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Dienstag, 01.12.2015

Katze mit Luftgewehr beschossen

Das lebensbedrohliche Diabolo steckt nur wenige Zentimeter neben dem Herzen des Katers. Sein Frauchen verzichtet aber trotzdem auf die OP.

Von Holger Gutte

Kater Loui geht es schon wieder besser. Vom Tierarzt ist die Einschusswunde frei rasiert worden.
Kater Loui geht es schon wieder besser. Vom Tierarzt ist die Einschusswunde frei rasiert worden.

© privat

Großschönau. Von weitem sieht man Loui seine schwere Verletzung nicht an. Der eineinhalbjährige Kater streift durch den Garten hinterm Haus am Wiesenweg in Großschönau, als wäre nichts geschehen. Dabei kann sein Frauchen nur hoffen, dass er mit der Schusswunde leben kann. Am 14. November sah es eher nicht danach aus. „Ich war unterwegs, als meine Mutti mir eine SMS schickte, dass unsere Katze humpelt“, erzählt Ines Kluge. Zuerst dachte die 29-jährige Großschönauerin, dass er sich vielleicht etwas ausgekugelt hat. Ihr rot getigerter Kater Loui schien Schmerzen zu haben. Er ließ sich nicht anfassen – geschweige denn streicheln. „Die Einschusswunde haben wir erst gar nicht gesehen“, sagt Ines Kluge. Sie und ihre Eltern dachten eher an einen Biss. Aber da hätte Loui mindestens zwei Löcher in seinem Fell haben müssen.

Beim Tierarzt gibt es dann aber keinen Zweifel mehr. „Das sieht aus, als wenn die Katze angeschossen worden wäre“, vermutet der Arzt, gleich als er sich Loui ansieht. Auch der Onkel von Ines Kluge ist sich sofort sicher, dass die Wunde von einem Diabolo-Einschuss durch ein Luftgewehr oder einer anderen Luftdruckwaffe stammt. Er ist im Schützenverein und kann das deshalb gut einschätzen. Ines Kluge kann sich nicht vorstellen, wer so was macht und auf ein wehrloses Tier schießt.

Beim Tierarzt wird die Wunde erst einmal ausrasiert. Loui bekommt Schmerzmittel und Antibiotika. Danach geht es ihm etwas besser. Ein paar Tage später wird der Kater geröntgt. Nun ist es Gewissheit. Auf Loui wurde geschossen. Das Diabolo in ihm kann man auf dem Bild gut sehen. Und es ist ein großes Problem für den jungen Kater. Es steckt kurz vor seinem Herzen.

Ines Kluge ist mit dem Röntgenbild zu mehreren Tierärzten gegangen. Alle sagen das Gleiche. „Die Wahrscheinlichkeit, dass Loui eine Operation so nah am Herzen nicht überlebt, ist wesentlich höher, als durch den Fremdkörper in sich zu sterben.“ Aber auch das ist eben nicht auszuschließen. Ines Kluge will deshalb Loui nicht operieren lassen.

„Im Augenblick merkt man ihm gar nichts an“, sagt sie. Der Kater lässt sich wieder streicheln und ist gegenüber Bekannten überhaupt nicht scheu. Er zeigt keine Angst vor irgendetwas, geht nicht zu Fremden und auch weiterhin raus in den Garten und darüber hinaus. Die 29-Jährige hat auch im Internet viel über solche Verletzungen gelesen. Dort steht, dass manche Katzen damit leben konnten. Manchmal verkapseln sich solche Fremdkörper in einem Tier. Die Großschönauerin hofft, dass ihr Loui Glück hat und es auch bei ihm so wird.

Kluges haben sofort eine Anzeige gegen Unbekannt bei der Polizei gestellt. Auch nach zwei Wochen weiß die Familie noch nicht, wer auf Loui geschossen hat. Der Schütze scheint relativ nah an der Katze gewesen zu sein. Es könnte aber auch ein aufgerüstetes Gewehr gewesen sein, mit dem man etwas weiter gezielt schießen kann, vermutet die Großschönauerin. Unabhängig von der Polizei hat sich die Familie in der Nachbarschaft umgehört. Aber niemand hat einen Luftgewehrschützen gesehen. „Auf unserer Straße gibt es mindestens zehn Katzen. Einer anderen Katze ist aber nichts passiert“, erzählt Ines Kluge. Und auch bei Rainer Milde, Großschönaus zuständigem Sachgebietsleiter, ist kein derartiger Vorfall gemeldet worden.