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Kaputte Straßen an der Stadtgrenze

Ausbaupläne für Meißner und Mittlere Bergstraße kommen nicht voran. Anwohner sind auch anderswo genervt.

07.10.2017
Von Nina Schirmer

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traßen an der Stadtgrenze
Die Engstelle stadtauswärts kurz vorm Löma-Center sollte schon vor Jahren saniert werden. Damals fehlten die Fördergelder. Die sind jetzt zwar da, aber die Stadt muss nun auch andere Baustellen berücksichtigen.

© Norbert Millauer

Radebeul. Eine große, weiße 20 steht auf dem Kynastweg oberhalb der Mittleren Bergstraße in Zitzschewig. Anwohner haben die Zahl auf den Asphalt gesprüht, in der Hoffnung, dass sie einige Autofahrer zum Bremsen bringt. Früher als Feldweg von den Winzern genutzt, ist die Straße heute eine beliebte Abkürzung nach Friedewald – verstärkt noch, seit die Kottenleite gesperrt ist. Selbst Laster fahren durch die schmale Straße im Wohngebiet, sagt ein Anwohner. Und würden dann regelmäßig am oberen Ende des Weges, wo er nicht mal mehr zwei Meter breit ist, nicht weiter kommen. Die einen müssen also im Schneckentempo rückwärts rollen, andere rasen vorwärts zu schnell durch. Die Anwohner sind gefrustet.

Das sei aber nur eines der Straßenprobleme in Zitzschewig, findet der Mann. Auch der Zustand der Mittleren Bergstraße verärgert ihn. „In Coswig ist alles ordentlich mit Gehwegen und dann kommt man in die Millionärsstadt Radebeul und da ist nichts.“ Seit Jahren ist die Holperpiste im Gespräch. Und seit Jahren tut sich nichts. Obwohl die Stadt schon 2009 einen Baubeschluss gefasst hatte.

Auf Nachfrage der SZ teilt die Verwaltung mit, dass in der Mittelfristplanung für 2018 und 2019 jeweils Ausgaben in Höhe von 150 000 Euro für den Straßenbau mit möglichst durchgängigen Gehwegen eingestellt sind. Dazu liefen im Moment Planungsvorbereitungen, einschließlich Baugrunduntersuchungen und Vermessungen. Die Stadt prüfe verschiedene bauzeitliche Varianten mit unterschiedlichen Bauabschnitten, heißt es.

Bisher wurde der Ausbau aus Kostengründen immer verschoben. Auch das jetzt eingeplante Geld wird nicht für den gesamten Abschnitt von der Gerhart-Hauptmann-Straße bis zur Stadtgrenze Coswig reichen. Schon 2009 wurden Kosten von über einer halben Million Euro geschätzt.

Wenn die Stadt bauen will, muss sie vor allem die Baustellen in der Umgebung berücksichtigen. Da ist zum einen die Meißner Straße, die in Zitzschewig ebenfalls saniert werden soll. Nach langer Wartezeit hat die Stadt vor ein paar Wochen die Fördermittelzusage für den 360 Meter langen Abschnitt zwischen Gerhart-Hauptmann-Straße und Spitzgrundweg bekommen. Ursprünglich sollte schon 2016 gebaut werden. Schon damals war die Umleitungsplanung schwierig. Auch jetzt setze die Stadt darauf ein besonderes Augenmerk, heißt es aus dem Sachgebiet Straßenbau.

Zwei Umleitungsstrecken kommen derzeit in Betracht. Eine oben, eine unten an der Baustelle vorbei, beide ziemlich weitläufig (siehe Grafik). Eine Umleitungsoption würde über die Moritzburger Straße nach Lindenau führen und vorn dort weiter auf die S 81 und schließlich S 80 in Richtung Weinböhla. Die andere Umleitungsvariante verliefe durch Coswig. Autofahrer würden in Radebeul an der Obi-Kreuzung nach unten auf die S84 geleitet. Von dort ginge es über die Kötitzer Straße ins Gewerbegebiet, unterhalb vom Bahnhof lang und kurz hinterm Edeka wieder auf die Dresdner Straße.

Wann Autofahrer eine dieser beiden Umleitungsrouten nehmen müssen, steht indes noch nicht fest. Von der Stadt heißt es, man lote die Möglichkeiten für eine bauzeitliche Verschiebung aus. Im Klartext bedeutet das wohl, dass aus einem Baustart 2018 nichts wird. Eben deshalb, weil dann schon an vielen anderen Stellen gebaut werden soll. Zum Beispiel auf der Meißner Straße in Mitte. Dort muss Schienenersatzverkehr eingesetzt werden. Außerdem muss sich Radebeul auch mit den Nachbarn in Coswig abstimmen. Dort sollen im nächsten Jahr unter anderem Teile der Moritzburger, der Weinböhlaer und der Industriestraße saniert werden.

Die Anwohner am Kynastweg haben momentan mehr Ruhe, weil am oberen Ende der Straße neue Hausanschlüsse verlegt werden und Autos nicht vorbei kommen. „Von mir aus können die Bauarbeiten noch länger dauern“, sagt der Anwohner. Die Stadt will außerdem jetzt prüfen, ob im Kynastweg und im Rietzschkegrund Geschwindigkeitsmessstellen eingerichtet werden können. Dass dort jetzt, während die Kottenleite gesperrt ist, mehr Autos fahren, sei klar. Insgesamt sei das Verkehrsaufkommen in diesen Straßen aber trotzdem vergleichsweise gering, so die Stadt. Am Hausbergweg soll im oberen Abschnitt zukünftig gebaut werden. Dort sollen neue Kanäle verlegt werden. Die Straße breiter und aus der Einbahn- eine zweispurige Straße zu machen, sei aber nicht geplant.