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Mittwoch, 24.08.2011

Keimtest fürs Trinkwasser verteuert Miete

Vermieter müssen künftig die Wasserqualität regelmäßig prüfen lassen. Doch das hat seinen Preis.

Von Matthias Weigel und Ines Klein

Mieter müssen sich ab November auf steigende Betriebskosten einstellen. Dann tritt die neue Trinkwasserverordnung in Kraft. Wichtigste Änderung: Anlagen zur Trinkwassererwärmung, aus denen Wasser zum Duschen genommen wird, müssen künftig auf Legionellen untersucht werden. Denn der Sprühnebel kann dazu beitragen, die gefährlichen Bakterien zu übertragen. Das gilt für öffentliche oder gewerbliche Anlagen mit 400 Litern und mehr. Betroffen sind fast alle Vermieter – nicht aber Eigenheimbesitzer.

Die Beprobung kostet Geld – und diese Mehrausgaben können auf die Nebenkosten umgelegt werden. Bis zu 20 Euro, so hieß es aus Fachkreisen, könne das im Jahr pro Wohnung ausmachen – je nachdem, wie viele Mietparteien an der Station hängen. Die Gemeinnützige Wohnungsgenossenschaft Freital mit vielen kleinen Mietshäusern trifft es demnach voll. Jede der infrage kommenden Anlagen musste laut Vorstand Victor Faust bereits ans Gesundheitsamt in Dipps gemeldet werden. Ein Jahr Zeit für die Umsetzung hat der Gesetzgeber gelassen.

Die neuen Regeln bedeuten vor allem eins: Aufwand. Entnahme in Wohnungen und Kellern, Beprobung in zertifizierten Laboren, Information an die Mieter und gegebenenfalls Auswertung mit den Herstellern oder Wärmelieferanten, in der Regel die Stadtwerke. „Wir wollen versuchen, uns mit den anderen Freitaler Großvermietern zusammenzutun und das Labor-Paket so preiswert wie möglich einzukaufen“, sagt Faust. Dennoch lassen die Freitaler Vermieter keinen Zweifel: Die Kosten werden durchgereicht.

In öffentlichen Einrichtungen, wie Schulen oder Schwimmbädern, sind die Proben bereits seit Jahren Pflicht. Vielmals werden Warmwasseranlagen vorsorglich nachts kurz auf über 60 Grad gefahren, um die Bakterien abzutöten. Längst passiert das auch bei den meisten Vermietern, schon allein aus den allgemeinen Hygienevorschriften. Das Gefahren-Potenzial ist hier also überschaubar. Auch für Privatleute eine effektive Methode, um das Legionellen-Risiko zu minimieren.

Weitere Mehrausgaben drohen

Für die Gesundheitsämter bedeutet die neue Trinkwasserverordnung vor allem mehr Arbeit. Die Proben werden zwar durch zertifizierte Labore entnommen und untersucht. Die Ergebnisse müssen aber an die Gesundheitsämter gemeldet und dort auch ausgewertet werden. Das geschieht in der Regel einmal im Jahr, sagt die Pirnaer Amtsärztin Cornelia Mix. Wird in drei aufeinander folgenden Jahren keine Belastung mit Legionellen gefunden, kann der Testzeitraum verlängert werden.

Wie viel Wasser entnommen werden muss und in welchen Gefäßen, das entscheiden die Labore. Offen ist allerdings noch, wie die Gesundheitsämter kontrollieren können, dass die Beprobung auch tatsächlich stattgefunden hat. „Da die Änderung der Trinkwasserverordnung erst im November 2011 in Kraft treten soll, ist die praktische Umsetzung noch in der Diskussion“, sagt Amtsärztin Mix.

Mietern drohen unterdessen neue Mehrausgaben: So sollen bald Rauchmelder Pflicht werden. Nötig sind mindestens drei Stück je Wohnung. Während Vermieter für die Anschaffung aufkommen, zahlen Mieter für die Wartung. Neun Bundesländer haben die Verordnung schon – Sachsen überlegt noch.