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Samstag, 13.02.2016

Kammermusik in der Orangerie?

Für eine kulturelle Nutzung des Hauses im Herzogin Garten wurden mehrere Interessenten gefunden. Aber Verträge sind noch nicht geschlossen.

Von Bettina Klemm

Die Orangerie im Herzogin Garten
Die Orangerie im Herzogin Garten

© Visualierung: privat

Ein lang gehegter Wunsch vieler Dresdner nach einem Kammermusiksaal könnte schon in einem reichlichen Jahr Wirklichkeit werden. Etwa zehn Konzerte in der Saison stellen sich Musiker der Staatskapelle in der Orangerie im Herzogin Garten vor. Zudem wäre auch eine Nutzung als Probenraum für die Staatskapelle denkbar.

Mit einer Höhe von acht Metern und einer Breite von 14 Metern biete die Orangerie beste Voraussetzungen für Kammermusik, bestätigt ein Vertreter der Staatskapelle der Sächsischen Zeitung. Da aber noch zahlreiche Gremien zustimmen müssen, möchte er nicht genannt werden. So ähnlich sieht es auch bei anderen potenziellen Nutzern aus. Projektentwickler René Schulz von der Memesy GmbH hat in Absprache mit dem Bauherrn der Orangerie, der Saal GmbH, und dem Landesamt für Denkmalpflege in den vergangenen Wochen zahlreiche Gespräche geführt. „Wir können bestätigen, dass es einen großen Bedarf gibt, die Orangerie öffentlich zu nutzen“, sagt Schulz.

Das war auch großes Anliegen der Landeskonservatorin Professor Rosemarie Pohlack. Sie widersprach der Baugenehmigung. Die Stadt hatte ursprünglich zugestimmt, dass in dem Gebäude Wohnungen errichtet werden, weil die Bauherren keinen öffentlichen Bedarf nachweisen konnten. Pohlack hat empfohlen, dass die Orangerie so weit wie möglich originalgetreu wiedererrichtet und kulturell genutzt werden soll. So wurden die Pläne erneut überarbeitet und die Fassade zur großzügigen Gartenanlage nach dem Vorbild des Architekten Otto von Wolframsdorf geschaffen. Er hatte das Orangerie-Gebäude 1841 entworfen. Wegen des im Bau befindlichen Wohnprojektes auf dem Areal ist jedoch nur noch eine Länge von knapp 70 Metern möglich, einst waren es 115 Meter.

Die Baukosten werden nach Einschätzung von Torsten Nowack rund 7,5 Millionen Euro betragen. Der Projektleiter der Saal GmbH hat ein großes Zeitproblem. Aus bautechnischen Gründen muss der Orangerie-Bau etwa zeitgleich mit dem Wohnungsbau und der Gestaltung der Parkanlage auf dem Gelände erfolgen. Dies soll im nächsten Jahr abgeschlossen sein. Vor Baubeginn muss das Nutzungskonzept vorliegen.

Da Projektentwickler René Schulz vor allem Einrichtungen des Freistaates als künftige Nutzer ausfindig gemacht hat, hofft er nun auch, dass das Land Vertragspartner der Saal GmbH wird – vielleicht als Käufer oder als langfristiger Mieter. Die Verhandlungen dazu haben begonnen. Unterstützung könnte auch von der Ostsächsischen Sparkasse Dresden kommen. „Wenn sich ein gemeinsamer Wille bildet, sind wir zu jeder Zeit zu Gesprächen über eine Finanzierung bereit“, bestätigt Sprecher Andreas Rieger auf Anfrage.

Naturgemäß würde sich die Orangerie dafür eignen, die 80 Zitrusbäume, die künftig im Dresdner Zwinger wieder aufgestellt werden sollen, in den Wintermonaten zu schützen. Weil die öffentliche Bespielung des transparenten Gebäudes vielleicht aber eine bessere Variante wäre, gibt es derzeit die Idee, im Herzogin Garten etwas schlichtere Gewächshäuser zu bauen.

René Schulz ist mit den Staatlichen Kunstsammlungen, dem Kunstfonds Sachsen, dem Künstlerbund, dem Staatsschauspiel, der Kunsthochschule, der Musikhochschule und der Staatskanzlei im Gespräch. Auch die Messe Dresden kann sich im Zusammenhang mit großen Kongressen und Firmenpräsentationen Empfänge in der Orangerie vorstellen.