer der wenigen in der Region – in seiner Praxis demonstriert der Coswiger Kinderarzt Bernhard Lüders, wie ein Notfallmedikament wirkt – anhand eines Bronchien-Querschnitts. Der nächste Kurs beginnt im Januar 2018.

© Norbert Millauer

Coswig. Seit der ersten Schulung zwei Wochen zuvor hat seine Tochter die Tasche mit dem Asthma-Notfallspray immer bei sich, sagt Matthias Hor. Besser lasse sich der Erfolg der Asthmaschulung bei Kinderarzt Dr. Bernhard Lüders nicht verdeutlichen.

Matthias Hor ist regelrecht begeistert von dem Kurs, zu dem er an diesem Freitagnachmittag gemeinsam mit Frau und Tochter nach Coswig gekommen ist. Weil der Meißner hier nicht nur erfährt, was im Fall der Fälle zu tun ist, wenn seiner neunjährigen Tochter wieder mal die Luft weg bleibt. Sondern weil die Familie gemeinsam lernt vorzubeugen.

Die Diagnose Asthma bronchiale – für Hors erst mal ein Schock. Über zehn Prozent aller Schulkinder leiden an der chronisch-entzündlichen Atemwegserkrankung. Die Auslöser: Hausstaub, Tierhaare, Abgase, Pollen, Schimmelpilze, Stress, Infekte, Ausdauerbelastung – fast der gesamte Alltag. Damit verbundene Probleme betreffen die ganze Familie. Vom Kampf gegen die Hausstaubmilbe bis zum Notfallmanagement.

Der Luftikurs bei Bernhard Lüders als wohnortnahe Schulung für asthmakranke Kinder und ihre Familien soll dem abhelfen. Betroffene können ins sogenannte DMP-Programm ihrer Krankenkasse aufgenommen werden. Die trägt dann die Kosten für den ambulanten Kurs, wie der Arzt ihn drei- bis viermal im Jahr anbietet – 35 seit 2008, mit 320 Kindern und deren Eltern. Dort erhalten sie das Handwerkszeug, um souveräner, gelassener mit der Krankheit umzugehen. Für Matthias Hor keine Frage, dass das Kosten-Nutzen-Verhältnis deutlich zugunsten der Schulung ausfällt. Schon deshalb, weil so Rettungswagen-Einsätze vermieden und Sprechstunden beim Kinderarzt entlastet werden können.

Denn auf die vielen Fragen, die sich tagtäglich für Betroffene ergeben, finden sich im Luftikurs Antworten. Durch ein ganzes Team mit Arzt, Schwester, Krankengymnastin. Und Psychologin Angela Gröber, die auch den Eltern die Angst vor der Krankheit nehmen will. An der Teamspitze: Der Pneumologe Bernhard Lüders, der als einer der wenigen in der Region ein solches Angebot offeriert. Auch das Team der Uniklinik organisiert in der Praxis Nemat im Kinderzentrum Dresden regelmäßig Kurse. Ansonsten finden Patienten erst wieder in Leipzig oder Chemnitz Expertenhilfe.

So weit muss Familie Hor nicht fahren. Sie holt sich an zwei Wochenenden ganz in der Nähe Unterstützung. Und trennt sich da auch mal kurzzeitig. Ärztin Kristin Steglich, ebenfalls in der Praxis tätig, hat Erwachsene und ältere Kinder zum Thema Sport versammelt. Für Hors besonders wichtig. Ist ihre Tochter doch Speedskaterin. Da gibt es manches, das über den Sportunterricht hinausgeht. Dass Sporttreiben die Lungenfunktion verbessern kann, ist nachgewiesen. Doch was tut ein Asthmatiker, wenn dabei Beschwerden auftreten?

Ein Lied für den Feind

Ist Wintersport hilfreich?, will eine Mutter wissen. Ja, über 1 500 Meter gibt es keine Hausstaubmilbe – was alle freut. Ist das Tierchen doch ihr erklärter Feind. Und trotzdem oder gerade deshalb haben die an Asthma Erkrankten ein Lied für die Winzlinge. Das sie gemeinsam mit Bernhard Lüders und den Helfern singen. Über die Hausstaubmilbe Hilde – von Gitta Brockmann aus Osnabrück, aus den Urkreisen der Asthmaschulung – , eingängig in Ton und Wort. Da merken sich auch die Kinder schnell, dass der Teddy vorm Waschen ins Kühlfach muss.

Und sie lernen noch viel mehr. Den Peak-Flow-Meter richtig zu benutzen. Das Gerät, das den Luftstrom zu Ausatmungsbeginn misst. Damit lassen sich Verschlechterungen der Lungenfunktion schnell erkennen. Die Mädchen und Jungen lernen, bewusster wahrzunehmen, wie ihr Körper reagiert, wie sie ihm helfen können. Und finden dabei schon mal neue Freunde, wie Vater Hor erzählt. Die Eltern nutzen ebenfalls die günstige Gelegenheit, um sich auszutauschen.

Mit ihren Leidensgenossen liegt die Tochter von Matthias Hor gerade auf der Sportmatte vor Physiotherapeutin Simone Eichler. Linkes Bein überm rechten. Die linke Seite wird gedehnt. Sie fühlt sich größer an, sagt ein Mädchen. Gut für die Lunge, sie kann leichter atmen, erklärt Simone Eichler. Dehnlagerung bringt Entspannung, für Körper und Seele, gegen den Stress. Da helfen Torwartstellung, Kutschersitz, Hängebauchlage – all das üben die Kinder unter den wachsamen Augen von Physiotherapeutin, Arzthelferin Diemut Schütze und Schwester Susanne Bittner.

Und weil Pausen und gutes Essen zum Entspannen beitragen, steht auch das im Kursprogramm. Als Beispiel für einen Lebensrhythmus, der der Krankheit viel von ihrem Schrecken nehmen kann.

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