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Mittwoch, 09.03.2016

Kampf um bezahlbare Wohnungen

Zehn Jahre nach dem Woba-Verkauf klagt der Mieterverein über zu hohe Wohnkosten. Es muss neu gebaut werden.

Von Julia Vollmer

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Genau vor zehn Jahren nach dem Verkauf der Woba herrscht aus Sicht des Dresdner Mieterverein ein Wohnungsmangel in der Stadt.
Genau vor zehn Jahren nach dem Verkauf der Woba herrscht aus Sicht des Dresdner Mieterverein ein Wohnungsmangel in der Stadt.

© dpa

Der Dresdner Mieterverein schlägt Alarm: Es herrscht Wohnungsmangel. Genau vor zehn Jahren verkaufte die Stadt die Woba.

Was sind die Ursachen für den Wohnungsmangel?

Der Wohnungsleerstand in der Stadt liegt derzeit bei knapp 1,5 bis zwei Prozent, sagt Peter Bartels, Chef des Mietervereins. Ab 2,5 Prozent spricht man von Wohnungsmangel. Ein Leerstand von bis zu zehn Prozent würde der Stadt guttun, so Bartels. Dann gäbe es wieder eine natürliche Konkurrenz unter den Vermietern. Bislang entscheiden nicht die Wohnungsgröße oder Lage über den Mietpreis, sondern schlicht das, was der potenzielle Mieter bereit ist, zu zahlen. Es zähle nur noch die Summe, die aus den Interessenten herauszupressen ist, beschwert sich Bartels. Das treibe die Mieten immens in die Höhe.

War der Woba-Verkauf 2006 tatsächlich eine gute Idee?

Mietervereinschef Bartels beantwortet die Frage mit einem klaren Nein. Der Verkauf des städtischen Wohnungsbauunternehmens im Jahr 2006 für 1,7 Milliarden, davon 700 Millionen Euro Schulden, sei ein nicht wieder gutzumachender Fehler. Der Verkauf der Woba geschah damals zu einem Zeitpunkt, als zu viele Wohnungen leer standen. Bartels hatte bereits damals prognostiziert, dass die Folgen des Verkaufs zehn Jahre später spürbar seien. Das bestätigt sich nun. Der Mieterverein kritisiert außerdem die damalige Verkaufssumme. Pro Wohnung hat die Stadt 37 000 Euro bekommen. Zu wenig, sagt Bartels. Mindestens 65 000 Euro seien drin gewesen.

Ist die Gründung einer neuen Wohnungsbaugesellschaft die Lösung?

Wir müssen neue Wohnungen bauen, und das so schnell wie möglich, so Bartels, der für die SPD im Stadtrat sitzt. Die Gründung einer neuen Gesellschaft sei dafür nicht zwingend nötig. Denkbar sei auch, sich bestehender Strukturen zu bedienen. Eine Option sei eine Neugründung auf Basis der städtischen Tochter Stesad. Die Stesad wurde von der Stadt beauftragt, jährlich 300 neue Wohnungen zu bauen. Das müssten aber noch mehr werden, um den Mangel zu beheben.

Wie soll die neue Woba finanziert werden?

Die Frage wird heiß diskutiert und ist einer der Hauptstreitpunkte in den gegenwärtigen Verhandlungen für die Kooperationsvereinbarung 2.0 der rot-grün-roten Stadtratsmehrheit. Peter Bartels befürwortet eine Anschubfinanzierung, spricht sich aber gegen einen dauerhaften Zuschuss durch die Stadt aus. So ein Unternehmen müsse sich selbst tragen. Zur Höhe der möglichen finanziellen Starthilfe wollte sich Bartels nicht äußern. Die „alte“ Woba habe aber auch keine finanzielle Unterstützung von der Stadtverwaltung bekommen.

Werden die Mieten in der Stadt weiter steigen?

Ja, sagt der Mietervereinschef. Derzeit verselbstständigt sich eine fatale Kette. Nachdem jahrelang der Wohnungsbau durch private Investoren mehr oder minder brach lag, passiert jetzt einiges. Viele neue, aber auch teure Wohnungen entstehen. Zieht ein Mieter, der sich eine teurere Wohnung leisten kann, um, werden seine alten vier Wände frei. Diese vermietet der Vermieter dann zu einem erhöhten Mietpreis weiter.

Die Nachfrage ist aufgrund des Wohnungsmangels da, Mieter zu finden sei kein Problem. Das zeige sich beispielsweise in der Äußeren Neustadt. Dort sind die Mieten in den letzten Jahren so stark angestiegen, dass immer mehr Menschen wegziehen. Das Viertel ist so beliebt, dass Neumieter bis zu neun Euro pro Quadratmeter zahlen.

Leser-Kommentare

Insgesamt 2 Kommentare

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  1. Michael H.

    Die WOBA-Wohnungen sind ja nicht weg, nur weil sie wem anders gehören. Es ist eine Illusion, daß heute Wohnungen unter Kostenmieten von 8 bis 9 Euro kalt gebaut werden können, egal von welchem Bauherrn. Das liegt an gestiegenen Baupreisen und an den ganzen technischen Anforderungen zu Energieeinsparung, Behindertengerechtigkeit und Brandschutz, die in den letzten zehn Jahren ständig nach oben geschraubt wurden. - Die Stadt könnte Wohnungsbau subventionieren, nur kostet das erhebliche Summen und nur wenige Mieter würden davon profitieren können. Der richtige Weg liegt in der Erhöhung des Wohngelds für Bedürftige.

  2. Matthias N.

    Es ist immer wieder schön, wenn der SPD-Stadtrat der 40%-igen SPD-Zeitung eine Pressemitteilung rüberschiebt und die Redaktion sofort einen wohlwollenden Artikel dazu schreibt. Es wird natürlich nicht nachgefragt, was die Stadt mit dem finanziellen Spielraum durch den WOBA-Verkauf angefangen hat. Welche Projekte (Schulen, Schwimmhallen, etc.) wären denn auf der Strecke geblieben mangels Eigenkapital der Stadt? Und es ziehen Menschen aus der Äußeren Neuststadt weg. So, so. Die Wohnungen bleiben aber nicht leer, sie werden sofort wieder bezogen, vermutlich auch von Menschen. Es gibt nun mal kein gesetzliches Wohnrecht in angesagten Stadtbezirken. Es wäre doch mal schön, wenn Leerstand und Mietpreise nach Stadtbezirken differenziert würde. Zumal Dresden (als 11.-größte Stadt) bei der Durchnittsmiete deutschlandweit auf Platz 41 (2014) aller Städte liegt, beim Durchschnittseinkommen aber auf Platz 25 (2013) liegt. So sieht eine drohende Verelendung wohl nicht aus.

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