erweiterte Suche
Samstag, 16.07.2016

Kein Radweg für Bloaschütz

Seit Jahren kämpfen die Anwohner für mehr Sicherheit an der Straße. Das Bauvorhaben droht jedoch zu scheitern.

Von Madeleine Arndt

Mit dem Fahrrad durch Bloaschütz zu fahren, ist kreuzgefährlich. Vor allem, wenn man sich die Straße mit Schwerlastern teilen muss. SZ-Redakteurin Madeleine Arndt hat die Strecke getestet – und anschließend für den Rückweg in die Innenstadt lieber einen holprigen Feldweg gewählt.
Mit dem Fahrrad durch Bloaschütz zu fahren, ist kreuzgefährlich. Vor allem, wenn man sich die Straße mit Schwerlastern teilen muss. SZ-Redakteurin Madeleine Arndt hat die Strecke getestet – und anschließend für den Rückweg in die Innenstadt lieber einen holprigen Feldweg gewählt.

© Uwe Soeder

Bautzen. Der Blick schweift nach rechts und links, dann huscht Ulrike Grazjalna über die Straße zum alten Bushäuschen. Die 22-jährige Studentin ist zu Besuch in Bloaschütz. An der Hauptstraße, der Staatsstraße 100, die den Ort teilt, gibt es weder Fuß- und Radweg. „Das Stück ist nicht gerade ohne, vor allem, wenn die Lkw hier langbrettern.“ Das sind nicht wenige, da die Straße zum Industriegebiet Salzenforst führt. Ulrike Grazjalna weiß zu gut, wie es in ihrer Schulzeit war, wenn sie mit dem Rad von Bloaschütz nach Bautzen wollte. Nur ein kleines Stückchen Radweg beginnt außerhalb des Ortes und bricht gleich an der Staatsstraße 106 ab, die zum Kreisel in Dreistern führt. Wer hier mit dem Fahrrad nach Bautzen weiterfährt, braucht ganz starke Nerven. Vor einem halben Jahr sah es so aus, als ob der Nervenkitzel in Bloaschütz bald ein Ende hat. Doch nun ist ein Radweg für den Ort in weite Ferne gerückt.

Die Planung und Finanzierung steht. Jedoch konnte der notwendige Grunderwerb nicht vollständig vollzogen werden, wie André Wucht mitteilt. „Damit besteht kein Baurecht“, erklärt der Sprecher der Stadt Bautzen weiter. Das Problem ist, dass ein Eigentümer wenige noch benötigte Quadratmeter Acker partout nicht verkaufen will. Das gesamte Bauprojekt ist damit zum Scheitern verurteilt.

Dabei sah alles im vergangenen Herbst so vielversprechend aus. Damals hatte ein Löbauer Ingenieurbüro die Pläne für den Wegeausbau in Bloaschütz vorgestellt. Entlang der Wohnhäuser sollte die Hälfte der Fahrbahn in einen gemeinsamen Geh- und Radweg umgestaltet werden. An der Seite zum Feld hin sollte die Straße verbreitert werden, eine neue Fahrbahn würde dort angesetzt. Auf Höhe der Bushaltestelle ist außerdem eine Querungsinsel geplant.

Planungen vorangeschritten

Auch für die Straßenabschnitte außerhalb des Ortes sind die Planungen vorangeschritten. Hier ist das Land Sachsen zuständig, dass Bloaschütz endlich an das Radwegenetz angeschlossen wird. Auf dem Abschnitt der Staatsstraße 100, ab dem Autobahnzubringer (S 106) bis zum Ortseingang Bloaschütz sowie ab dem Ortsausgang bis zur Kreuzung der Staatsstraße 107 soll auf der rechten Seite ein Radweg entstehen. Die Baukosten für die gesamte Maßnahme – inner- und außerorts – belaufen sich auf etwa 400 000 Euro, teilt Isabel Siebert vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr mit. „Wir befinden uns in der Genehmigungsplanung. Nach dem gegenwärtigen Stand der Planung ist davon auszugehen, dass Anfang nächsten Jahres das Baurecht hergestellt werden kann“, sagt Siebert.

Die Stadt will unterdessen weiter mit dem Eigentümer verhandeln, um ihm doch noch zum Verkauf der Fläche zu bewegen, heißt es aus dem Bautzener Rathaus. Alternativ könne man über ein Planfeststellungsverfahren den Eigentümer zur Abgabe des Grundstücks zwingen. So ein Verfahren sei aber nicht in absehbaren Zeiträumen zum Abschluss zu bringen, räumt Stadtsprecher Wucht ein.

Damit steht und fällt das Bauvorhaben mit den Verhandlungskünsten des Bautzener Oberbürgermeisters Alexander Ahrens (parteilos). Auf ihn setzt der Salzenforster Ortsvorsteher Manfred Kieschnik (CDU) seine letzte Hoffnung. Seit Jahren kämpft Bloaschütz um einen Gehsteig und Radweg. „Der ist sehr wichtig“, betont Kieschnik. „Es gibt hier allerhand Kinder.“ Aber auch für die Erwachsenen wäre der Weg ein Gewinn. Viele Leute, die im Industriegebiet Salzenforst arbeiten, kommen mit dem Bus. Ob mit dem Rad oder ab der Bushaltestelle in Bloaschütz zu Fuß – alle müssen derzeit auf der stark befahrenen Straße entlang. „Die Ortsdurchfahrt muss entschärft werden“, fordert der Ortsvorsteher. Viele Autofahrer nehmen keine Rücksicht und brausen mit hoher Geschwindigkeit durch. 120 Stundenkilometer seien einmal gemessen worden, gibt Kieschnik ein lebensgefährliches Beispiel.