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Keine Angst vorm Online-Handel

Seit 20 Jahren gibt es das Atrium auf der Bautzener Reichenstraße. Der Inhaber setzt auf ein besonderes Rezept.

21.10.2016
Von Sebastian Kositz

st vorm Online-Handel
Mit einem kleinen Jeansgeschäft an der Steinstraße hat er angefangen, inzwischen gehören dem Bautzener Martin Stehr in der Lausitz insgesamt sechs Modeläden. Dazu zählt auch das Bautzener Atrium mit dem sehenswerten Kellergewölbe.

© Uwe Soeder

Bautzen. Glücksgefühle, glücklich sein. Mehrfach fallen diese Worte, wenn Martin Stehr erklärt, was die Läden in einer Innenstadt so besonders machen. Beim Einkaufen ein Käffchen trinken, ein Schwätzchen halten, später in der Altstadt noch Essen gehen – das Erlebnis bietet der Online-Handel nicht, sagt der Bautzener. Glück, das ist für Martin Stehr aber auch das, was er in den vergangenen beiden Jahrzehnten aufgebaut hat. Der 47-Jährige betreibt in Bautzen und in der Region sechs Jeansgeschäfte. Mit viel Überzeugung und Liebe zum Detail.

Begonnen hatte einst alles auf der Steinstraße. Nach kurzer Zeit im Westen, wo Martin Stehr in einem Jeansunternehmen gearbeitet hat, kehrte er 1991 wieder in seine Heimatstadt zurück. Dort eröffnete er kurze Zeit später an der Steinstraße 18 seinen eigenen Jeans-Laden –  das S 18: „Die Leute hatten einen riesigen Nachholbedarf und wir alle wichtigen Marken“, sagt er.

Aufwendige Sanierung

Das Geschäft lief gut, bald reichte der Platz nicht mehr aus. Und der junge Unternehmer hatte ohnehin schon länger auf die Reichenstraße geschielt. „Das war bereits zu DDR-Zeiten nicht nur Bautzens erste Einkaufsstraße, sondern die der gesamten Oberlausitz“, sagt Martin Stehr.

Mitte der 1990er Jahre war es jedoch nicht einfach, dort einen freien Laden zu bekommen. Also nahm der damals 23-Jährige einen Kredit auf und kaufte 1995 das ruinöse Gebäude, in dem er nur ein Jahr später das Atrium eröffnete. Er ließ das 500 Jahre alte Haus aufwendig sanieren, den Innenhof mit einem gläsernen Dach überspannen. Eine alte Tür hat er detailliert herrichten, die im Keller vorgefundene historische Bierbänke ins Interieur integrieren lassen. Genau diese Details, so sagt Martin Stehr, gehören neben der individuellen Beratung mit zum gelungenen Einkaufserlebnis. Das Geschäft an der Steinstraße hatte er bald dichtgemacht, stattdessen aber anderswo neue S 18-Filialen eröffnet: erst in Zittau und Cottbus, später im Kornmarkt-Center, in Görlitz, und Hoyerswerda. Heute beschäftigt er insgesamt 27 Mitarbeiter.

Verlängerte Öffnungszeiten helfen

Die Konkurrenz durch den Online-Handel, aber auch durch die riesigen Einkaufszentren, geht indes auch nicht an seinem Unternehmen vorbei. „Da ist etwas losgetreten worden, was man eigentlich nicht mehr aufhalten kann“, meint Martin Stehr. Für den Einzelhandel bleibe daher nur die Strategie, auf die eigenen Stärken zu setzen, richtig anzupacken und kreativ zu sein – und eben jene Einkaufserlebnisse und die damit verbundenen Glücksgefühle zu schaffen. So erklärt er sich auch die große Stammkundschaft, die er über die Jahre gewinnen konnte. Wichtig sei zudem, das eigene Personal regelmäßig zu schulen, damit jederzeit eine gute Beratung garantiert ist. „Wir müssen es hinbekommen, dass die Menschen wieder gern zum Einkaufen in die Bautzener Innenstadt gehen“, fordert Martin Stehr. Die verlängerten Öffnungszeiten am Sonnabend auf der Reichenstraße seien ein Beitrag. Mit Blick auf den Online-Handel hat der Bautzener übrigens eine einfache Devise parat: „All das, was es in der Stadt und in der Region in den Läden gibt, kann man dort auch kaufen – und so den Handel vor Ort stärken.“

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