erweiterte Suche
Dienstag, 13.02.2018

Kein Herz für Bäume?

Pflanzflächen sind rar. Die Kommune tut sich schwer damit, ein Areal auszuweisen. Erst recht nach dem Orkan „Friederike“.

Von Heike Heisig

Andernorts ist es kein Problem, Flächen auszuweisen, auf denen „Gedenkbäume“ gepflanzt werden können. Sowohl in Striegistal als auch in Roßwein kommen jedes Jahr um die 50 Bäume für die Neugeborenen der Orte in die Erde – sogenannte Stammbäume. In Leisnig geht es schon jahrelang hin und her, ob es ein Areal für Gedenk- oder Bäume geben soll, die jemand anlässlich seines Geburtstages, der Jubelkonfirmation oder aus anderem Grund pflanzen will.
Andernorts ist es kein Problem, Flächen auszuweisen, auf denen „Gedenkbäume“ gepflanzt werden können. Sowohl in Striegistal als auch in Roßwein kommen jedes Jahr um die 50 Bäume für die Neugeborenen der Orte in die Erde – sogenannte Stammbäume. In Leisnig geht es schon jahrelang hin und her, ob es ein Areal für Gedenk- oder Bäume geben soll, die jemand anlässlich seines Geburtstages, der Jubelkonfirmation oder aus anderem Grund pflanzen will.

© Dietmar Thomas

Leisnig. Die Stadt Leisnig scheint in der Zwickmühle zu sein. Seit Jahren fordert Uwe Reichel die Verwaltung auf, eine Fläche für Baumpflanzungen auszuweisen. Der Chef des Heimatvereins arbeitet selbst in der Gruppe Baumfreunde mit, ist Mitglied der Leisniger Baumschutzkommission und überdies als berufener Bürger im Technischen Ausschuss tätig. Dort spricht er das Thema in schöner Regelmäßigkeit an. Doch bis jetzt hat sich wenig getan. Immer wieder wurden Interessierten nur Einzelstandorte zugewiesen. Zuletzt hat der Heimatverein einen Luthergedenkbaum in Fischendorf nahe der Fußgängerbrücke gepflanzt. Im zurückliegenden Technischen Ausschuss hat Bürgermeister Tobias Goth (CDU) nun aber eine Fläche vorgestellt, die für Baumpflanzungen in etwas größerem Stil infrage kommt.

Dabei handelt es sich um ein rund 8 500  Quadratmeter großes Gelände unterhalb der Firma Autodienst Leisnig am Donnerberg. Das Areal gehört Goth zufolge noch der Leisniger Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft (LWVG). Mit deren Geschäftsführerin sei zu klären, ob sich die Gesellschaft einen Verkauf für 6 000 Euro vorstellen könne. „Nach Rücksprache mit der Geschäftsführerin und den Aufsichtsräten müssten wir nochmal über die Flächen diskutieren und entscheiden, ob uns das die Sache wert ist“, sagte Goth.

Matthias Voigtländer (CDU) wollte wissen, ob nicht die Fläche auf der Muldenwiese, auf der bis nach der Wende die ehemalige Aktienmühle gestanden hat, für solche Art Bepflanzungen genutzt werden kann. Die wäre schon im Besitz der Kommune, müsste also nicht erst gekauft werden. Überdies sei sie überschaubar, sogar von Burg Mildenstein aus gut einzusehen.

Bauamtsleiter Thomas Schröder will das einmal mit der Landestalsperrenverwaltung besprechen. Große Hoffnungen auf dieses Gelände weckte er aber nicht. Es sei unmittelbar an der Mulde gelegen auch Überflutungsfläche im Hochwasserfall.

„Gibt es denn überhaupt Interesse an solch einer Pflanzwiese?“, wollte Hans-Hermann Schleußner (Freie Wähler) wissen. Er denke da auch mal Stück weiter und beispielsweise an die Verantwortung, die damit verbunden ist. Er sprach den Wildfraß an, für den Vorkehrungen zu treffen sind. Außerdem gehe es ihm um die weitere Pflege der Bäume. „Die Kosten sollten nicht an der Kommune hängenbleiben und auch nicht die Pflege“, findet Schleußner. Nach dem Orkan „Friederike“ sei außerdem ersichtlich geworden, wie viel Aufwand nötig sei und welche Schäden entstehen könnten.

Ausschmussmitglied Brigitte Schreier findet, dass gerade unter diesem Gesichtspunkt im Vorfeld darüber nachgedacht werden sollte, wie die Fläche bezeichnet wird. „Soll es ein parkähnliches Gelände sein, steckt mehr Pflege drin als bei einem ausgewiesenen Waldstück“, so die Erfahrung der langjährigen Stadtgärtnerin.

Uwe Reichel gab an, dass es durchaus Interessenten gibt, die aus Anlass einer Geburt oder eines hohen Geburtstages Bäume pflanzen möchten, aber selbst nicht die Fläche dafür haben. „Ihnen sollte das auch ermöglicht werden“, findet Reichel nach wie vor. Er könnte sich vorstellen, den Interessierten zum Beispiel einen Verbissschutz zu empfehlen, den die Leute dann auch selbst bezahlen.